Heli-Drama am Gotthard – Militärjustiz bestätigt Es war ein Piloten-Fehler!

Der Heli-Crash vom Mittwoch ist geklärt: Die zwei Milizpiloten haben eine Stromleitung auf dem Gotthard übersehen.

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Tobias Kühne, militärischer Untersuchungsrichter und Sprecher der Militärjustiz, bestätigt Informationen von SonntagsBlick: «Nach heutigem Stand der Untersuchung war die Kollision mit dem Kabel ursächlich für den Absturz.» Vermutungen, erst der Absturz des Helis am letzten Mittwoch wegen eines Flugfehlers der Piloten oder wegen eines technischen Defekts habe das Stromkabel heruntergerissen, sind damit vom Tisch.

Warum die Milizpiloten André Bättig (†50) und Matthias Löchel (†39) ihren Super Puma direkt in die Stromleitung lenkten, ist hingegen noch unklar. Aufschluss wird erst die Auswertung der Blackbox geben, des Flugdatenschreibers und des Stimmenrekorders.

Das Plateau beim Gotthard-Hospiz ist eine eigent­liche Kabelfalle: Strommasten und Leitungen queren das Gelände in alle Richtungen. Helikopterpiloten wissen das.

Für unwahrscheinlich halten Experten deshalb die These, dass die Piloten das Kabel komplett übersehen haben. Bereits beim Anflug und der Landung mit einer 360-Grad-Platzrunde nur wenige Minuten vor dem Crash dürften sie auf die vielen Stromleitungen beim Gotthard geachtet haben. «Es muss den beiden klar bewusst gewesen sein, dass sie in unmittelbarer Nähe von Stromleitungen wieder starten würden», erklärt ein Heli-Pilot, der nicht genannt sein will. Schliesslich werde bei jeder Landung auch schon der Start geplant. Unklar hingegen ist, ob die zerrissene Stromleitung auf den Karten und elektronischen Navigationshilfen als sogenanntes Luftfahrthindernis verzeichnet war. «Das ist Teil der Untersuchung», so Militärjustizsprecher Kühne.

Sicher ist: Die betreffende Stromleitung, ein normales Kabel, gilt offiziell nicht als Hindernis für die Luftfahrt. Es bestand also keine Pflicht, sie in den Karten einzuzeichnen. Als Hindernis gelten Kabel erst ab einer Höhe von 25 Meter über Grund, erst dann müssen sie auf den Karten eingetragen werden. Diese Höhe erreichte die verhängnisvolle Stromleitung nicht.

Dass auch Kabel in weniger als 25 Meter Höhe als Luftfahrthindernisse in den Flugkarten festgehalten werden, hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) erst dieses Jahr bei der Revision der Verordnung «Infrastruktur Luftfahrt» diskutiert – und abgelehnt. Ein Versäumnis will das Amt darin freilich nicht sehen. «Wenn man zu viel einträgt, werden die Karten unübersichtlich, das wäre kontraproduktiv», begründet Bazl-Sprecherin Nicole Räz. Zudem seien viele tief hängende Kabelanlagen nur temporär und würden schnell wieder abgebaut. Die digitalen Flugkarten werden indes auch zweimal pro Woche aufdatiert.

So scheint es den Beamten in Bern mit ihrem Argument nicht ganz wohl zu sein. Das Thema einer Eintragungspflicht für tiefere Hindernisse könne jederzeit wieder aufs Tapet kommen, so Räz.

Fakt ist: Kabel aller Art sind eine der grössten Gefahren für Helikopter. In den Schweizer Alpen hängen Tausende dieser Strom-, Telefon- und Transportkabel. Viele davon sind nicht auf den Flugkarten eingetragen. Entweder weil sie auf einer Höhe von weniger als 25 Meter hängen, oder weil sie dem Bundesamt für Zivilluftfahrt von den Erbauern gar nicht erst gemeldet werden. Rund 1000 illegale Anlagen sollen es vor 15 Jahren gewesen sein, neuere Zahlen gibt es nicht. Seit 2001 können illegale Kabel von jedermann der Rega gemeldet werden, von der Armee werden sie dann abgerissen.

Das von Luftwaffe, Rega, der Flug­sicherung Skyguide und dem Bazl gemeinsam ge­tragene Sicherheitsprojekt Remove (englisch für «beseitigen») kommt allerdings nicht voran: Zu Beginn der Abreissaktion wurden jedes Jahr meh­rere Dutzend solcher An­lagen demontiert, letztes Jahr waren es noch acht.

Ständig kommen neue Leitungen hinzu, etwa für die Stromversorgung von Alp-hütten, den Transport von Heu oder Alpkäse. Viele bleiben hängen und gehen vergessen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden – bis sie sich als Hindernis für den Flugverkehr erweisen.

Die verhängnisvolle Stromleitung auf dem Gotthard-Plateau allerdings, die den Super Puma zum Absturz brachte, war nach bisherigen Erkenntnissen nicht illegal – sondern lediglich zu niedrig für einen Karteneintrag als gefährliches Hindernis.

André Bättig liebte das Fliegen und die Berge. JAMES D. WALDER

«Ich vermisse Dich!»

Die beiden abgestürzten Piloten standen mitten im Leben. Die Trauer um sie ist gross: Matthias Löchel (†39) wohnte seit letztem Sommer mit Frau und Kind im frisch renovierten Einfamilienhaus mit Blick auf die Alpen im Grüt ZH.

Der Major im Generalstab flog jahrelang als Berufspilot für die Luftwaffe, engagierte sich in der Zürcher Sektion der Gesellschaft der Luftwaffenoffiziere. 2005 half er als Heli-Pilot bei der Tsunami-Katastrophe. 2008 schloss er ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft an der Uni Zürich mit einer Arbeit zum Flugplatz Dübendorf ab. «Er war ein ganz feiner Kerl», sagt ein Studienkollege.

Der zweite Pilot, André Bättig (†50), war Hauptmann und Miliz­pilot. Er arbeitete neben seinem Amt als FDP-Stadtrat von Illnau-Effretikon ZH als Bauinge­nieur. Seine Kollegen kondolieren im Internet: «Er liebte die Berge und die Fliegerei. Umso schmerzhafter ist es, dass er gerade dort sein Leben verlor.» Bättigs Partnerin Nicole S. (41) trauert auf Facebook um André Bättig: «Jetzt bist Du im Himmel, nicht mehr hier. Ich vermisse Dich!»

 

Publiziert am 02.10.2016 | Aktualisiert am 02.10.2016
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7 Kommentare
  • Robert  Walter 03.10.2016
    Echt blöd diese Verkabelung nicht anzuzeichnen. Jetzt sind zwei tote und ein Hubschrauber weniger.
  • jean-claude  niederhoffer aus bern
    02.10.2016
    ist einfach beim militär den fehler am pilot geben.!!!!!!!
    geht ja schneller als eine richtiger untersuchrung zu unternehmen
  • Hansli  Müller 02.10.2016
    Das Lamento um die Höhe des Kabels und den Eintrag in der Karte oder nicht nützt den beiden Verunglückten leider nichts mehr, da es immer Kabel geben wird welche nicht verzeichnet sind. Die Lehre aus diesem Unfall muss sein einen Landeplatz und den Ausflugweg noch besser zu rekognoszieren (ggf. vorher mit dem Fahrzeug) und allenfalls einen alternativen, sichereren Landeplatz zu wählen auch wenn dann die Passagiere weiter laufen müssen.
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    02.10.2016
    Als ich in der RS war machte ein Pinzgauer Fahrer rückwärts einen Unfall und erhielt deshalb fünf Tage Scharfen und keiner hatte Mitleid. Ich war damals Arrest UO und ging mit ihm täglich spazieren, wobei der Kadi einschärfte, 20 Schritt hinter ihm zu gehen und nicht zu kommunizieren. Wir gingen rauchend und schwatzend nebeneinander.
  • Sandra  Jakob aus Winterthur
    02.10.2016
    Das fragliche Kabel hat an der Unfallstelle geschätzt etwa 80m über Grund gehangen. Der letzte Mast vor der Unfallstelle scheint bereits etwa 30m hoch zu sein und steht zudem erhöht auf einem Felsen. Dann führte das Kabel frei hängend in etwa 80m Höhe über die Stelle hinweg, wo der Helikopter abgestürzt ist. Weil das Kabel etwa 3 Mal höher hängt als die 25m-Limite, sollte man jetzt wenigstens nachträglich das Kabel in der Karte verzeichnen.