Antonella Caccioppoli (50) aus Lugano TI «Ich bin wütend auf die Männer. Sie wehren sich nicht genug»

Männer, die von ihren Ex-Frauen finanziell ausgepresst werden, sind Schwächlinge, findet Antonella aus dem Tessin.

  • Publiziert: 27.02.2012, Aktualisiert: 28.02.2012
  • Von Nadine Chaignat
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Das Hochzeitsbild:  Anfang 2011 gab Antonella ihrem Antonio das Jawort. Sie ist  seine zweite Frau.

(ZVG)
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Antonella: «Ich habe immer gehofft, dass es besser wird.»

(ZVG)

Arm in der Zweitehe

Zürich – Kann eine Zweitheirat einen unterhaltspflich­tigen geschiedenen Mann zum Sozialfall machen? «Ja», sagt der Zürcher Scheidungsanwalt Roger Groner: «Wenn er nicht viel verdient, etwa 4000 Franken im Monat, kommt er mit den Unterhaltszahlungen ans Existenzminimum.» Da hilft es auch nichts, wenn er in zweiter Ehe auf Hausmann macht. Groner: «Auch falls er arbeitslos würde, bestünde das Gericht wohl auf der Unterhalts­­höhe. Selbst wenn die Zweitfrau indirekt mitzahlen muss, indem sie für seine Lebenskosten aufkommt.» Die Unterhaltszahlungen würden erst deutlich reduziert oder eingestellt, wenn die Erstfrau sich wieder verheiratet oder in «qualifiziertem» Konkubinat (ab fünf Jahren) lebt.

Neue Matratzen und Kissen liegen nicht drin. Auch neue Möbel können sich Antonella (50) und Antonio (45) Caccioppoli aus Lugano TI nicht leisten. «Wir können nicht wie ein neues Pärchen anfangen. Heiraten, alles schön machen», sagt Antonella. «Eine Vergangenheit zu haben ist okay, aber es kann nicht sein, dass diese unsere Beziehung seit fünf Jahren belastet.»

Die Vergangenheit, das ist Antonios erste Ehe. 1600 Franken muss der Fabrikarbeiter seiner Ex jeden Monat zahlen. Für die beiden Kinder, die er kaum sieht. «Jeder Zahltag ist für uns wie ein Schock», sagt Antonella, «es ist jeden Monat dasselbe. Für was? Sie kann ihn verlassen, leben wie sie will. Und er muss einfach zahlen. Mich macht das wütend. An solchen Tagen streiten wir immer.»

Antonella ist Antonios zweite Frau. Kennengelernt haben sie sich im Ausgang vor fünf Jahren. «Ich habe mich total verliebt», erzählt Antonella, «er erzählte mir bald, dass er seit Monaten getrennt lebe. Ich dachte mir nichts dabei, bin selber zweimal geschieden und habe ein gutes Verhältnis zu meinen Exmännern.»

Doch die Trennung belastet die neue Beziehung. «Er hatte mir schon von schwierigen Situationen mit seiner Frau erzählt. Als ich mit ihm zusammenzog, sah ich, dass es wirklich so ist. Sie hat ihn verlassen. Das Haus musste er verkaufen. Seine beiden Kinder durfte er nur bei ihr besuchen, musste dort kochen und die Wohnung putzen. Er kam oft traurig und hässig nach Hause. Es war sehr anstrengend. Obwohl ich mir jedesmal dachte: Zum Glück will sie ihn nicht mehr, dann ist er bei mir.»

Weil der Druck so gross war, wollte Antonella Antonio verlassen. «Ich konnte nicht mehr und zog aus. Doch er hat mich nicht gehen lassen und ich war zu fest verliebt. Ich habe immer gehofft, dass es besser wird.»

2008 wird Antonios Scheidung rechtskräftig. Die Ex-Frau hat inzwischen einen neuen Partner. Antonio und Antonella heiraten im Januar 2011. «Wir möchten zusammenbleiben. Uns war wichtig, dass wir heiraten», sagt Antonella. «Er ist der, den ich immer gesucht habe, ein ganz guter Mann. Ich fühle mich wohl bei ihm. Eigentlich wäre es perfekt.»

Eigentlich. Aber nur 2500 Franken bleiben Caccioppolis für Miete, Versicherungen und Lebenshaltungskosten. «So bleibt nie was zum besser leben. Das belastet», so Antonella. «Das Schlimmste ist diese ständige Unsicherheit.» Liegt ein Brief vom Staat im Briefkasten, steigt in Antonella sofort Angst hoch. Eine Zahnarztrechnung der Kinder, die ihr Mann bezahlen muss? Sonstige Forderungen? «Seine Ex-Frau kann jederzeit zum Anwalt gehen und etwas verlangen. Klar ist nicht sicher, dass sie gewinnen wird. Aber wenn etwas passiert, wer ist für uns? Das Gesetz nicht – wer dann?»

Nicht nur die finanzielle Situation ist belastend. «Auch gesundheitlich und gefühlsmässig nimmt einen das mit. Warum können wir nicht unser Leben leben, und sie lebt ihres?» Antonella hat alles satt. Den Staat, geldgierige Frauen und schwache Männer. «Wenn ich könnte, würde ich auf die Strasse gehen», sagt sie. «Ich bin auch wütend auf die Männer. Weil sie sich nicht genug wehren. Ich finde, sie sollen schreien. Einfach ‹Nein!› schreien.»

Könnte sie die Zeit zurückdrehen, sie würde Antonio an der Bar, wo sie sich kennenlernten, stehenlassen. «Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, wäre ich gegangen. Ich finde, das ist kein Leben. Aber ein Zurück gibt es nicht mehr.»

Alle Kommentare (32)

  • Marc   Zehnder
    In letzter Zeit stelle ich immer wieder fest, dass extrem gepolter wird gegen die Frauen. Die Männer sind immer die armen. Trennen sich Frau und Mann weil sie keine Liebe mehr verspüren geht die Scheidung in den meisten Fällen problemlos. Es ärgert mich extrem wie immer gejammert wird. Klar ist doch, es gibt Frauen und auch Männer die bei einer Scheidung nicht mit ehrlichen Methoden mitspielen. Verletzter Stolz oder weil sich die Frau nach Jahren endlich mal wehrt, lösen im Mann immer wieder unvorstellbare Reaktionen aus. Es wird Manipuliert, beleidigt, Gewallt angedroht, keine Alimente/Unterhalt bezahlt, Kinder angst eingeflösst, etc.

    Und so lange keine körperliche Gewalt ausübt ist ja keiner da der hinsieht.


    All dies darf ein Mann. Er ist ja der verlassene und arme. Aus dem nichts einfach auf die Strasse gestellt worden.
    Männer haben eine gewisse Macht der sich die Frauen einfach beugen müssen. In vielen Ehen wird täglich psychische Gewalt an Frauen ausgeübt. Was kann die Frau dagegen tun? Wie wird die Frau geschützt? Und hat die Frau endlich den Mut, aus so einer Ehe auszusteigen wird, sie an den Pranger gestellt. Meist wollen diese Männer gar nicht wahrhaben, dass die Ehe scheitert und die psychische Gewalt nimmt meist noch mehr zu.

    Jedem Mann kann ich nur sagen: Behandle deine Frau und die Kinder wie ein Geschenk und du wirst die schönsten Jahren deins Lebens erleben. Sei ehrlich offen und kommunikativ. Geld und Macht machen einen Mann nicht zu einem würdigen Partner.

    Ich hoffe alle Frauen die unter psychischer Gewalt leben oder leben mussten melden sich mal beim Blick damit dieser Missstand sichtbar wird. Psychische Gewalt während der Ehe geht meist nach der Trennung weiter. Das Schlimme ist, Männer die psychische Gewalt anwenden sind fast nicht erkennbar. Es sind die scheinbar so lieben und freundlichen Menschen unter uns.

    Frauen habt Mut. Meldet euch zu Wort.
    • 29.02.2012
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  • Anita  Hartmann
    Ich bin froh, dass mal jemand auf dieses kranke System aufmerksam macht - danke BLICK und danke Frau Saeuberli. Ich bin eine Zweitfrau und wir arbeiten beide vollzeit. Ich wuerde gerne Teilzeit arbeiten, wir koennen es uns aber finanziell nicht leisten, waehrend die Ex-Frau jahrelang entweder nicht, oder Teilzeit gearbeitet hat, weil das Gericht gemeint hat es sei nicht zumutbar. Ich weiss nicht wie viele "normale Familien es gibt wo beide Elternteile arbeiten und ich glaube nicht dass diese Kinder Schaden genommen haben. Aber der Zweitfrauen schlimmster Feind sind die Frauneverbaende, welche sich schon vor langer Zeit auf die Seite der "armen" Erstfrauen geschlagen haben. Dass sie dabei den Zweitfrauen, welche auch das Recht haetten von diesen vertreten zu werden, ruecksichslos in den Ruecken fallen scheint diese uberhaupt nicht zu stoeren. Schlimm sind auch die sogenannten "Frauenanwaelte" welche den Frauen bei der Scheidung jegliches allenfalls vorher vorhandenes Gewissen oder gesunden Menschenverstand nehmen indem sie ihnen weismachen nichts falsches zu tun wenn sie ihren Noch-Ehemann finanziell ruinieren und sie sich nur nehmen was ihnen rechtlich zusteht. Jeglicher Gerechtigkeitsinn, falls vorher vorhanden, wurde diesen Frauen genommen und sie sind ueberzeugt nichts falsches gemacht zu haben. Am schlimmsten ist dass die Kinder in dieser Umgebung aufwachsen und das Denken, dass es o.k. ist den Ex-Mann Papa auszunehmen an sie weitergegeben wird. Freut euch auf die neue Generation die diese "Tradition" weiterfuehrt.
    • 29.02.2012
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  • Walter  Schär , Kleinbösingen
    Mir fehlt dass nichts über die Frau rüber kommt was SIE dazu beiträgt. Über die Gattung Mensch wo sich die 2. Frauen beklagen sind von Ihrem Geschlecht. Sie scheint ja Heirats Freudig zu sein und hat erst noch keine Probleme mit ihren EX. Sie musste wahrscheinlich noch nie in Ihre Schattulle greifen.Das die Gerichte unter jedem Verstand entscheiden das ist nichts neues.Das traurige für uns Männer ist aber auch das die meisten solcher Fehlentscheidungen oder auch keine Entscheidung über Jahre verschleppen, von MÄNNERN gefällt werden!? Wahrscheinlich sind die Männer bei solchen Entscheidungen ein Neutrum ansonsten ist es für mich nicht erklärbar das ein MANN solchen Mist produziert. Ich wehrte mich schreien und es dauerte 6 jahre bis zur effektiven Scheidung! Konnte mich einigermassen durchsetzen abgesehen das ich noch mit Gefängnis und ähnlichem belastet wurde. Mir wurde auferlegt Unterhalt an SIE zu zahlen trotzdem das Kind bei mir lebte!! Das positive dran war das ich das Kind selber gross ziehen konnte.Finanziell sieht es so aus das ich der EX nichts schulde aber sitze trotzdem auf Schulden Gerichte u.Anwälte. Ein Hoch auf das schreien! Auch ein HOCH auf Anwälte die nicht gleich aufgeben. Unterhalt im umgekehrten Fall da können sie sich die Zähne ausbeissen. Nach nochmals 3 Jahren Errang ich max. einen 1/4 von dem was ich hätte sollte zahlen.Einkommensverhältnis hielt sich die Waage zwischen ihr und mir. Ist doch schön in der Gleichberechtigung zu leben. Auf jeden Fall schaffe ich mir nie mehr ein so teures Hobby an!!
    • 29.02.2012
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  • Werner  Keller
    Und was macht sie? Was trägt sie dazu bei, dass es der neuen Familie besser geht. Sie kocht und macht die Wäsche? Liegt ihm in den Ohren, macht ihn noch mehr fertig, alls er schon ist. Wie wärs wenn sie sich mal überlegen würde einen Job anzunehmen, nur mit 2000.- Franken im Monat würde die finanzielle Lage viel besser aussehen. So wie es ausschaut haben sie keine Kinder, sind 2x geschieden. Kriegen sie Alimente? Unterstützen sie ihren neuen Mann, indem sie ihm beweisen,dass sie auch etwas zum neuen Glück beitragen. Sonst kann es schnell passieren, sei es,dass ihr Mann krank wird oder sie selber. Und dann? Stehen sie ihn der nächsten Bar und suchen sich einen neuen und sind zum 3. mal geschieden. Und er in der Klappse im besten Fall. Er hat hat allen Grund zum Jammern, sie NICHT!
    • 29.02.2012
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    • Walter  Schär , Kleinbösingen
      So kann mann sich das eigene BVG aufstocken wenn man nichts arbeitet. Der arme Mann wird bis zum Tod kein Geld haben Rente und AHV etc. denn es wird immer geteilt ist nett.
      • 29.02.2012
      • als Kommentar auf Werner  Keller
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  • Fabienne  Müller
    Es gibt beides, aber meistens fällt die Ex-Frau in die Armut.
    Der Mann erhält das Existenzminimum oft künstlich rechtzeitig plötzlich tiefes Einkommen und Vermögensminderung, die Frau muss dann sehen, wie sie zurechtkommt. Vor allem bei den älteren Frauen, die, "wie es sich damals gehörte", nicht berufstätig waren und vielfach sparsam zu mehr Vermögen als berufstätige Frauen beigetragen hatten.

    • 29.02.2012
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