Milliarden-Business Cannabis: Das grosse Gras-Geschäft

Der Handel mit Cannabis ist in der Schweiz ein rentables Geschäft. Der Markt wird immer noch von Einheimischen dominiert, doch immer mehr Gruppen aus dem Balkan steigen in das Business ein.

Kiffer-Traum: Die Plantage in Altstätten SG zählte mehrere tausend Pflanzen. play

Kiffer-Traum: Die Plantage in Altstätten SG zählte mehrere tausend Pflanzen.

KAPO SG
Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?

Top 3

1 Frau (35) im Wald missbraucht Zürcher Polizei nimmt Sexualstraftäter fest
2 Hypnose-Diebin erleichtert dieses Trio um 750 Franken Verhext und...
3 Behörden sprechen Machtwort in Affäre von Therwil BL ...

Schweiz

teilen
teilen
48 shares
32 Kommentare
Fehler
Melden

Schiesserei am frühen Montagmorgen in einer Industriehalle in Altstätten SG. Zwei Männer werden schwer verletzt, die Polizei verhaftet zwei Schweizer im Alter von 45 und 58 Jahren. Bei der Aktion entdecken die Beamten eine Hanfplantage mit mehreren tausend Pflanzen.

Für die Betreiber der Anlage hat sich das Geschäft mit dem illegalen Hanfanbau nicht gelohnt. Ihre Anlage ist aufgeflogen, Tausende Pflanzen und die ganzen Investitionen sind futsch.

Dennoch: Der Anbau von Cannabis mit hohem THC-Gehalt ist ein hoch rentables Geschäft. «Zwischen 50 000 und 100 000 Personen in der Schweiz konsumieren täglich Cannabis», sagt Frank Zobel, Drogenmarktexperte bei der Stiftung Sucht Schweiz. Rund eine halbe Million kifft zumindest gelegentlich. «Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in der Schweiz», weiss Christian Schneider, Analytiker bei der Bundeskriminalpolizei.

Jeder Joint ist ein Geschäft. Eugen Rentsch, Leiter der Dienststelle für Betäubungsmitteldelikte der Kantonspolizei St. Gallen, sagt: «Für ein Gramm Marihuana zahlen Konsumenten auf dem Schweizer Markt acht bis zehn Franken. Cannabis ist ein Milliardengeschäft.»

Davon wollen auch Ausländer profitieren: «Häufig steigen Gruppen aus dem Balkan ein, die bereits auf dem Drogenmarkt tätig sind und jetzt ins Grasgeschäft diversifizieren», sagt Rentsch. Produziert wird heute fast nur noch in Indoor-Plantagen. «Die Qualität dieser Indoor-Produkte ist sehr gut, der THC-Gehalt hoch», sagt Rentsch. Dominiert werde das Schweizer Geschäft aber noch immer von Einheimischen, sagt Bundespolizist Schneider.

Der Eintritt in den Markt ist simpel. Spezialisten für den Bau von professionellen Hanfanlagen bieten ihre Dienste an. Als Standorte bevorzugen sie ländliche Gebiete. Die Produzenten lassen dort von den Plantagenbauern leerstehende Ställe oder Industrieanlagen umbauen. «Dafür investieren sie ein paar 10 000 Franken pro Anlage», sagt Rentsch. Bei Umsätzen im Millionenbereich winkt ihnen eine Traumrendite.

Dazu trägt jedes Pflänzchen bei. Jedes einzelne blüht drei-bis viermal pro Jahr. Pro Staude ernten die Produzenten Marihuana im Wert von bis zu 250 Franken. Eine Pflanze wirft so im Idealfall Stoff für 1000 Franken pro Jahr ab. Rentsch hat schon Plantagen mit bis zu 14 000 Stöcken hopsgehen lassen. Bei voller Produktion wirft eine solche einen Jahresumsatz von 14 Millionen Franken ab.

Allerdings steigt das Risiko. Die Polizei geht verstärkt gegen die Hanf-Mafia vor. «Im Kanton St. Gallen hat die Polizei im letzten Jahr 70 Indoor-Plantagen ausgehoben. 2013 waren es nur 17», sagt Rentsch. Letzte Woche beschlagnahmten Zuger Beamte 700 Hanfpflanzen in Baar. Im Januar entdeckte die Zürcher Kantonspolizei in Bülach eine Anlage mit 10 000 Pflanzen.

Wie viele Plantagen es in der Schweiz gibt, weiss niemand. Weil das Geschäft illegal ist, fehlten verlässliche Zahlen, sagt Zobel von Sucht Schweiz. Anders ist das beispielsweise in Colorado in den USA, wo seit dem letzten Jahr ein regulierter Marihuana-Markt besteht. Nach wenigen Monaten hat sich dort ein neuer Industriezweig entwickelt, der bereits über 10 000 Personen legal beschäftigt. Der legale Cannabis-Umsatz in den USA beträgt rund 2,5 Milliarden Franken. Im Vergleich zum illegalen Markt ist das ein Klacks.

Publiziert am 18.02.2015 | Aktualisiert am 18.02.2015
teilen
teilen
48 shares
32 Kommentare
Fehler
Melden
Schiesserei in Altstätten: Eine Abrechnung im Drogenmilieu?
Haschpflanze: Geraucht werden nur die Blüten. Getty Images

Immer potenter

Wie schädlich ist Cannabis für das Gehirn? Klar ist: Indoor-Gras mit extrem hohem THC-Gehalt hat mit den guten alten Hasch-Pflänzchen auf dem Balkon nicht viel gemein. Wie verheerend der Konsum von solchem Killer-Gras sein kann, zeigt eine Studie aus London. Gemäss den Forschern geht ein Viertel der psychischen Neuerkrankungen im Süden Londons auf den Konsum von starkem Gras zurück. Menschen, die das Zeug jeden Tag rauchen, leiden fünfmal häufiger an psychischen Störungen als Nicht-Kiffer. Die Symptome reichen von Wahnvorstellungen bis hin zu schweren Psychosen.

Verdächtiges Muster: Die Schneeschmelze verrät die Indoor-Plantage im Dachstock.

Bis der Schnee schmilzt

Indoor-Hanfanlagen sind für Fahnder schwierig zu finden. Manchmal führt ein auffällig hoher Stromverbrauch zu einer Hanfanlage. Häufiger ist es ein zufälliger Tipp. In Holland nutzen clevere Drogenfander die Schneetage, um Hanfproduzenten auf die Schliche zu kommen. Via Twitter rief die Polizei von Haarlem die Bevölkerung auf, Ausschau nach Dächern mit auffälliger Schneeschmelze zu halten. Sie sollen auf Wärmelampen im Dachstock hinweisen, die für die Hanfzucht gebraucht werden. Der Aufruf zeigte Wirkung. Gemäss der Zeitung «The Independent» wurden in Holland im laufenden Winter schon mehrere Hanfzüchter erwischt.

TOP-VIDEOS

32 Kommentare
  • Kim  Heller aus Luzern
    18.02.2015
    Tja, wäre es legal dann könnten unsere SVP Hanf Bauern ja nicht mehr den grossen Reibach machen. Drum sind die so vehement gegen eine Legalisierung. SVP Politik as usual. Das Portemonnaie kommt immer zuerst...
  • Pascal  Rohr aus Menziken
    18.02.2015
    Würde der Staat das Ganze legalisieren, würde man sehr gutes Geld mit Steuern verdienen. Aber eben!!
  • stefan  ruusch 18.02.2015
    "Jedes einzelne blüht drei-bis viermal pro Jahr" ... ??? sorry ich baue schon seit jahren selber an und ernte eine pflanze nur einmal!! Ich denke der Journalist hat da was mit Stecklingen von pflanzen verwechselt odr so....
    • Liselote  Meier , via Facebook 18.02.2015
      Kommt drauf an. Wenn man seine Zucht mittels einer Mutterpflanze bewirtschaftet hat man mehrere Ernten aus einer Pflanze. Sogenanntes Klonen. Mutterpflanze bleibt in der vegetativen Phase, Stecklinge daraus schickt man in die Blütephase. Per se die gleiche Pflanze.
    • Jake  Jakobson , via Facebook 18.02.2015
      Sorry Kollege noch nie was von "Autoflowering" gehört welche alle 3 Monate blühen? Von wegen Du baust selber an dann wüsstest Du das! Immer diese Amateure!
  • Boris  Kerzenmacher 18.02.2015
    Es gibt nur zwei Gründe, die ein Aufrechterhalten der Prohibition rechtfertigen. Zum einen ist der Themenkomplex unter Weglassung sämtlicher Argumente geeignet, bei Wählern Ängste wachzurufen und ihnen vorzumachen, dass die Politik ihre Interessen vertreten. Es gibt nur noch wenige Bereiche, wo das tatsächlich der Fall ist.
    Zum anderen schützt die Prohibition die Mafia und deren Profite. Und die Dealer-Mafia hat offenbar einen längeren Hebel bei den Staatenlenkern als die Cannabis-Konsumenten.
  •   18.02.2015
    Endlich legalisieren und staatlich besteuern nach vorbild Colorado!