Die bisherigen Fakten und neue Informationen zu den Rätselmorden von Rupperswil AG Zwei Monate Angst

RUPPERSWIL AG - Es war ein Montag wie heute, als in Rupperswil AG vier Menschen brutal ermordet wurden. Seither rätselt die ganze Schweiz: Wer sind die irren Killer? BLICK hat die Fakten zusammengetragen. Und neue Recherchen eingeordnet.

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Zwei Monate ist es her, seit Carla Schauer (†48), ihre Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona Fäs (†21) in Rupperswil AG getötet wurden. Seit jenem Montag geht im Spitzbirrli-Quartier die Angst um, dass die brutalen Täter zurückkehren. Denn sie laufen weiterhin frei herum. Zurück bleiben die ermittelten Fakten – und neue Informationen, die BLICK recherchiert hat.

Der Tatort

Das Mordhaus bleibt versiegelt. Ermittler kehren regelmässig zurück. Immer dann, wenn neue Erkenntnisse mit dem Tatort verglichen werden müssen. Fassadenspuren zeigen: Das Feuer wurde im oberen Hausteil gelegt. BLICK weiss: Anwohner sahen, dass der Freund von Carla Schauer an jenem 21. Dezember 2015 gegen 7.15 Uhr wegfuhr – und um 8.15 Uhr jemand die Storen im oberen Stock herunterliess. Um 9.30 Uhr holte eine Kollegin den Hund von Carla Schauer für einen Spaziergang ab. Schauer soll die Tür nur einen Spalt weit geöffnet haben. Das Auto, ein schwarzer Audi A3, stand in der Einfahrt.

Die Opfer

Sie wurden mit Klebeband geknebelt, mit Kabelbinder gefesselt, erstochen, mit Brandbeschleuniger übergossen und angezündet. Die Tatwaffe, wohl ein Messer, wurde nicht gefunden. Die Behörden sagen nicht, wo die Leichen lagen. Und sie zeigen keine Bilder der Tatwerkzeuge: Das bleibt Täterwissen. Es wurden im Haus zwar mutmassliche DNA und Fingerabdrücke der Täterschaft gefunden, aber in keiner Datenbank ein Treffer dazu. Fotos wurden nur von Carla Schauer veröffentlicht. Die Opfer ruhen in Rupperswil.

Die Nachbarn

Sie erzählten viel: Ein heller Kleinwagen sei aufgefallen. Oder: «Ich habe im November drei Osteuropäer im Quartier gesehen», so Herbert Baumann (62). Jemand behauptet, dass sich Carla Schauer und ihr Freund eine Woche vor der Tat getrennt hätten. Eine Frau will gehört haben, dass er mit ihr ein Haus bauen wollte und dies seine Ex-Frau ärgerte. Eine weitere Nachbarin sagt, dass der Sohn (19) des Freundes eifersüchtig auf die Stiefkinder gewesen sei. Fakt ist: Einzelne Nachbarn mussten zum DNA-Test. Zudem wurden in Briefkästen Flyer von Firmen verteilt, die Sicherheitsvorkehrungen anbieten. Einige Nachbarn haben tatsächlich aufgerüstet.

Die Angehörigen

Für sie gilt: Stillschweigen. Der Freund (47) von Carla Schauer äusserte sich dennoch im BLICK: «Von einer Trennung waren wir weit entfernt. Es war voller Harmonie zwischen uns.» Er erzählte vom Freitag vor der Tat, als er Carla zum Znacht ausführte. Tags darauf soll er Weihnachtsgeschenke ins Haus getragen haben. Am Tatmorgen soll der Banker an einer Filialleitersitzung gewesen sein. Sein Sohn hatte an der Beerdigung der Getöteten Polizeischutz.

Die Pressekonferenz

Polizei und Staatsanwaltschaft gaben sich bis letzten Donnerstag bedeckt. An der Pressekonferenz wirkten die Referenten teils nervös. Der leitende Oberstaatsanwalt versprach sich bei der Belohnung von 100'000 Franken. Es kam heraus: Carla Schauer hob vor ihrem Tod bei zwei Banken 1000 Euro und 9850 Franken ab. Es gab 250 Hinweise. 110 Personen wurden befragt. 40 Ermittler bilden die Soko. Sechs Dashcams und fünf Terabyte-Videodaten werden nun ausgewertet.

Das Motiv

Laut Ermittlern ist noch kein konkretes Motiv ersichtlich. Experten haben hingegen verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt. Es könnte ein Beziehungsdelikt (Eifersucht oder Rache) gewesen sein. Denn kaum jemand tötet für etwas mehr als 10'000 Franken vier Menschen. Zudem ist bei Tötungsdelikten meist der Partner oder Ex der Täter. Und ein Messer als Tatwaffe deutet nicht auf Profis hin. Aber: Kabelbinder, Klebeband und Brandbeschleuniger sind kaum im Haushalt vorhanden. Indizien, die eher auf einen Auftragsmord hindeuten. Oder es ging um ein Verkaufsgeschäft (etwa ein Auto), das missglückte, ausartete. Auch möglich: Schulden eines Opfers.

Die Täterschaft

Experten sehen mehrere Möglichkeiten. Einen Auftragsmord könnte jemand aus dem Umfeld der Familie angeordnet haben. Durchgeführt von unerfahrenen Leuten, die die Opfer kannten. Darum das Anzünden nach der Tat. Es könnten auch Profis gewesen sein. Nur: Für eine Erpressung wäre wohl auch der Freund (ein Banker) miteinbezogen und mehr Geld verlangt worden. Das hätte Carla Schauer laut BLICK-Informationen bei der zweiten Bank auch beziehen können. Ihre Limite war höher.

Die Verdächtigen

In der ersten Phase sind immer die engsten Angehörigen im Visier. BLICK weiss: Dies war auch in diesem Fall so. Ob weiterhin, ist unklar. Aber: Dass mutmassliche Täter-DNA im Haus gefunden wurde, heisst nicht, dass die Täter nicht trotzdem aus dem Umfeld der Getöteten stammen könnten. Auch Freunde mussten zu einem DNA-Test. Offenbar sind noch Resultate offen.

Die Hoffnung

Die Polizei hat wegen der Belohnung weitere Hinweise erhalten. Auch die TV-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» soll helfen. Falls die Killer nicht vorher gefasst werden.

Publiziert am 22.02.2016 | Aktualisiert am 03.05.2016
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Leitende Staatsanwältin zu den Rätselmorden von Rupperswil «Die Spurensicherung dauert noch an!»

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17 Kommentare
  • Bianca  Schwarz 22.02.2016
    was noch nie erwähnt wurde...hat keiner der familie irgendwann einen notruf via handy getätigt, zumindest die jungen leute haben es doch immer griffbereit. wo sind die handys? waren die kinder schon ermordet, als sie geld holen musste, weil die täter nichts fanden im haus? wollte sie wenigstens sich selbst freikaufen? ich hin sicher, die polizei weiss mehr, als sie uns mitteilt.
    • Helmut  Bering aus Winterthur
      22.02.2016
      Natürlich weiss die Polizei mehr, als sie mitteilt! Das ist auch richtig so. Wenn Tatverdächtige gefasst werden, darf nicht alles schon in der Zeitung gestanden haben. Denn sonst können sich die Täter, wenn sie sich verplappern, stets darauf berufen, dass das ja öffentlich bekannt war. Das ist das kleine Einmaleins einer Fahndung.
    • Marco  Weber 23.02.2016
      Probieren Sie mal mit gefesselten händen ein Handy zu bedienen! Und alleine waren Sie ja wohl auch nicht!
  • Heinz  Muenger 22.02.2016
    Hat man bei dieser ganzen Sache auch schon in Richtung "Schenkkreis" gedacht? Es wäre ja nicht der erste Mord in einem solchen "Geschäft"...
    Schon den hohen Betrag, der von 2 Banken abgehoben wurde, könnte in diese Richtung führen. Das ist von mir aber nur so ein möglicher Gedanke, wie es viele anderen auch sein könnten.
    Hoffe für das Umfeld und die direkt betroffenen Familien, dass irgenwann wieder etwas Ruhe einkehrt, aber bevor die Täter gefasst sind, wird das wohl nicht sein...
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    22.02.2016
    Die Täter kamen also um 0800 und liessen die Rollos herab als Sichtschutz. Wieso ging keiner zur Arbeit ausser dem Banker? Und wieso ging keiner den Hund Gassi führen? Man erwartete jemanden für ein dunkles Geschäft und sorgte deshalb selbst dafür, dass niemand von Nachbarn gesehen wird. Evtl hatten sie Pistolen zum fesseln, jedoch Messer zum töten um Lärm zu vemeiden. Die Täter kamen mit der Absicht zu töten deshalb die mitgebrachten Kabelbinder und Brandbeschleuniger. Alle kannten sich.
    • ulrich reinhard  ehrlich 22.02.2016
      Es ist eher anzunehmen,dass die Täter während der Nacht eindrangen und die Opfer überwältigen....?Komisch auch,dass der Hund nicht bellte oder die Frau, die den Hund ausführte,nichts bemerkte. Hunde sind feinfühlig und er muss sich doch bestimmt anders als normalerweise benommen haben...?
    • Christine  Scheuchzer , via Facebook 23.02.2016
      Lucio Silva Safnanno: Der 21. Dezember war der Montag in der Weihnachtswoche. Möglicherweise hatten alle, ausser dem Partner von Carla Schauer, bereits Ferien, oder eifach frei, je nach Job.
      Das würde erklären, weshalb nur er das Haus verliess.
      Der Hund wurde ja, wie auch schon erwähnt und regelmässig am Montag, von einer Freundin abgeholt zum Gassigehen.
  • Michael  Tomov aus Koror
    22.02.2016
    Es ist einfach unglaublich und unverfroren: Ein Reihenhaus, so eng zusammengebaut, am helllichten Tag, und keiner hat etwas gesehen. Nun, seither liegt der Revolver auch unter meinem Kopfkissen und die Haustüre wird nicht mehr geöffnet. Und wenn ein unbekanntes Gesicht ums Haus streicht, gibts umgehend ein Telefon an 117. Das ist die moderne Schweiz. BRAVO!
  • Hans  Scheidegger 22.02.2016
    Nicht zuletzt hoffe ich für die Angehörigen der auf so grausame Weise hingerichteten vier Menschen, dass die nun zusätzlich eingeleiteten Massnahmen entscheidende Hinweise zur Aufklärung dieses brutalen Verbrechens liefern. Denn nichts ist schlimmer als die Ungewissheit. Konkrete Erfolge wären auch der Staatsanwaltschaft und der Polizei zu gönnen, welche bisher beharrlich die Spuren auswerteten und in allen Richtungen ermitteln. Wenn Alles fehl schlägt, so vertraue ich auf den Kommissar Zufall.