Neue Moschee-Initiative in der Schweiz Jetzt rufen Frauen zum Gebet

BASEL - Heute startet die Offene Moschee Schweiz in Basel. Männer, Frauen und Kinder können dort gemeinsam beten – auch unter weiblicher Leitung.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Grosse Suche auf Facebook Wo ist meine Mutter?
2 Dicke Post in Hochdorf LU Frau täuschte Raubüberfall nur vor
3 Er stürzte kopfvoran von den Ringen Maurer-Lehrling verunfallt...

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
20 Kommentare
Fehler
Melden

Tagelang war die An'Nur-Moschee in Winterthur ZH geschlossen. Die Polizei nahm den Verantwortlichen nach einer Razzia und mehreren Festnahmen die Schlüssel weg.

Jetzt steht das Gotteshaus wieder offen. Am Freitag trafen sich die Gläubigen dort zum Gebet. Die Männer im grossen, geschmückten Raum im Obergeschoss, die Frauen in einem separaten Raum. Denn seit Jahrhunderten gilt in den allermeisten Moscheen weltweit eine strikte Geschlechtertrennung.

«Die Zeit ist gekommen, das zu hinterfragen», sagt Elham Manea (50), Politologin an der Universität Zürich. «Es braucht eine Moschee, wo Männer und Frauen gemeinsam beten können.»

Offene Moschee Schweiz

Zusammen mit der Autorin Jasmin El-Sonbati (56) hat die Muslimin die Offene Moschee Schweiz gegründet. Die Organisation führt heute in der Basler Elisabethen-Kirche ein gemeinschaftliches muslimisches Gebet durch. «Männer, Frauen, Mädchen und Knaben – alle sind willkommen», sagt Manea. «Auch die sexuelle Orientierung oder die religiöse Gesinnung spielen keine Rolle.» Ein Tabu-Bruch, der konservativen Muslimen nicht gefallen wird. Umso weniger, weil eine Frau das Gebet leiten wird.

Einen Testlauf gab es schon im Mai. Im Berner Haus der Religionen traten zwei weibliche Imame vor die Gemeinde. «Die Reaktionen waren heftig, vor allem aus dem Ausland», sagt Manea. Über Mails und in sozialen Medien habe man sie bedroht.

Doch sie lasse sich nicht einschüchtern. «Ich hoffe, dass wir eine richtige Bewegung auslösen und immer mehr werden. Damit die Gegner merken, dass sie uns nicht mehr stoppen können.»

Vorbild ist die Inclusive Mosque Initiative (IMI). Die Organisation will einen Islam, bei dem alle willkommen sind. Gegründet wurde sie vor vier Jahren in London. Eine ältere Frau wollte dort die Moschee besuchen. Der Raum für Frauen befand sich im oberen Stock, im Rollstuhl konnte sie diesen nicht erreichen. Da bat sie, im Erdgeschoss beten zu dürfen. Die Verantwortlichen lehnten ab, schickten die Frau nach Hause. Zwei Tage später war sie tot. Darauf gründete ihre Tochter die IMI.

«Diese Geschichte muss einen als Menschen doch bewegen», sagt Manea. Beinahe hätte sie Ähnliches erleben müssen. «Als mein Vater im Jemen starb, wollte ich ihn begraben. Mehrere Männer wollten mich davon abhalten, weil das eine Frau nicht darf.» Sie sei aber hartnäckig geblieben. «Bis sie gemerkt haben, dass ich seine Tochter bin und mich nicht stoppen lasse.»

Mit dieser Entschlossenheit wollen Manea und auch El-Sonbati die Offene Moschee Schweiz ­vorantreiben.

«Schliesslich sind vor Gott alle gleich»

Nach Basel sollen weitere Städte dazukommen, Kritik hin oder her. «Jede Veränderung macht Angst. Ich verstehe, wenn viele Leute skeptisch sind», sagt die Politologin. Klar sei auch, dass jede Religion Grenzen hat. «Veränderungen müssen aber trotzdem möglich sein. Und wir wollen ja nur zusammen beten. Schliesslich sind vor Gott alle gleich. Wo liegt das Problem?»

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe das grosse Interview mit Politologin Elham Manea über den Islamischen Zentralrat, das Burkaverbot und die Imam-Ausbildung.  

Publiziert am 13.11.2016 | Aktualisiert am 24.11.2016
teilen
teilen
0 shares
20 Kommentare
Fehler
Melden

Gehört die Geschlechtertrennung in Moscheen aufgehoben?

Abstimmen

20 Kommentare
  • Seo  O. 13.11.2016
    Sehr gut geschrieben! Viele bilden sich ein, dass ohne Religionen Weltfrieden herrschen würde. Dabei ist der Mensch der Unruhestifter, getrieben von (politischer und wirtschaftlicher) Machtgier und (materiellem) Reichtum! Der Glaube an Gott wirkt dem entgegen, Gläubige Menschen neigen weniger zum Konsum und weniger zur Ausbeutung unseres Planeten! Das stört...
  • Hans  Leuchli aus Vellerat
    13.11.2016
    Intelligente neue Masche um Moscheen in der Schweiz zu bauen. Natürlich wird eine solche Idee von den Medien unterstützt. Politcal Correctness eben für einmal mit dem Reformentrick.
    Aber wie immer eine Einbahnstrasse für eine bestimmte Gruppe welche expandieren möchte.
    Nein Danke.
  • Schumacher  Renato 13.11.2016
    Nein, Orlando, es ist nicht die Religion als solche, die das Elend in die Welt bringt, sondern es ist die Gottlosigkeit der Menschen. Die Religion hat nur dann ihren Anteil, wenn deren Vertreter sich nicht an die Schrift halten, wenn Politiker sie für ihre Zwecke missbrauchen oder wenn sie von gottlosen Gegnern bekämpft wird. Das Elend verursacht der Mensch, wenn er sich über die göttlichen Gebote erhebt. Die Religio (Zurückbindung) soll ihn daran hindern.
  • Hans  Moser aus GÖRLITZ
    13.11.2016
    Wir wollen bestimmen wie es in einer anderen Religion zugehen soll, aber die eigene Religion (wir sind Christen!!!!!!!) haben wir schon lange verdrängt und nicht mehr im Griff!
  • Pietro  Secreto aus Kölliken
    13.11.2016
    In einigen (Dorf) Kirchen ist es immer noch so, dass rechts die Frauen sitzen links die Männer. Die Umfrage sollte aber heissen, Neue Moscheen ja oder nein!