Heikle Debatte um Islam-Sujets: Was machen die Fasnächtler mit «Charlie»?

Da hört der Spass offenbar auf: Nach den Attentaten von Paris machen Fasnächtler einen Bogen um alles, was irgendwie mit Islam zu tun hat.

So sollte der Kölner «Charlie Hebdo»- Wagen aussehen. play

So sollte der Kölner «Charlie Hebdo»- Wagen aussehen.

DPA

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In den deutschen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf sorgte das Thema Islam für einen Riesen-Eklat. Ein Motivwagen, der den Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» zum Thema hatte, wurde aus Sicherheitsgründen vom Kölner Rosenmontagsumzug ausgeschlossen.

Auch beim Nachbarn Düsseldorf findet das heikle Sujet keinen Platz. Umzugs-Chef Hermann Schmitz erklärte gegenüber der Zeitung «Bild»: «Paris fassen wir nicht an. Da ist zu viel Blut geflossen. Das ist nichts für den Karneval.»

Auch vielen Schweizer Organisatoren ist der Islam zu heiss. Christoph Bürgin, Obmann des Basler Fasnachts-Comités, sagt: «Fasnacht und Religion sind ein besonders sensibles Thema. Sowohl im Christen- und Judentum als auch im Islam gilt es, gewisse Grenzen zu respektieren. Im Islam sind Allah und ­Mohammed so gross, dass sie nicht dargestellt werden sollen. Dies sollte auch an der Fasnacht respektiert werden.»

«Satire darf eben doch nicht alles»

Selbst die mit allen Wassern gewaschenen Schnitzelbänkler in Basel nehmen von «Charlie»-Sujets Abstand. Bettina Carpanetti, Präsidentin der Basler Schnitzelbangg Gsellschaft, sagt: «Ich glaube, Satire wird in der Schweiz anders aufgefasst als in Frankreich. Satire darf meiner Meinung nach eben doch nicht alles.»

Für Patrick Buschor (29), Präsident des Fasnachtskomitees in Benken ZH, hat die Narrenfreiheit Grenzen: «Die Fasnacht ist ein christlicher Brauch. Er darf nicht dazu missbraucht werden, andere Glaubensrichtungen zu verunglimpfen.»

Ähnlich sehen es die Innerschweizer. Reto Waldmann (44), oberster Fasnächtler in Siebnen SZ: «Religion ist ­eigentlich tabu. Auf die Schippe nehmen sollte man höchstens die Dorfoberhäupter.»

In Luzern bleibt man gelassen. Die Erfahrung lehrt, dass sich Umzug und Sujets nicht wirklich steuern lassen. Bruno Spörri vom Lozärner Fasnachtskomitee sagt: «Bei uns sind wilde Gruppierungen ja ausdrücklich erwünscht. Da können ganz spontan Sujets entstehen. Auch zu ‹Charlie Hebdo›.»

In Luzern ziehen bis zu 90 unterschiedliche Gruppen durch die Stadt. Grundsätzlich sei alles erlaubt, sagt Spörri: «Es herrscht totale Freiheit – solange kein Straftatbestand besteht. Dann könnte die Polizei eingreifen und das Sujet einziehen.»

Publiziert am 06.02.2015 | Aktualisiert am 06.02.2015
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Sollen Fasnächtler Islam-Kritik zulassen?

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45 Kommentare
  • Marco  Goby 06.02.2015
    «Religion ist ­eigentlich tabu.»

    Falsch! Wie sonst sind jedes Jahr die ganzen Sujets über den Papst und Konsorten an der Basler Fasnacht zu erklären?
    Die Sujet-Verantwortlichen Zetteldichter, Lampenmaler, etc. wissen normalerweis mit den heiklen Themen behutsam umzugehen, auch wenn sie sich kritisch damit auseinandersetzen! Und der Grundgedanke eines Sujets ist es seit je her gewesen, problematische Themen zu hinterfragen und auszuspielen!
  • Joe  Schmid 06.02.2015
    Wenn man einschränken will muss auch der christliche Glauben genau so respektiert werden
  • Poco  Loco aus Innerschweiz
    06.02.2015
    In ein paar Jahren reicht es die Fasnacht ein Fest von Christen, zudem natürlich alle eingeladen sind, als Provikation gegen den Islam anzuschauen. Seit Januar gibt es nur ein Motto Vollgas Gegensteuer.
  • Ronald  Wild , via Facebook 06.02.2015
    Wenn wir mit soviel Vorbehalten und Eingeständnissen weitermachen, dann haben die Islamisten bald ihr Ziel erreicht. Diese Fanatiker werden es bei unseren ängstlichen Politikern und Behörden noch fertig bringen, dass wir unsere Landeshymne umschreiben müssen, weil wir darin unseren christlichen Gott verherrlichen. Angst ist der schlechteste Ratgeber !
  • müller  fred 06.02.2015
    Grundsätzlich sollte man nicht sinnlos provozieren, noch dazu wo im Bereich Satire diese auch meisst nur gegen den "auserkorenen" Feind läuft. Die Pressefreiheit ist sehr schnell am Ende, wenn es gegen die eigene Polit-Elite geht. Bei der deutschen "Titanic" wurden schon über 50 Ausgaben verboten, weil sich einige Obrigen auf den Schlips getreten fühlten. Beim Islam ist man nicht so feinfühlig