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Tierfreunde aus dem In- und Ausland sind entrüstet: «Schweizer essen Katzen!», berichtete SonntagsBlick. Viele Leserbriefe landeten im Redaktionsbriefkasten; in Internetforen wird das Thema heftig diskutiert.
Bauer Bruno D. aus dem St. Galler Rheintal versteht die ganze Aufregung nicht. Für ihn sind Katzen- oder Hundebraten so normal wie ein Kalbs- oder Schweinskotelett. «Er ist mir als Hundeesser bekannt», sagt Tierschützerin Edith Zellweger.
SonntagsBlick trifft D. in seinem Stall beim Melken: «Ich esse mindestens einmal im Jahr geräucherten Hund», erzählt er, «früher noch viel häufiger.» Meistens sind es die überschüssigen jungen Hunde vom eigenen Hof, die er nicht sofort tötet, sondern verspeist, wenn sie maximal ein Jahr alt sind – dann schmecken sie, laut D., am besten.
Sein Hund, der ihm auf Schritt und Tritt folgt, ist also nicht in Gefahr: «Luki würde ich sicher nicht verspeisen, er ist viel zu alt und zu zäh.»
Hundegulasch und Trockenfleisch
D. kennt verschiedene Zubereitungsarten: Als Gulasch würden Hunde vorzüglich schmecken, auch geräuchert; das sehe dann aus wie Bündnerfleisch. Was denn das für eine Fleischsorte sei, wollte ein Kollege von D. einmal wissen, nachdem sie zusammen davon gegessen hatten. «Ich streckte meinem Hund ein Stück davon hin. Der schnupperte kurz und rannte dann weg wie der Blitz!», so D.
Einen «Hundeplausch» nennt D. diese speziellen Mahlzeiten, und die hätten erst noch einen schönen Nebeneffekt: «Aus jedem Hund gibts einen Teppich.» Katzen habe er auch schon probiert, doch da sei zu wenig Fleisch am Knochen: «Ich esse lieber Hunde als Katzen», sagt der alte Bauer.
Auch ein Metzger aus einem nahe gelegenen Dorf weiss, dass in seiner Region noch immer Hunde- und Katzenfleisch gegessen wird. Er will sicherheitshalber anonym bleiben. «Schon mehrmals sind Leute zu mir gekommen, die mich baten, ihre Katze zu schlachten. Ich lehnte ab, so etwas mache ich nicht!», sagt er bestimmt.
Leuthard soll handeln
Die Schweiz ist neben China und Südkorea eines der wenigen Länder, wo der Verzehr von Haustieren legal ist. Hansjörg Walter (57), SVP-Nationalrat und Bauernverbands-Präsident: «Klar wird das in gewissen Regionen immer noch gemacht, meist von älteren Leuten. Ich selber kann aus Gewissensgründen nicht einmal Pferdefleisch essen.» Dennoch hält der Parlamentarier nichts von einem Verbot. «Wichtig ist, dass beim Schlachten von Hunden und Katzen die Tierschutzgesetze eingehalten werden», findet er.
Auch Politiker anderer Parteien teilen seine Ansicht. Nationalrätin Kathy Riklin (CVP/ZH, 55) findet, dass sich kein Kontrollaufwand lohnen würde: «Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, das eigene Haustier zu essen, soll das tun. Wir können doch nicht alles verbieten!»
Tomi Tomek (55), Präsidentin der Westschweizer Organisation SOS, stockt der Atem, wenn sie solche Politiker-Sätze hört. Wie «Le Matin» am Freitag berichtete, hat sie Bundesrätin Doris Leuthard (45, CVP) einen Brief geschrieben: «Frau Leuthard, wir zählen auf Sie und hoffen, dass der Konsum von Katzenfleisch in der Schweiz wie in allen zivilisierten Ländern verboten wird!»
*Name der Redaktion bekannt