Die Tochter (†14) von Walter und Carolina Schäfer stürzte beim Wandern in den Tod «Als ich Nicole tot im Arm hielt, starb auch ich»

ZIEFEN BL - Was für ein schreckliches Drama. Nicole Schäfer (†14) aus Ziefen BL will auf einem Wanderweg in Österreich nur einem Paar mit einem Hund Platz machen und hält sich dabei am Holzgeländer fest. Doch dieses bricht ein und Nicole stürzt 18 Meter in den Tod. Jetzt hat BLICK mit ihren Eltern geredet. Und die wollen dafür kämpfen, dass so etwas nie mehr passiert.

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Sie war noch so jung. Ging in die Sekundarschule. Und hatte vor kurzem ihre erste Liebe gefunden. Jetzt ist Nicole Schäfer († 14) tot. Weil sie sich in den Wanderferien in Österreich an einem Holzgeländer abstützte, das plötzlich einbrach. Das Mädchen fiel 18 Meter in die Tiefe.

«Wir sind völlig erschüttert», sagen Nicoles Eltern Carolina (45) und Walter Schäfer (49) gestern daheim in Ziefen BL zu BLICK. Der Pflegehelfer und die Altenbetreuerin sowie ihre jüngere Tochter Elisa (10) erlebten alles hautnah. Der Vater weint: «Als ich Nicole tot im Arm hielt, starb auch ich.»

Die Wanderferien im Vorarlberg waren ein Präsent. «Mein Arbeitgeber schenkte mir als Dank für meine gute Arbeit ein paar Tage Ferien in diesem schönen Gebiet», so Nicoles Mutter. Nur: Am 6. Oktober wird die Idylle zerstört. «Wir waren im Silbertal auf einem Wanderweg ­unterwegs», sagt der Vater. Er mit der kleinen Elisa und Familienhund Ckeks (2) vorweg, dahinter ­Nicole und Carolina. «Plötzlich kam uns ein Paar mit einem Hund entgegen», so der Vater. «Wir nahmen beide unsere Vierbeiner an die Leine.»

Als das Paar die Familie kreuzen will, geht Nicole etwas zur Seite und hält sich mit der rechten Hand am Holzgeländer fest. «Es ging keine Sekunde, da gab es einen Knall. Und jemand rief noch ‹Scheisse!›», sagt Walter Schäfer.

«Nicole stürzte rücklings ab», ergänzt die Mutter. «Ich rief meinem Mann zu: ‹Schatz, Nicole ist weg!›» Der Vater will seine Tochter retten und läuft hinab. «Ich dachte, ich finde sie nach ein paar Metern. Doch es ging immer weiter hinab. An Felsen vorbei. Bis in den Litzbach.»

Was der Vater dann sieht, wird er nie vergessen. «Nicole lag mit dem Kopf im Wasser, ihr Körper draussen. Ich zog sie raus und merkte, dass sie am Hinterkopf verletzt ist und nicht mehr reagiert.» Der Vater beginnt zu reanimieren. «Nicole, gib mir Antwort!», ruft er mehrmals. Erfolglos. «Ich hielt sie dann sicher zehn Minuten im Arm. Bis der Rettungsheli kam.»

Die Ärzte können Nicole nach dem Abtransport noch zwei Mal zurück ins Leben holen. «Doch leider war sie tot, als wir im Spital in Feldkirch ankamen», so der Vater. «Es brach uns das Herz.» Bis Dienstag blieb die ­Familie bei Nicole und hat den weissen Sarg von Feldkirch bis nach Hause begleitet. Am Mittwoch fand Nicole auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe.

Die Eltern finden noch keine Ruhe. «Es darf nicht sein, dass solch morsche Geländer nicht instandgehalten werden», sagt Walter Schäfer. Er will Anzeige wegen fahrlässiger Tötung machen. «Wir wollen den Leuten vor Gericht in die Augen sehen, die dieses Drama zu verantworten haben. Und dafür kämpfen, dass nicht noch jemand so sterben muss. Das hat unsere Nicole im Himmel verdient.»

Publiziert am 13.10.2016 | Aktualisiert am 14.10.2016
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21 Kommentare
  • Armin  Bruesch aus Thusis
    15.10.2016
    Wenn es auf Gemeindegebiet passiert ist, dann muss diese Gemeinde dafür gerade stehen. Wenn es Privatgrund ist wird wohl die Versicherung herhalten müssen. Ich kenne diese Gesetze nicht gut genug, aber es wäre der logische Ablauf. Oder nicht?
  • Steinle  Jeannette 14.10.2016
    Hand aufs Herz liebe Kommischreiber... Sie gehen mit ihrer Familie in den Bergen wandern. Der Weg ist schmal, Personen kommen entgegen, sie müssen ausweichen. Würden sie, in diesem Moment zuerst den Holzzaun prüfen ob er hält? Vielleicht jetzt nach dem schrecklichen Unfall, vorher eher nicht. Bis jetzt war auch ich der Meinung, dass ein Holzzaun eine gewisse Belastung halten sollte. Dieser Unfall belehrt uns alle. Den Hinterbliebenen, wünsche ich viel Kraft.
  • Waldemar  Hugentobler aus Dietikon
    14.10.2016
    Mein herzliches Beileid. Schlimmer gehts eigentlich nicht...

    Trotzdem bringt es niemanden zurück, wenn man jetzt eine riesen Baustelle aufmacht. Ich hätte wohl andere Prioritäten bei so etwas...

  • Marc  Haller aus Bern
    14.10.2016
    Wenn es einen Knall gab, so war der Balken nicht morsch und muss unter einer ziemlichen Belastung gestanden haben, bevor er nachgab. Dass solche Abschrankungen in den Bergen keiner Norm genügen müssen, scheint klar zu sein. Ich würde mich nie an ein solches Geländer anlehnen. Dies wurde offenbar gemacht, sonst wäre die Tochter nicht rücklings abgestürzt. Abklären wie die rechtliche Situation ist und dann ggf. keinen Prozess anstrengen. Den gebrochenen Balken sollte man natürlich haben.
    • Mike  Rich 14.10.2016
      Was glauben Sie, Herr Haller, wozu ein Geländer dient, ob in den Bergen oder sonst wo? Das war ja geradezu eine Falle, wenn das Geländer nicht mal ein Anlehnen aushält.
  • Anna  Rusch 14.10.2016
    Wenn man so trauernde Menschen sieht, frage ich mich wie man die Kraft in dieser Zeit findet sich so zu exponieren und sich für eine Zeitung hinzusetzen und sich so ablichten zu lassen? Ich könnte es nicht. Mein Beileid.
    • Kuder  Wälsch aus Hintertupfig
      14.10.2016
      Man könnte ja auch seine persönlichen Schlüsse aus so einem tragischen Unfall ziehen!? Sei zufrieden wenn du und deine Lieben gesund sind! Mach die Augen auf und brauche deinen gesunden Menschenverstand! Wenn ich tagtäglich sehe wie die Menschen auf der Strasse ihre Prioritäten setzen: erst das Handy, dann alles andere.