Sprach-Irrsinn Weder Vater noch Mutter – Beamte sollen künftig «das Elter» sagen

Die Stadt Bern streicht alle Wörter, die Frauen angeblich diskriminieren.

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Anweisung an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Bern: Ab sofort müssen Texte geschlechtergerecht formuliert werden.

Das bedeutet, bestimmte Wörter stehen von nun an auf der Schwarzen Liste. Der 22-seitige Sprachleitfaden für die Stadtverwaltung verbietet beispielsweise das Wort «Fussgängerstreifen». Neu soll man stattdessen «Zebrastreifen» schreiben und sagen.

Ziel ist die Gleichstellung von Mann und Frau

«Mit dem Wort Fussgängerstreifen sind nur die Männer gemeint», sagt Nadine Wenger, Projektmitarbeiterin bei der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann in Bern. Zebrastreifen dagegen sei ein neutraler Begriff.

Weitere Wörter wie Anfängerkurs, Führerausweis und Mannschaft stehen auf dem Index. «Unser Ziel ist die Gleichstellung von Mann und Frau. Und dazu gehört eben auch eine geschlechtergerechte Sprache», erklärt Wenger. Der Leitfaden ist eine Massnahme des Aktionsplans für die Gleichstellung, der vom Berner Gemeinderat (Exekutive) verabschiedet wurde.

Doch fühlen sich die Frauen bei einem Wort wie Fussgängerstreifen tatsächlich benachteiligt? «Das ist unterschiedlich», sagt Wenger. «Aber wenn man es genau nimmt, ist es eine Diskriminierung.»

Für amtliche Publikationen verbindlich

Auch die Bundeskanzlei hat einen Leitfaden für die Mitarbeitenden beim Staat verfasst. Der geht sogar noch weiter. Auf 192 Seiten wird erklärt, wie man in welcher Situation geschlechtergerecht korrekt formuliert.

Und auch die Liste der «diskriminierenden Wörter» ist länger. Statt Vater oder Mutter sollte man laut Bund besser «der Elternteil» oder «das Elter» schreiben. «Der Leitfaden ist für amtliche Publikationen verbindlich», sagt Isabel Kamber, Stellvertretende Leiterin Zentrale Sprachdienste, Sektion Deutsch.

Sanktionen für «Sexisten»

Das politisch korrekte Formulieren gibt aber auch Probleme. Fussgängerstreifen ist beim Bund auf dem Index, aber der Begriff «muss in Gesetzestexten verwendet werden, denn Zebrastreifen ist ein umgangssprachliches Wort und in juristischen Texten nicht zu gebrauchen», erklärt Kamber.

Ansonsten könne man bei Wörtern wie Urheberrecht, Einwohnerbefragung selber entscheiden, ob man diese oder alternative Begriffe benützt.

Der Leitfaden der Stadt Bern kostete unter 10 000 Franken und wird an die Angestellten abgegeben. Wer sich nicht dran hält, muss nicht mit Sanktionen rechnen. Egal ob Mann oder Frau.

STATT NEU
Mutter/Vater Der Elternteil oder das Elter
Mannschaft Team
Fussgängerzone Flanierzone
Anwenderbezogen Praxisbezogen
Benutzerhandbuch Bedienungshandbuch
Mitarbeitergespräch Qualifikationsgespräch
Einwohnerbefragung Bevölkerungsbefragung
Leserfreundlich Lesefreundlich
Arztpraxis Praxis für Allgemeinmedizin
Besucherparkplatz Gästeparkplatz
Buchhalterdiplom Buchhaltungsdiplom
Anfängerkurs Einstiegskurs
Lehrerzimmer Pausenzimmer
Patientenzimmer Wartezimmer
Kundenberatung Kundschaftsberatung
Publiziert am 03.06.2010 | Aktualisiert am 03.01.2012
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261 Kommentare
  •   06.06.2010
    Das Ganze ist doch purer Schwachsinn. Klar ist Fussgänger männlich, aber der Begriff schliesst Frauen doch per Definition mit ein. Und im plural spielt das Geschlecht des Wortes sowieso keine Rolle mehr, da wird alles neutral. Wenn man aber dieses Spiel nun konsequent durchzieht, was ist dann bitte die neutrale Form von der Mensch? Lassen wir das. Ich als Frau finde eher, das sich in diesem Projekt eine Feministin verwirklichen will. Wir haben weissgott grössere und wichtigere Probleme als das. Einfach lächerlich!
  •   06.06.2010
    Soo ein riesen Schwachsinn... Haben wir denn keine anderen wichtige Probleme als den Elter blödsinn?? Es wird Zeit, dass das Ferienlager im Berner Zirkus endlich aufgelöst und neu besetzt wird...
  •   05.06.2010
    Vor 45 Jahren haben wir doch als kleine Kinder Zebrastreifen im Chindsgi gesagt????? Drehen unsere Politiker jetzt völlig am Rad?
  •   05.06.2010
    Mein Grossvater sagte immer, der Staat sei nichts anderes als geplanter leerlauf.
  •   05.06.2010
    Wow, ich wusste gar nicht, dass wir mit der Gleichstellung schon auf so hohem Niveau angekommen sind, dass wir uns diesbezüglich um keine wichtigeren Fragen mehr zu kümmern haben... (z. B. gleicher Lohn für gleiche Arbeit!). Frauen, die sich durch Wörter wie Fussgängerstreifen herabgesetzt fühlen, müssen ein echt trauriges Dasein fristen und ich wage zu bezweifeln, dass dies der Zebrastreifen richten wird. Oder geht es hier darum überflüssige Experten zu beschäftigen? Einfach nur lächerlich!!! Es gibt tatsächlich noch Bereiche, in denen die Gleichstellung noch nicht ganz verwirklicht ist, aber solcher Irrsinn ist gift für ernsthafte Debatten. Liebe Emanzen, wir schreiben das Jahr 2010, bitte kommt auch mal in der Neuzeit an, ihr kämpft heute noch für Sachen, die wir zum Glück längst überwunden haben.