Falscher Scheich und Mutter zocken Opfer schamlos ab: Und dann biss er dem Juwelier den Finger ab!

Er sei der Sohn eines Scheichs, seine Mutter gab er als Geschäftspartnerin aus: So ergaunerten Cedric M.* und Nadja B.* Hunderttausende Franken. Jetzt ermittelt die Polizei.

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Zwei Tage vor Heiligabend in der kroatischen Küstenstadt Crikvenica. Gegen 18 Uhr betreten Cedric M.* (22) und Nadja B.* (45) den Juwelierladen Liaci. Der Besitzer (61) hofft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft, präsentiert den Schweizern aus Wädenswil ZH seine Waren. Doch die denken nicht daran, etwas zu kaufen.

Plötzlich zückt M. ein Messer. Mit dem Griff schlägt er auf den Kopf des Juweliers ein, der geht zu Boden. Das Duo flüchtet mit einer Beute im Wert von 8500 Franken. Weit kommen die Räuber nicht: Passanten halten sie fest, der Juwelier stürmt hinzu, die Situation eskaliert. Wie die Lokalzeitung «Novi list» berichtet, beisst Cedric M. dem Kroaten den rechten Zeigefinger ab. Erst dann kann die Polizei ihn und Nadja B. verhaften.

«Dass sie den Juwelier so dreist ausgeraubt haben, überrascht mich nicht», sagt Yigit S.* (34). Der Barbesitzer aus Schaffhausen kennt die kriminelle Energie der Gauner. «Die haben mich um 20 000 Franken betrogen. Und ich bin nicht der Einzige!»

Cedric M. lernte er im Sommer 2014 in einer Bar kennen. «Er stellte sich als Sohn eines Scheichs aus Dubai vor, der mit Rohstoffen handle.» Gepflegt sei er aufgetreten, in teuren Kleidern, mit viel Bargeld in den Taschen.

Der «Prinz» schlug S. ein Geschäft vor. Er sollte 20 000 Franken in Diamanten investieren. «Dafür würde ich in wenigen Monaten 210 000 Franken zurückbekommen.» S. war skeptisch. «Aber auf alle meine Nachfragen hatte Cedric sofort eine gute Antwort. Bis ich ihm glaubte.» Um die Details werde sich Nadja B. kümmern, sagte M., die sei seine Geschäftspartnerin. Der Barbesitzer: «Heute weiss ich, dass sie die Mutter von Cedric ist. Das hat mir eine Freundin von ihm bestätigt.»

Der Schaffhauser brachte das Geld mit Hilfe von Freunden zusammen, übergab es und wartete ab. «Als der Vertrag auslief, wollten wir unseren Gewinn einfordern.» Doch niemand nahm mehr das Telefon ab. «Als wir sie in Wädenswil besuchten, vertrösteten sie uns immer wieder.» Bis heute hat Yigit S. keinen Rappen zurückerhalten. Anderen Betrogenen ging es ähnlich: SonntagsBlick liegen mehrere Investitionsverträge vor, die das Duo abschloss, teils in krakeliger Handschrift verfasst: «M. Al Sulaiman Cedric» nennt sich der Kapitalnehmer darin.

Ein weiterer Geschädigter (21) absolvierte eine Lehre, als er das Duo kennenlernte. «Ich hatte fast kein Geld, nahm für die Investition extra einen Kredit von 20 000 Franken auf», sagt er. Heute muss er den Betrag mühsam abbezahlen – und schämt sich, dass er den Betrügern auf den Leim ging. «Ich hielt Cedric für meinen Freund.» Über Monate hätten sich die beiden getroffen. «Er lud mich in Luxushotels ein, zahlte im Ausgang teure Flaschen, organisierte V.I.P.-Pässe für den Genfer Autosalon. Bis ich ihm vertraute.»

Mit ihren Lügengeschichten ergaunerten der falsche arabische Prinz und seine Komplizin mehrere Hunderttausend Franken. Bis am 15. Dezember, als Nadja B. eine gefälschte Uhr von Patek Philippe in Schaffhausen verpfänden wollte. Der Schwindel flog auf. Kantonspolizisten rückten aus. Sprecherin Cindy Beer (31) bestätigt: «Die Frau wurde zu Abklärungszwecken zur zentralen Polizeistation gebracht.»

In Untersuchungshaft kam B. nicht. Ein Fehler: Nur sieben Tage später brachen sie und M. offenbar ins Haus einer Bekannten in Kroatien ein. Im Anschluss erfolgte der Überfall auf den Juwelier.

Die dortigen Behörden griffen härter durch: Die beiden Schweizer bleiben mindestens einen Monat in Untersuchungshaft. Wegen des Überfalls werden sie sich vor Gericht verantworten müssen. Und wegen illegalen Waffenbesitzes: Die Polizei fand in ihrem Hotelzimmer Pistolen und einen Schalldämpfer mit ausgeschliffener Seriennummer.

Auch in der Schweiz droht den zwei ein Verfahren. «Ich habe mit anderen Geschädigten eine Anzeige wegen Betrug und Fälschung eingereicht», sagt Yigit S. Seine Investition werde er wohl nie mehr zurückerhalten. «Aber zumindest sollen die beiden dafür bestraft werden, dass sie so viele Leute ruiniert haben.»

Die Polizei bestätigt den Eingang der Anzeige. Sprecherin Cindy Beer: «Die Ermittlungen wurden aufgenommen.»

Publiziert am 10.01.2016 | Aktualisiert am 10.01.2016
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9 Kommentare
  • Ernest  Blanco 10.01.2016
    5 bis 10 Jahre Knast in Kroatien für Raub und schwere Körperverletzung. Da kann der werte Scheich nur hoffen, dass sich die Situation in den kroatischen Haftanstalten erheblich verbesserte. Noch im 2012 hat der Europ. Gerichtshof für Menschenrechte den Zustand in den kroatischen Haftanstalten als untragbar gerügt.
    • heinrich  berger aus zürich
      11.01.2016
      soll es denn dort auch hotelähnliche Zustände geben wie in der CH? Hoffentlich nicht, dennsonst sind es keine Strafen mehr, wie bei uns!
  • Gabor  Posch 10.01.2016
    Irgendwie hab ich mit meiner Mutter doch ziemliches Glück gehabt.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    10.01.2016
    Für solche die hier ein Schnäppchen vermutet hatten, cool auf dem Teppich bleiben - niemand wirft Ihnen heute Geld nach !
  • Pad  Gloor , via Facebook 10.01.2016
    naja, der vertrag sieht ja auch mehr als vertrauenswürdig aus.
  • Hugo  Stettler aus Suhr
    10.01.2016
    «Aber auf alle meine Nachfragen hatte Cedric sofort eine gute Antwort. Bis ich ihm glaubte.» Ja, wenn der Sachverstand bei Null liegt kann man die Qualität der Antworten ja auch gar nicht beurteilen. Unglaublich aber die Realität zeigt uns, dass es doch immer wieder Leute gibt die auch auf plumpste Hochstaplereien hereinfallen. Deshalb: hart bestrafen damit der Tarif bekannt ist. Vom kroatischen Justizsystem kann die Schweiz bezüglich Strafmass noch etwas lernen.