Vierfachmord von Rupperswil AG bald ein Jahr her – Gemeindeammann Ruedi Hediger über das Leben danach «Man begegnet sich mit mehr Respekt»

RUPPERSWIL AG - Am 21. Dezember jährt sich der schreckliche Vierfachmord von Rupperswil zum ersten Mal. BLICK hat mit dem Gemeindeammann über das Leben nach dem Drama und mit der Staatsanwaltschaft über den aktuellen Ermittlungsstand gesprochen.

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Bald jährt sich eines der schlimmsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte: der Vierfachmord von Rupperswil AG. Thomas N.* (33) hatte am 21. Dezember 2015 Carla S. (†48), ihre Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona F. (†21) brutal getötet. 146 Tage später wurde N. gefasst (BLICK berichtete).

Während der geständige Vierfachmörder in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg AG auf seinen Prozess wartet, kehrt in Rupperswil langsam wieder Ruhe ein. «Die Wunden sind am Verheilen», sagt Gemeindeammann Ruedi Hediger (59) zu BLICK. Weil er diesen Prozess weiter unterstützen will, verzichtet man auf eine Gedenkfeier zum Jahrestag. «Auch aus Rücksichtnahme auf die Angehörigen, welche Ruhe verdient haben.»

Wandel in der Bevölkerung

Die anfallenden Geschäfte hätten der Gemeinde geholfen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. «Zurück bleibt aber immer der Gedanke an das Geschehene und die tiefempfundene Anteilnahme mit den Angehörigen.» Zudem habe man seit der Tat feststellen können, dass in der Bevölkerung ein Wandel erfolgte: «Man begegnet sich mit mehr Respekt, hört zu, schätzt die Zusammengehörigkeit und akzeptiert den anderen mit seinen Meinungen.»

Persönlich sei es seine Pflicht gewesen, «auch in schweren Zeiten für das Dorf und die Leute da zu sein und meine Unterstützung anzubieten», sagt Hediger. «Das Mitgefühl, die Unterstützung und das Verständnis der Bevölkerung haben mir dabei sehr geholfen. Dafür bin ich dankbar.» Gleichzeitig ermuntert er alle, «das kommende Jahr mit Zuversicht und die Herausforderungen gemeinsam anzugehen».

Untersuchung läuft noch

Mittlerweile lebt auch die Mutter von Thomas N. wieder in dem Haus, in welchem sie mit ihrem Sohn wohnte. Das Haus der Opfer hingegen soll versteigert werden – alle Angehörigen haben das Erbe ausgeschlagen. In den zweiten Teil des Reihenhauses, aus dem ein Paar auszog, soll bald ein neues einziehen.

Die Staatsanwaltschaft ist derweil daran, die Untersuchung abzuschliessen. «Dies wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen», sagt Sprecherin Fiona Strebel. Wann es zur Anklage und zum Prozess kommen wird, kann sie noch nicht sagen: «Das hängt unter anderem auch von der psychiatrischen Begutachtung ab, und die läuft noch.»

Tröstende Worte für die Angehörigen

Laut BLICK-Recherchen soll sich Thomas N. im Gefängnis wie ein Lämmchen benehmen. Bei den Insassen jedoch ist er als Kindsmörder auf der untersten Hierarchiestufe angesiedelt – und muss jederzeit mit Übergriffen rechnen.

Zum Täter will sich der Gemeindeammann nicht äussern. Den Angehörigen der Opfer schenkt Ruedi Hediger dafür tröstende Worte für die kommenden schweren Tage: «Ihnen sichere ich weiterhin mein tiefempfundenes Mitgefühl und meine volle Unterstützung zu. Der Gemeinderat und wir Rupperswiler sind für sie da.»

* Namen der Redaktion bekannt

Publiziert am 09.12.2016 | Aktualisiert am 09.12.2016
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11 Kommentare
  • Carina  König aus Arbon
    09.12.2016
    Eine Mutter, die erkennen muss, dass ihr Kind ein Mörder wurde, ist für den Rest des Lebens genug gestraft. Was ich nicht verstehe: warum haben die Verwandten der Opfer das Erbe ausgeschlagen? Das macht man doch eigentlich nur, wenn man Gefahr läuft, auf einem Schuldenberg sitzen zu bleiben?
  • Serafina  Maurer 09.12.2016
    Auch die Mutter soll ein normales Leben weiterführen sollen und dürfen. Es ist für sie wohl unermesslich schrecklich genug, dass ihr Sohn solch eine Tag vollbracht hat, da braucht sie es sicherlich als Letztes, auch noch verurteilt zu werden. Für diesen Mord kann sie doch nichts dafür und sie hat ein Anrecht darauf, wieder ein "normales Leben" zu führen - wie auch immer dies möglich sein wird. Wenn sie das dort nicht kann/will, merkt sie das dann schon selber!
  • Marlen  Volderbergen 09.12.2016
    Was man immer noch nicht weiss und vielleicht nie erfahren wird, was aber sehr interessant (und vielleicht für viele lehrreich) zu wissen wäre: Weshalb um alles in der Welt ist die Mutter wieder ins Haus zum Verbrecher zurück, ohne auch nur die geringste Hilfe zu holen, obwohl sie die Gelegenheit hatte die Polizei zu alarmieren?! Das ist bis heute absolut unverständlich. Die Aussage, "jede Mutter handelt so" ist jedenfalls eine Beleidigung aller vernünftig denkender Mütter.
    • Georg  Ritter 09.12.2016
      Sehr interessant zu erfahren, warum die Dame keine Hilfe geholt hat, wäre es, weil sicher viele aus der Antwort etwas lernen könnten. Und ich bin froh, hatte ich eine Mutter, die sich nie ins Bockshorn jagen liess.
  • Hans  Scheidegger 09.12.2016
    Es ist gut, wenn jetzt ein wenig Ruhe nach diesem unfassbaren und Abscheu erregenden Geschehen in Rupperswil eingekehrt ist. Doch dieses unvorstellbare Verbrechen schmerzt Einem heute noch. Ebenso gut ist, dass der grausam und eiskalt handelnde Täter gefasst wurde. Nach akribischen und aufwendigen Ermittlungen der zuständigen Untersuchungsbehörden. Ich wünsche den Angehörigen der Opfer weiterhin viel Kraft und Zuversicht. Und dass die Bestie Thomas N. nie wieder das Zuchthaus verlassen kann.
  • Thomas  Zürcher 09.12.2016
    Eines müssen wir uns bewusst sein solch ein Verbrechen kann sich jederzeit wiederholen.Der Fall Rupperswil zeigt das Böse lebt quasi unter uns.Die meisten psychisch gestörten Täter führen ein unauffälliges Leben sind nicht vorbestraft eher zurückhaltend, ordentlich und freundlich, eigentlich wie viele von uns und trotzdem sind einige von uns tickende Zeitbomben die jederzeit explodieren können.
    • Susanne  Reich 09.12.2016
      Nur, was wollen Sie dagegen tun? Alle unter Generalverdacht stellen. Vielleicht entspricht der Eine oder Andere nicht ganz der gesellschaftlichen Norm, trotzdem kann es sich um einen sehr positiven Mitmenschen handeln. Es wird gefährlich, wenn man beginnt, allzu misstrauisch auf alles vermeintlich Merkwürdige zu schauen. Bleiben wir Mensch und spielen uns nicht auf um über andere den Stab zu brechen. Manche Leute muss man zuerst besser kennenlernen um dann festzustellen, dass sie ganz i.O. sind.