Nur noch ein Login Die digitale Unterschrift kommt

ZÜRICH - Radikaler Umbruch: Hinter den Kulissen arbeitet die Schweiz am Online-Identitätsnachweis für alle.

Digitale Unterschrift: Ein Online-Identitätsnachweis für alles play

«Wir möchten, dass sich Kunden dereinst mit dem Bank-Login etwa bei Online-Shops, Ämtern oder für die Steuererklärung anmelden können», sagt Andreas Kubli (47), Head Multichannel Management & Digitization bei der UBS.

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Wer das Internet nutzt, kennt das Problem: Fast täglich erstellt man neue Passwörter und Logins für E-Mail, Social Media oder Shops, für E-Banking, Handy-Accounts, Konten bei Behörden, SBB und Post – das Dickicht der Login-Daten wächst und wächst.

Bald könnte es radikal gestutzt werden. Hinter den Kulissen arbeitet die Schweiz an einer digitalen Identitätskarte. Wie die E-ID genau aussehen wird, ist noch unklar.

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) wird einen unverbindlichen Vorschlag ausarbeiten, der im Frühling in die Vernehmlassung gehen soll. «Der Bund wird sich auf die Defini­tion der rechtlichen Rahmenbedingungen konzentrieren», sagt Lulzana Musliu, Sprecherin beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement. Die Umsetzung übernehmen Private.

SonntagsBlick weiss: UBS, Credit Suisse und Swisscom haben sich für ein Pilotprojekt mit dem Start-up Notakey zusammengeschlossen.

Passepartout fürs Internet

Ihr Ziel: einen Passepartout fürs Internet zu entwickeln. «Wir möchten, dass sich Kunden dereinst mit dem Bank-Login etwa bei Online-Shops, Ämtern oder für die Steuererklärung anmelden können», sagt Andreas Kubli (47), Head Multichannel Management & Digitization bei der UBS. «Für uns ist das ein sehr spannendes Thema, da es viele Prozesse vereinfachen kann und der Kunde einen grossen Nutzen hat.»

Digitale Unterschrift: Ein Online-Identitätsnachweis für alles play
Will die E-ID: Digitec-Gründer und FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Gaetan Bally

Das ist ganz im Sinn von FDP-Nationalrat und Digitec-Mitgründer Marcel Dobler (36). Der künftige Präsident des Informatikverbands ICT Switzerland fordert, dass sich Swisscom, Sunrise, PostFinance, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank und Grossbanken zu einem Konsortium zusammentun, um eine elektronische Identität und eine elektronische Unterschrift zu erarbeiten. «Die Schweiz ist reif dafür», sagt er. «Wenn wir das schnell umsetzen, haben wir einen riesigen Vorteil gegenüber dem Ausland.»

Wer heute einen Vertrag abschliessen oder die Steuererklärung abgeben will, muss das Dokument ausdrucken, unterschreiben und verschicken. Das wäre dann Vergangenheit. Per E-Identität könnten sich Nutzer überall im Netz einloggen – durch nur einen Zugang. Mit der E-Unterschrift liessen sich viel Geld, Papier und Zeit sparen, ist IT-Spezialist Dobler überzeugt.

«Zu teuer, zu umständlich»

Die Schweizerische Post ist daran, ihre Suisse ID neu zu lancieren. Schon 2010 nahm sie einen ersten Anlauf, um die elektronische Unterschrift einzuführen. Der Bund subventionierte das Projekt mit 17 Millionen Franken. Doch es scheiterte. «Zu teuer, zu umständlich und leider nicht mehr als ein Experiment, das gut gemeint war», sagt Dobler.

Er befürchtet allerdings, dass auch bei der Entwicklung der E-ID verschiedene Unternehmen versucht sein könnten, ihr eigenes Süppchen zu kochen.

Wie es bereits bei mobilen Bezahlsystemen via Smartphone passiert ist: Erst lancierte PostFinance Twint, die Finanzdienstleister Six, UBS und ZKB folgten mit ihrer eigenen App Paymit, und Swisscom entwickelte Tapit. Durchgesetzt hat sich keine. Um den Angriff von Apple und Samsung abzuwehren, einigten sich alle letztlich auf Twint.

Es scheint, als hätte man daraus gelernt. «Wir sind offen für eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen», versichert Kubli von der UBS. «Die Digitalisierung bringt Unternehmen dazu, stärker zusammenzuarbeiten.»

Publiziert am 11.12.2016 | Aktualisiert am 11.01.2017
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11 Kommentare
  • Werner  Klee aus Kindhausen
    12.12.2016
    Gute Projekt-Idee.
    Lassen wir die Vorschläge auf uns zukommen.
    Ich möchte aber schon, dass dann über die endgültige Ausführung demokratisch entschieden wird !
  • Roger  Stahel 11.12.2016
    Klar und ich komme mit einem Klebband und schon habe ich die Fingerabdrücke,das ist gar nicht sicher!Wenn schon sicher dann eher mit einem Augenscanner!
  • Tobias  Grütter 11.12.2016
    Wann hat der «IT-Spezialist» Tobler das letzte Mal seine Steuererklärung selber ausgefüllt? Die muss man seit Jahren nicht mehr ausdrucken und unterschreiben! Man kann aus der offiziellen (vom Kanton zur Verfügung gestellten) Software direkt alle Daten digital ans Steueramt übermitteln. Dort müssen die Daten dann auch nicht mehr vom Papier mühsam abgetippt werden. Verträge können seit 2005 mit eine elektronischen Signatur ebenso digital abgeschlossen werden. Willkommen im Neuland, Hr. Tobler.
    • Mike  Egger 11.12.2016
      Die Quittung der Steuererklärung muss auch heute immer noch ausgedruckt und persönlich unterschrieben werden, auch mit eTax.
    • Marco  Polo aus Mels
      11.12.2016
      Herr Grütter, ich kann zwar meine Steuererklärung digital einreichen aber ich muss nach wie vor (und Sie auch) das von der Steuerverwaltung zugestellte Formular von Hand unterschreiben und einschicken.
  • Heinrich  Klartext 11.12.2016
    Grundsätzlich lobenswert, aber vielfach einfach nur abgeschrieben. Es genügt ein Blick über die Grenzen, Italien z.B wo man ähnliche Systeme schon lange kennt. Rechtssichere eMail (PEC) wäre vielleicht auch nicht schlecht, Anbindung von übergreifenden eBilling Systemen (Peppol) usw. um ein paar Beispiele zu nennen. Zuerst die Hausaufgaben machen und dann träumen.
  • Sandra  Jakob aus Winterthur
    11.12.2016
    Solange man den Internet-Betrügern nicht Herr wird, gibt es keinen sicheren Ablauf, welcher einfacher ist als heute bei der Bank: Man braucht zwei unabhängige Geräte und zwei mal Login.