Widerstand gegen neuen Mega-Tempel der Pseudo-Kirche: Basler bieten Scientology die Stirn

Scientology leidet an Mitgliederschwund. Da soll der neu erbaute Mega-Tempel in Basel Abhilfe schaffen. Doch in Basel regt sich nun heftiger Widerstand gegen die neuen Zuzüger.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Am Bündner Goa-Openair auf Autobahn gelaufen Ein Toter am Shankra-Festival
2 Chaos im Letzi wegen «Besucherandrang» GC ist schon mit 4000 Fans...
3 Expats wundern sich im Internet Wir Schweizer sind Flirt-Stümper

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
41 shares
86 Kommentare
Fehler
Melden

Der Countdown für das  neue Zentrum an der Burgfelderstrasse 215 in Basel läuft. Am 25. April öffnet der Scientology-Mega-Tempel Ideal Org seine Pforten. Er ist der erste in der Schweiz. In Europa gibt es nur elf davon. Das Repräsentationsgebäude der Psycho-sekte soll neue Mitglieder anziehen, denn es gibt immer weniger.

Bisher war Zürich mit 120 hauptamtlichen Mitgliedern das Schweizer Zentrum der Sekte. Mit dem Ideal Org wird es Basel. 150 Menschen sollen dort arbeiten. Mit 4600 Quadratmetern ist das Gebäude beinahe doppelt so gross wie jenes in Zürich. Die Scientologen sind im Iselin-Quartier nicht willkommen. «Mir ist es unheimlich, wenn die Menschenfänger hier unterwegs sind, wo unsere Kinder zur Schule gehen», sagt eine Anwohnerin.

Unter dem Motto «Alles, was Krach macht» organisieren zwei Quartier-Originale eine Anti-Scientology-Party. «Wir werden die Eröffnung stören, so gut wir halt können», sagt Thomas Erlemann (50), Anführer der Basler Scientology-Gegner. Er ist Gründer der Organisa-tion «Gewaltfreie Aktion gegen eine Scientology-Zentrale in Basel». Ihn unterstützt der Informatiker Manfred Harrer (63), zuständig für die Aktualisierung der Internetseite. Harrer baut nebenbei eine Datenbank auf, die alle Basler Scientologen aufführt. «Damit sie nicht Firmen und Ämter infiltrieren können», sagt Harrer.

Erlemann und Harrer geniessen breite Unterstützung. Etwa von Physiker Andreas Aste, Präsident der CVP-Sektion Grossbasel West und Privatdozent an der Basler Universität. Aste wohnt ebenfalls im Quartier: «Die Sekte hat einen Ruf, da läuten bei mir alle Alarmglocken. Sie beutet wehrlose Menschen aus.»

Laut Aussteigern werden Mitglieder psychisch abhängig gemacht und finanziell ausgebeutet. Georg Otto Schmid (48), Leiter der evangelischen Infostelle Relinfo, sieht im neuen Tempel eine Offensive: «Scientology kämpft mit happigem Mitgliederschwund. Die Ideal Org sind Teil der aktuellen Kampagne, den Trend umzukehren. Grosse Bauten sollen neue Mitglieder anlocken.» Es werden zwar stets weniger, aber ein paar reiche Schweizer finanzieren Scientology nach wie vor.

«Die verbleibenden Mitglieder stehen unter enormem Druck», sagt Susanne Schaaf (50), Geschäftsführerin der Zürcher Beratungsstelle Infosekta. «Sie arbeiten bis zur Selbstausbeutung, um die Vorgaben zu erfüllen.»

Schlechtes Omen für das Basler Zentrum? «Der Ideal Org in Berlin war ein Flop», sagt Schmid: «Das Gebäude steht so gut wie immer leer.» Scientology Schweiz versteht den Widerstand nicht: «Die Anwohner werden uns gar nicht wahrnehmen, beteuert Sprecher Jürg Stettler. «Wir arbeiten da nur, missioniert wird woanders.»

Publiziert am 15.04.2015 | Aktualisiert am 15.04.2015
teilen
teilen
41 shares
86 Kommentare
Fehler
Melden

Vom Staat überwacht

Los Angeles – Die Scientologen bezeichnen sich als Religionsgemeinschaft und Kirche. Kritikern gilt sie als Psychosekte. Der Amerikaner L. Ron Hubbard († 74, Bild) gründete die Organisation 1954. Ziel: die Weltherrschaft. Und Geld verdienen. In den USA ist Scientology als Kirche anerkannt, in Deutschland überwacht sie der Verfassungsschutz. Scientology soll nach eigenen Angaben weltweit über zehn Millionen Mitglieder haben. Experten schätzen die Zahl auf 100 000, in der Schweiz auf weniger als 1000. Die Zentrale ist in Los Angeles.

Enthüllungs-Film über Scientology

New York – Am Dok-Film «Going Clear» von Regisseur Alex Gibney hat Scientology keine Freude. Er zeigt Details aus dem Innern der Sekte: Überwachung, Erpressung, Missbrauch. Der US-Bezahlsender HBO engagierte vor der Ausstrahlung 160 Anwälte, um sich vor Klagen zu schützen. Scientology soll Infos über seine Mitglieder sammeln, sogar über die berühmtesten, um sie zu erpressen. Darum könne etwa Schauspieler John Travolta (61, l.) die Organisation nicht verlassen. Auf Tom Cruise (52, r.) soll die Sekte Druck ausgeübt haben, damit er Nicole Kidman (47) verlässt.

Wehren sich die Basler zu Recht gegen Scientology?

Abstimmen

TOP-VIDEOS

86 Kommentare
  • Marco  Simone , via Facebook 15.04.2015
    Man merkt hier deutlich, dass viele keinen Scientologen privat kennen.
    • Cloud  Atlas 16.04.2015
      Und was würde das ändern? Scientology hat freundliche Menschen. Menschen mit einer Absicht können sehr charmant sein.

  • Roger  Smith , via Facebook 15.04.2015
    Hört doch auf mit der Scientologophobie. Meiner Meinung nach sollte man alle Religionen gleich behandeln. Egal ob Scientology, Christentum oder Islam. Klar ist Scientology einerseits lächerlich, andererseits gefährlich. Aber das sind andere Religionen auch.
  • timo  schenker 15.04.2015
    einfach mal im internet nach xenu googeln und nachlesen was die ideologische geheime grundidee der scientology ist - oder southpark schauen. dann wird einem schnell klar um was es geht!
  • andreas  Hammel aus Pfäffikon
    15.04.2015
    In den Medien und im täglichen Gespräch ist Scientology oft ein Thema. Und manch einer fragt sich danach:
    Was sind Fakten und was ist blosses "Hören-Sagen"?
  • Daxter  Quinn 15.04.2015
    Einfach mal eine «blöde» Frage in die Runde; wieso sind so viel gegen Scientology? Wenn ich die mit den anderen «Sekten» Christen, Islam.. vergleiche, dann leben sie viel friedlicher in der Welt als eben beispielsweise Islam, die sich täglich hundertfach umbringen..