Schiessereien in Rehetobel AR, Malters LU und Altstätten SG Warum ist der Hanf-Handel so brutal?

ZÜRICH - Die Hanf-Razzia in Rehetobel AR ist nicht die erste, die blutig endete. Experten warnen: Die immer professionelleren Hanfbauern greifen gern zur Waffe, wenn jemand an ihr Gras will.

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Noch immer kämpft der Appenzeller Polizist (29) um sein Leben. Am Dienstag wurden sein Kollege (37) und er von Roger S.* (†33) bei einer Hanf-Razzia, die eskalierte, niedergeschossen. Die beiden Beamten durchsuchten ein Gebäude, weil sie dort eine Indooranlage vermuteten. Besitzer Roger S. zeigte sich zunächst kooperativ. Dann drehte er durch, griff zur Waffe und drückte ab.

Es ist nicht das erste Mal, dass es rund um Hanfplantagen zu Gewalt kommt. So wurde 2010 ein Mann (†32) in Schwarzenburg BE getötet, weil er auf dem Bauernhof von Alfred E.* Hanf stehlen wollte. 2015 kam es auch im Rheintal bei Altstätten SG zu einem schweren Überfall. Auch hier fielen Schüsse. Als die Polizei eintrifft, findet sie zwei schwer verletzte Männer (36 und 44) – und in der Industriehalle eine riesige Indooranlage.

Schweizer Hanfhandel: Warum kommt es immer wieder zu Schiessereien? play
Überfall in Altstätten: Bei einem Überfall auf diese Plantage im Rheintal wurden zwei Männer durch Schüsse schwer verletzt. KEYSTONE/KANTONSPOLIZEI SG

Der bekannteste Fall ereignete sich in Malters LU. Ursula R.* (†65) verbarrikadierte sich über 19 Stunden lang im Haus, weil die Polizei eine Razzia durchführen wollte. Der Sohn hatte bei seiner Mutter zwei grosse Indoorhanfplantagen installiert. Nach einem missglückten Zugriff der Einsatzkräfte tötete sich die Mutter selbst.

Professionelle Hanfbauern und Diebe 

Warum ist der Hanfhandel so brutal? Markus Melzl (64), ehemaliger Basler Kriminalkommissar, sagt: «Die Realität ist weit entfernt von alter Woodstock-Romantik.» Statt Hippies, Flower-Power und Frieden kennt er brutalste Gewalt: «Während meiner Zeit bei der Polizei habe ich immer wieder Schiessereien, Brandstiftungen und sogar eine Kindesentführung erlebt, wenn es um grössere Hanfplantagen ging.» Er stellt fest: «Im Hanfhandel wird zum Teil mit harten Bandagen gekämpft.»

Ein Grund ist auch die «gestiegene Professionalität», weiss Eugen Rentsch. Er ist Leiter der Dienststelle Betäubungsmitteldelikte bei der St. Galler Polizei und kennt das Drogengeschäft aus dem Ermittlungsalltag. Er betont, dass das Bild des Kleinbauern, der für den Eigenkonsum auf dem Balkon oder im Garten anbaut, überholt ist: «Der Hanfanbau ist immer mehr bandenmässig organisiert.»

Immer grössere Indooranlagen

Fakt ist: In der Schweiz hat die Zahl der Indooranlagen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Zudem sind sie vom Umfang her grösser. Wurden früher in Kleinanlagen zehn bis 100 Pflanzen gezüchtet, sind es heute häufig Anlagen mit 400 bis 1000 Pflanzen. Die grossindustrielle Produktion weckt böse Begierden. «Wir stellen fest, dass Indooranlagen auch für Diebe interessant geworden sind», so Rentsch. Dies habe zu einer Gegenreaktion der Plantagenbesitzer geführt: «Sie haben in den vergangenen Jahren damit begonnen, ihre Anlagen zu bewachen und zu beschützen. Das hat die Entwicklung der Gewalt unterstützt.» Waffen kämen immer öfter ins Spiel.

Dennoch sind laut Drogenermittler Rentsch blutige Eskalationen wie zuletzt in Rehetobel eine traurige Ausnahme: «Die meisten Aushebungen verlaufen friedlich.»

Publiziert am 06.01.2017 | Aktualisiert am 06.01.2017
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20 Kommentare
  • Lichtenhagen  Peter aus Adliswil
    06.01.2017
    Der Hanfhandel ist brutal weil der Bund zu dumm ist um eine sichere Einnahmequelle zu erschliessen. Siehe Bundesstaat Colorado (USA). Weiso das Hanf immer noch als Droge verteufelt wird gleichzeitig Alkohol als Salonfähig angesehen wird verstehe ich nicht. Legalize it!!!
  • Erich  Winter , via Facebook 06.01.2017
    Schade für diese nützliche Pflanze. Entweder ist sie legal im Handel bestimmt.Oder es ist illegal, solche Pflanzen für weitergabe zu züchten.
    Ob jemand es für sein eigengenuss in Gebrauch nimmt, sei dahingestellt.
    Es ist wie bei einer Schuss abgabe.Entweder berehtoigt oder unberechtigt.
  • Andreas  Siegenthaler aus Uerkheim
    06.01.2017
    Der Bericht ist ein absoluter Mischmasch von Fakten.
    Punkt 1): Wo ist nun diese Anlage? Anscheinend gab es diese nicht.
    Punkt 2) greifen die Plantagenbesitzer dann zur Waffe wenn ihnen jemand das Gras klauen will (eher nicht die Polizei).
    Punkt 3): Die Politik befasst sich seit 20 Jahren (oder länger) mit dem Thema und ist keinen Schritt weiter.
    Punkt 4) der Täter auch bei einer anderen Gelegenheit geschossen hätte und das Thema Hanf damit eigentlich wenig zu tun hat.

  • Bill  Berger aus Reute
    06.01.2017
    Legalisieren bringt etwas, wenn der Rest von Europa mitzieht. Ansonsten wird die Schweiz zu einem Gewächshaus für Europa. Das wäre auch mit Bewilligungen und staatlicher Kontrolle nicht durchsetzbar, wie man sehr schön in den Staaten der USA sehen kann, die so handeln. Kriminalität, Schmuggel, Schwarzmarkt wäre eventuell grösser.
  • Silvio  Hertli , via Facebook 06.01.2017
    "Warum ist der Hanf-Handel so brutal?"
    Ich würde mal schätzen, weil er illegal ist, weil er (in solchen Fällen zumindest) hoch professionell betrieben wird und weil es deshalb um sehr viel Geld geht.

    Ein "kleiner Kiffer", der über Sommer 1-2 Pflanzen auf dem Balkon hat oder vielleicht seinen Eigenbedarf aus einer kleinen GrowBox deckt,
    der würde wohl kaum auf Polizisten schiessen.
    Geht es aber um 100tausende von Franken und/oder um den eigenen Arbeitspltz (!) dann wiegt die Sache anders.