Triumph für Hells Angels, Pleite für Staatsanwalt Keine Strafe nach Schlacht von Ehrendingen

EHRENDINGEN AG - Es tönte hochdramatisch. Rund 100 Hells Angels hätten vor dem Clublokal des Outlaw-Clubs in Ehrendingen eine Massenschlägerei angezettelt, meldete die Aargauer Kantonspolizei. Ohne Vorwarnung hätten sie mit Steinen und Holzlatten auf parkierte Autos eingeschlagen.

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Die Meldung der Kantonspolizei Aargau klang dramatisch: «Rund hundert Hells Angels zettelten am Samstag, dem 12. Juni 2010 vor dem Clublokal der Outlaws in Ehrendingen AG eine Massenschlägerei an.» Mit Steinen und Holzlatten sollen sie auf parkierte Autos eingeschlagen haben. Auch Schusswaffen seien im Spiel gewesen: In einem WC-Häuschen steckten zwei Kugeln.

Jetzt, über sechs Jahre nach der Schlacht von Ehrendingen, lösen sich die Vorwürfe von Polizei und Staatsanwaltschaft mehr oder minder in Luft auf. 

Unbestritten ist: Es waren viele Männer vor Ort. Und am Schluss bot sich ein Bild der Verwüstung. Die Polizei nahm drei Personen fest. Insgesamt 36 verurteilte die Staatsanwaltschaft wegen Landfriedensbruch zu Geldstrafen. 19, sieben davon Hells Angels, rekurrierten gegen den Strafbefehl. Mit Erfolg. Das Bezirksgericht Baden AG sprach nun alle frei.

Entschädigung von 200 Franken pro Tag

Laut Urteilsbegründung kann «nicht gesagt werden, dass der ganze Konvoi von einer bedrohlichen, friedensstörenden Grundstimmung getragen wurde». Mit der gleichen Begründung sprach das Bezirksgericht auch die drei Festgenommen frei – alle drei keine Hells-Members – und sprach ihnen eine Entschädigung von 200 Franken pro Tag für die fünf Tage U-Haft zu.

Die Beschuldigten, darunter Hemi, der Präsident der Zürcher Hells Angels, hatten geltend gemacht, überhaupt nicht in Ehrendingen gewesen zu sein. Laut Urteil wurden sie aufgrund fotografierter Nummernschilder verurteilt oder weil man sie auf Fotos erkannt haben will. «Bei einigen wird im Strafbefehl ohne weitere Begründung behauptet, sie seien vor Ort gewesen», rügte das Gericht. Dabei sei es bekannterweise bei Bikern gang und gäbe, sich untereinander die Motorräder auszuleihen.

Sieben von acht Hells sind also fein raus. «Nur ein auswärtiges Mitglied hatte den Strafbefehl akzeptiert», sagt Anwalt ­Valentin Landmann, der Hells-Präsident Hemi vertreten hat. «Wie alle anderen, wäre auch er mit Sicherheit freigesprochen worden.» Landmann ist zufrieden: «Das Gericht hat erkannt, dass man als Biker nicht bei jedem Ausflug damit rechnen muss, dass etwas gewalttätig eskaliert.» Ein Rätsel ist ihm, wie die Kantonspolizei damals auf hundert Hells Angels kam. 

Bis heute nicht aufgeklärt ist auch die Urheberschaft der Sachbeschädigung.

Publiziert am 15.10.2016 | Aktualisiert am 15.10.2016
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9 Kommentare
  • Manfred  Schnyder aus Wanzwil
    16.10.2016
    Wenn man die Szene kennt lehnt man kein Motorrad oder Frau aus.
  • Arnold  Sommerhalder aus Walterswil
    15.10.2016
    "Dabei sei es bekannterweise bei Bikern gang und gäbe, sich untereinander die Motorräder auszuleihen."+
    Gut, dann habe ich bei der nächsten Radarbusse mein Auto auch irgend jemandem ausgeliehen. Ist ja bekannt dass Autos ausgeliehen werden. Oder sind vor dem Gesetz nicht alle gleich, nur etwas gleicher??!
  • Coni  Müller 15.10.2016
    Sobald Polizei, Staatsanwälte etc. mehr als nur Radarfotos auswerten müssen sind sie halt masslos überfordert. Dafür läst man den Frust an den Autofahrrn aus, die mal etwas zu schnell an Radarfallen auf Autobahnen vorbeifahren. Ist doch einfach nur peinlich, aber bringt Geld in die Kassen.
    • willi  weber 15.10.2016
      Leider richtig. Gerade wieder zurück aus Berlin, kein Radarkasten weit und breit, nur hierzulande hat man nichts Gescheiteres zu tun als jedem Autofahrer hinterherzurennen, während alle andern der Justiz auf der Nase rumtanzen können.
    • alfred  Ferner aus stansstad
      16.10.2016
      Lieber Willi Weber
      von Basel bis nach Berlin ( über 800 RADAR ) und viele abschnitten mit Begrenzung auf 120 Km !!! und jeder Blitzer (busse)kommt mittlerweile durch abkommen in die Schweiz ... 2 Städten werden verdienen (D + CHF ) plus administrative kosten der SCHWEIZ !!! NUR X SOVIEL DAZU ...
  • Christian  Schlumpf , via Facebook 15.10.2016
    Muss es zuerst Tote geben ,bis die Polizei durchgreifen kann und die Gerichte Rückgrad haben
  • Georg  Ritter 15.10.2016
    "Staatsanwaltschaft" verkommt immer mehr zu einem Synonym von "unfähig, anmassend, arrogant". Wo bleibt die Aufsicht über diese Behörde? - Und wenn es nicht zum Heulen wäre, wäre es lustig zu sehen, wie das Gericht den Polizisten das Zählen bis hundert beibringen muss.