Sozial-Irrsinn in Hagenbuch ZH «Wegen einer Familie müssen wir die Steuern erhöhen»

Die Gemeindepräsidentin Therese Schläpfer (SVP) beschwert sich über die hohen Kosten, welche die Betreuer einer Flüchtlingsfamilie verursachen.

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Es gab Zeiten, da war im beschaulichen Hagenbuch ZH alles im Lot. Die Bewohner waren stolz auf ihr 1085-Seelen-Dorf, der Haushalt stimmte. Doch seit ein paar Monaten ist nichts mehr, wie es war. «Ich weiss weder ein noch aus», sagt Gemeindepräsidentin Therese Schläpfer (SVP). «Uns bleibt wohl keine andere Wahl, als die Steuern zu erhöhen.»

Alles fing an mit dem Zuzug einer eritreischen Flüchtlings­familie vor bald drei Jahren. Die Grossfamilie bekam eine Aufenthaltsbewilligung B (ein Jahr mit Verlängerungsmöglichkeit) und So­zialhilfe: 1500 Franken zahlt die Gemeinde für die Miete, 2600 Franken für den Unterhalt.

Vier Kinder im Heim

Bald war die Mutter überfordert. Heute leben vier der sieben Kinder im Heim: Jeder Platz kostet die Hagenbucher 9000 Franken pro Monat, wie BLICK-Recherchen zeigen. «Geld, das sicher auch die nächsten Jahre fehlen wird», seufzt Schläpfer.

Um die vier Kinder, die bei der Mutter leben, kümmern sich Sozialpädagogen. Im Schnitt ist die Betreuergruppe pro Tag sechs Stunden für die Familie da, 25 Tage im Monat. Sie helfen einkaufen, kochen, putzen oder fahren mit den Kindern in den Zoo.

Das kostet. 135 Franken pro Stunde und Betreuer, an Wochenenden und Abenden 145 Franken. Macht 20 000 Franken pro Monat. Mit den Heimkosten für die Geschwister sind es monatlich über 60 000 Franken. Darum muss Gemeindepräsidentin Schläpfer den Steuerfuss um mindestens fünf Prozent erhöhen.

Sie sass am Freitag bereits mit dem Finanzberater zusammen. Am 10. Dezember stimmt die Gemeindeversammlung ­darüber ab. Bringt Schläpfer die Erhöhung nicht durch, muss sich die Gemeinde nächstes Jahr verschulden. «Eine unmögliche Situa­tion. Ich bin den Bewohnern gegenüber verpflichtet, die Kosten im Rahmen zu halten.

Kanton und Bund verantwortlich

Und doch sind mir die Hände gebunden, da uns der Kanton die Verantwortung für die Betreuung der Familie entzogen hat.» Kein Wunder, wachse der Unmut.

Schläpfer macht auch Kanton und Bund für die Situation verantwortlich. Sie kenne ähnliche Fälle in anderen Gemeinden. «Störend ist, dass diese Familien keine Verpflichtungen haben, nur Rechte. Wenn ihnen Betreuer, Übersetzer oder Wohnung nicht passen, müssen wir uns fügen.» Die Folgen: Wut bei den Nachbarn, Unverständnis für die Flüchtlinge – wohl die höchsten Kosten dieses Irrsinns.

Publiziert am 15.09.2014 | Aktualisiert am 17.09.2014
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  • Gion  Devonas , via Facebook 15.09.2014
    Viele Schweizer Rentner die noch keine Pensions-Pflicht hatten müssen nicht zuletzt wegen solchen Missständen vom Existenz-Minimum leben! Ist da gerecht? Menschen... die ihr ganzes Leben hart gearbeitet haben fristen ihren Lebensabend in Alters-Armut. Aber bei dem Thema hört die Anteilnahme der zuständigen Politikern und der Behörden auf....das Geld wird anderweitig verschwendet!
  • Thea  Klee 15.09.2014
    Es geht auch anders. Ich erinnere an die Zeiten um 1970 als die Vietnamesen aufgenommen wurden. Sie kamen auch aus völlig anderer Umgebung und die ganze Nachbarschaft resp. Umgebung half im Akklimatisieren der Flüchtlinge. Deren Integration ist gelungen. Statt hier mit der grossen Kelle zu verwalten und Geld zu schütten, hätte man der Frau Unterstützung geben sollen, sie veranlassen richtig deutsch zu lernen und ihre Familie zusammenzuhalten. Das was hier abgeht ist wirklich katastrophal!
  • Thea  Klee 15.09.2014
    Wie kann es sein, dass eine Familie einem Dorf zugewiesen wird und sich dann der Ehemann ausklinkt und nach Winterthur verreist? Die Frau soll jetzt mit den 7 Kindern !! allein zurechtkommen. Sie kann die Sprache nicht und sie hat niemanden, der ihr zeigt, wie es hier geht resp. gehen soll. Aus meiner Sicht hätte der Mann nie weggehen dürfen und die Ueberforderung für die Frau ist sehr verständlich. Aber nicht, dass dann eine Armada von HIlfskräften angestellt wird auf Kosten der Gemeinde!
  • danny  wörner 15.09.2014
    Mir ist klar, dass ggf. traumatisierte menschen als flüchtlinge in der schweiz nicht leicht zu handhaben sind. Doch ich bin auch der meinung, dass man werkzeuge haben müsste um grenzen zu setzen. Dies scheint offenbar nicht möglich zu sein, auch schon deswegen, weil der Kanton über die Gemeindefinanzen verfügen kann, ohne rekursmöglichkeit. Eine krasse fehlsituation, da sie willkürliche möglichkeiten eröffnet. Sehr schade in einem rechtssystem wie es in der schweiz ist!!!
  • John  Kuipers aus Hagenbuch
    15.09.2014
    Was ist denn mit dem Verein, der die Familie ins Dorf geholt hat? Arbeitet die gute Frau da noch und wo steht dieser nun in der Verantwortung? Wir haben noch gelernt; wer A sagt muss auch B sagen. Aber eben, Werte haben in einer solchen Angelegenheit wohl nichts zu suchen... Obwohl, mit etwas Respekt und einer Erziehung wären die vier Kinder wohl weiterhin tragbar für die normale Schule gewesen und die Familie könnte im Dorf ein gutes Leben führen. Aber wer erwartet heute noch Respekt...