Trau-Tourismus nach Deutschland Schweizer gehen schon zur Hochzeit fremd!

Der Einkaufs-Tourismus nach Deutschland? Nichts Neues. Doch jetzt gehen wir Schweizer auch zum Trauen über die Grenze. Unromantisch oder einfach geschickt Geld gespart?

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Die Sehnsucht der Schweizer nach günstigen Preisen führt sie nicht nur in deutsche Läden, sondern bis vor den Traualtar. Immer öfter gehen Paare jetzt schon zur Hochzeit fremd und verbringen den schönsten Tag im Leben ennet der Grenze.

Der unromantische Grund: So lassen sich Tausende Franken sparen. Besonders beliebt bei Schweizer Paaren ist die St.-Ottilien-Kirche im Lörracher Stadtteil Tüllingen (D).

Das reformierte Gotteshaus liegt nur 20 Autominuten von der Grenze entfernt auf einem Hügel und bietet einen atemberaubenden Ausblick bis nach Basel und in den Jura. Bei der Pfarrerin Beate Schmidtgen (49) melden sich fast täglich Paare aus der Schweiz. «Die Nachfrage ist enorm. Im Jahr lassen sich etwa 15 Schweizer Paare in unserer Kirche trauen», sagt Schmidtgen.

Den Deutschen machts nichts aus

Das «Fremdtrauen» wird von den deutschen Geistlichen geduldet. Einzige Bedingung: Die Brautleute müssen ihren eigenen Pfarrer mitbringen und eine Gebühr von 120 Euro zahlen für die Nutzung der mystischen Kirche St. Ottilien.

Pfarrerin Schmidtgen dürfte zwar Schweizer Paare trauen, doch ihr fehlt dafür schlicht die Zeit: «Die Nachfrage ist so gross, dass ich nur Mitglieder aus unserer Gemeinde vermähle. Mit den Schweizern wäre ich ja nur noch mit Trauungen beschäftigt.»

Der Basler Pfarrer Viktor Berger (65) traute bis vor seiner Pensionierung vor zwei Monaten regelmässig Schweizer in Deutschland. Ein Problem sieht er darin nicht, denn das «Fremdtrauen» ist gesetzlich erlaubt. «Wichtig», sagt er, «ist nur, dass die Eheschliessung in der Wohngemeinde des Paares registriert wird.» Ausserdem, findet Pfarrer Berger, sei die St.-Ottilien-Kirche nun mal besonders schön.

Stilvolle Kirchen gibt es auch in der Schweiz. Für den Lörracher Pfarrer Markus Schulz ist darum klar: «Es geht ums Geld. In Deutschland zahlt man für eine schöne Hochzeitsfeier zehntausend Euro.» In der Schweiz berappt man für ein vergleichbares Fest schnell mal 30 000 Franken und mehr.

Ein Vier-Gänger für 50 Euro

In Konstanz (D) etwa kostet ein Vier-Gänge-Menü an bester Adresse etwa 50 Euro pro Person, wie «Seehotel Riva»-Inhaber Peter Kolb bestätigt. Er sagt: «Die Schweizer buchen bei uns Hochzeitsfeiern, Geburtstagsfeste und Taufessen.»

Ähnlich tönt es bei vielen anderen Gaststätten von Konstanz bis Lörrach. Besonders begehrt ist Seesicht. Das Ganter Hotel und Restaurant Mohren auf der Bodensee Insel Reichenau etwa liegt direkt am Seeufer.

Inhaberin Gabriela Ganter bestätigt den Trend: «Wir haben im Jahr rund 30 Schweizer Hochzeiten und Geburtstagsfeiern.»

Ein Ausnahme bildet einzig Jestetten (D). Das Dorf ächzt zwar auch unter dem Schweizer  Einkaufswahn, bleibt aber von Trautouristen verschont. Der Grund laut Pfarrerin Sibylle Krause: «Unsere Kirche ist halt nicht besonders schön.»

Publiziert am 08.05.2015 | Aktualisiert am 08.05.2015
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49 Kommentare
  • Max  Egger aus Zürich
    08.05.2015
    Seit Jahren haben wir fast keine Lohnerhöhungen mehr. Der Teuerungsausgleich deckt kaum die Kostensteigerung der Krankenkasse. Was Mahnt uns die Politik immer? Allen voran die SVP, der Bürger müsse eine Selbstverantwortung übernehmen. Ich finde das macht jeder, der über die Grenze geht zum Einkaufen, Einkehren oder zum Heiraten. Er ist dafür besorgt, dass er sein Leben mit seinem Einkommen bestreiten kann ohne, dass er sich verschuldet.

    Max Egger, Zürich
  • Turi  Gubler 08.05.2015
    Man sollte die Löhne einfach Deutschland anpassen, dann wäre das Problem gelöst.
  • Blick  Dicht , via Facebook 08.05.2015
    Wieder einmal der Beweis dass Schweizer auch nur Rosinenpicker sind. Sind alle anderen zwar auch, aber die stehen wenigsten dazu und tun nicht so Scheinheilig.
  • Hans  Flick aus zollikerberg
    08.05.2015
    Kürzlich hier gelesen, dass der Einkaufstourismus 17000 schweizerische Jobs zerstört. Vielen Dank den Wirtschafts- und Bauernlakaien in Bern, welche absichtlich und aus egoistischen Motiven die Inlandpreise hoch halten.
  • Peter  Weber aus Zürich
    08.05.2015
    Wo ist das Problem? Die Region ist halt Grenzüberschreitend. Es gibt sogar ein Dreiländereck und oh Wunder dort eine Plastik genannt Dreispitz. Die Grenze trennt nur Staaten, aber keine Menschen. Da eine kirchliche Heirat eben kein staatlicher Vorgang ist, kann man das halt überall.