«Das Tal, in dem die Menschen vom Himmel fallen»: Deutsche Bahn wirbt mit toten Basejumpern für Lauterbrunnen

LAUTERBRUNNEN - BE - In ihrem Kundenmagazin «Mobil» schreibt die Deutsche Bahn über die makabersten Details zu den Basejump-Unfällen in Lauterbrunnen. Und preist ihre günstigen Tarife für die Fahrt ins Berner Oberland an.

Zwei Basejumper stürzen sich in Lauterbrunnen in die Tiefe. play

Zwei Basejumper stürzen sich in Lauterbrunnen in die Tiefe.

Keystone
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Schweiz

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Es gibt viele Gründe, Lauterbrunnen im Berner Oberland zu besuchen. Das Tal zählt zu den grössten Naturschutzgebieten der Schweiz. Zu entdecken gibt es eine faszinierende Landschaft mit grünen Alpwiesen und 72 Wasserfällen. Für Biker und Wanderer dient Lauterbrunnen zudem als Ausgangsort zu den bekanntesten Ausflugszielen in der Jungfrau Region.

Für die Deutsche Bahn scheint das alles nebensächlich. In der jüngsten Ausgabe ihres Kundenmagazins «Mobil» berichtet das Unternehmen über Lauterbrunnen als Mekka für Basejumper. Im Grunde nichts Aussergewöhnliches für ein Magazin das seinen Lesern Ausflugstipps gibt. Schliesslich ist der Ort in der Szene weltweit beliebt. Doch wer den Artikel durchliest, wundert sich über den morbiden Inhalt.

«Mobil» bezeichnet Lauterbrunnen als «das Tal, in dem die Menschen vom Himmel fallen». Auf drei Seiten erfährt der Leser unter anderem, dass hier in 26 Jahren schon 41 Basejumper zu Tode gekommen sind.

Auch ein Bauer kommt im Artikel zu Wort. Dieser erzählt, wie seine Tochter einen tödlichen Absturz mit ansehen musste, als sie zwölf Jahre alt war. «Sie ging mit dem Hund am Fluss spazieren, hörte einen Schrei, dann sauste ein Körper über sie hinweg, ein dumpfer Knall, Stille.» Noch Jahre später habe die Tochter Albträume gehabt.

Leichentransport per Helikopter

«2011 picknickten Kinder der nahen Primarschule im Freien, als ein Basejumper verunglückte. Sie sahen nicht nur den Todessturz, sondern auch, wie der Leichnam, am Helikopter hängend, aus dem Tal geflogen wurde», heisst es weiter im Text. Bergromantik tönt anders.

Sogar Gemeindepräsident Martin Stäger kommt zu Wort. Doch - man ahnt es – auch er spricht nicht etwa über saftige Wiesen oder die malerische Bergkulisse. Stattdessen wird er wie folgt zitiert: «Wenn Kinder zuschauen müssen, wie die Jumper an der Felswand zerschmettert werden und anschliessend tot in ihrem Garten liegen, sind die Eltern nicht immer erfreut».

Zum Schluss des Artikels gibt die Bahn noch Anreisetipps. «Mit dem Europa-Spezial der Bahn ab 39 Euro in die Schweiz. Der ICE fährt bis Interlaken. Von dort sind es mit der Schweizer Regionalbahn etwa 20 Minuten bis nach Lauterbrunnen.»

Na dann – nichts wie los! (vsc)

Publiziert am 26.08.2015 | Aktualisiert am 26.08.2015
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Basejumping extrem: Fallschirm hängt an seiner Haut

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9 Kommentare
  • Regula  Rütli aus Luzern
    27.08.2015
    Ich war auch bereits einmal im Berner Oberland in den Ferien. Es hat mir dort sehr gut gefallen!
  • Silvio  Hertli , via Facebook 27.08.2015
    Das Problem sind nicht die, die vom Himmel fallen.
    Das Problem sind die, die ungebremst aufschlagen.

    Mit denen habe ich aber kein Mitleid. Jeder "Spieler" muss sich bewusst sein, dass er auch mal verlieren kann. Und wer mit dem Leben spielt, der verliert das Leben.

    Warum nicht in Lauterbrunnen ein richtig schön morbides Gothic-Partygelände aufstellen? Dann würden die Basejumper wenigstens nicht ganz umsonst sterben...
  • Carly  Pfitzner 26.08.2015
    Wenn Exit und Dignitas nicht aktiv werben dürfen, warum darf es in diesem Falle die DB? Oder wird hier etwa unerlaubte Schleichwerbung durch die DB gemacht, um die Schweizer Konkurrenten zu übervorteilen?
  • Fritz  Frigorr 26.08.2015
    Der Bericht ist sachlich geschrieben. Fakten werden genannt, hat überhaupt nichts Reisserisches an sich.
  • Rudolf  Hunziker aus Ag
    26.08.2015
    Ich hab den Artikel ebenfalls gelesen und verstehe die Aufregung nicht. Hat nix mit morbid zu tun sondern entspricht der blanken, unbeschönten Wahrheit. Mag sein, dass es bessere Werbung für eine Region gibt, aber wer da trotzdem hinfahren möchte, kann die Entscheidung selber fällen.
    • Wolfgang  Seebacher 26.08.2015
      Volle Zustimmung. Habe den Artikel schon vor 2 Wochen gelesen. Und komme zum gleichen Schluss: Es wird so beschrieben wie es ist. Wieso will man jetzt der Deutschen Bahn einen Skandal unterschieben? Dass die DB mit toten Basejumpern Werbung nicht ostschlicht falsch.