Brachte ein Blitz das Flugzeug von Ueli Rösti zum Absturz? In diesem Wrack starben vier Schweizer

SAANEN - Das Saanenland trauert um die vier Opfer des Flugzeug-Absturzes in Frankreich.

  • Publiziert: 25.08.2012, Aktualisiert: 27.08.2012
  • Von Sarah Weber und Roland Gamp

Freitag, kurz vor 18 Uhr, setzt Ueli Rösti (57) einen verzweifelten Notruf ab. Der Pilot, Flugplatz-Chef von Saanen BE, ist mit seiner Pilatus PC-12 in ein Gewitter geraten. Rösti kämpft. Gegen den Regen, die Blitze, den Sturm.

An Bord der einmotorigen Maschine hat er den international bekannten Künstler Helmut Kohli (51), den Gstaader Architekten Fabian R.* (36) sowie dessen Mitarbeiterin Fabienne W.* (20).

Die drei Arbeitskollegen sind wohl auf dem Rückweg von einem Ausflug nach Belgien. Auch ein deutscher Geschäftspartner war dort dabei, flog aber nicht mit der Gruppe zurück.

Augenzeugen: Flugzeug von Blitz getroffen

Erst kurz vor der Schweizer Grenze gerät das Kleinflugzeug in Not. Über einem Waldstück in Frankreich kann Ueli ­Rösti es nicht mehr kontrollieren. «Mehrere Augenzeugen sahen, wie die Maschine von einem Blitz getroffen wurde», sagt Didier Grillot, Gemeindepräsident von Solemont (F). «Danach stürzte sie in die Tiefe.» Das Flugzeug zerschellt am Waldrand.

Um 18.30 Uhr finden die Rettungskräfte das Wrack. «Ich war vor Ort. Trümmerteile lagen überall. Es war fürchterlich», so Grillot. Die Einsatzkräfte müssen die Bergung abbrechen. Es ist zu dunkel. Erst am Samstag wird das Ausmass des Unglücks sichtbar: Die Retter finden die Leichen der vier Schweizer.

Ganz Gstaad BE steht seither unter Schock. Der Absturz forderte gleich vier Opfer aus dem Saanenland!

Die Region verliert den renommierten Lichtkünstler Helmut Kohli. Das erste Mal sorgte er am 6. November 2002 für Furore, als er das Spitzhorn (2807 Meter über Meer) mit einer Lichtinstallation in Szene setzte. «Die Beleuchtung des Berges war der Moment, der mein Leben und Wirken für die Welt der Kunst öffnete», schrieb Kohli auf seiner Homepage.

Weitere Kunstinstallationen folgten: an Matterhorn, Eiger und Finsteraarhorn. Kohlis Arbeit in der Schweiz brachte ihm auch international Erfolg: Er realisierte unter anderem Ausstellungen in Berlin, Neu-Delhi, Miami und New York.

Die Aviatik-Szene trauert um den erfahrenen Piloten Ueli Rösti. Er koordinierte die Flieger der Gstaader Prominenz. Der Fluglehrer und Flugplatzleiter begann seine Karriere als Flieger bereits in jungen Jahren auf dem Flugplatz von Reichenbach BE.

Erfahrener Gletscherpilot

Sehr bald kam auch die Gletscherfliegerei dazu. Rösti war äusserst umsichtig und routiniert: Er soll mehr als 25'000 Landungen auf dem Gletscher absolviert haben. «Ueli war ein guter Freund von mir, ich bin unendlich traurig», sagt ein Kollege.

Mit Kerzen gedachten gestern Abend Freunde und Familien ihrer Liebsten, die nie mehr nach Hause kommen.

*Namen bekannt

Beliebteste Kommentare

  • Christoph  Brand , Lauenen
    Wenn einem Wie Dir ein solches Unglück wiederfahren kann, hat einer wie ich in der Luft nichts mehr verloren. Lieber Ueli , auch mir hast Du, neben vielen Umschulungen auf andere Flugzeugtypen, die Gletscherfliegerei beigebracht. Wenn man Dich neben oder hinter sich auf dem Fluglehrersitz wusste, konnte einem nichts passieren. Du bist und bleibst für mich in der Fliegerei ein Vorbild. Für alles, was ich in den letzten 25 Jahren von Dir lehrnen durfte bin ich dankbar. Den Familien und Angehörigen, die von diesem tragischen Unglück betroffen sind, drücke ich auf diese Weise mein tiefstes Beileid aus und wünsche ihnen viel Kraft für die Zukunft.
  • Sepp  Hitz , Würenlingen , via Facebook
    Wieso flegt ein erfahrener Pilot und Flugleher bei diesem Wetter?
    Ich hatte vor einpaar Jahren die Prüfung als Privatpilot bestanden.
    In der der Ausbildung hatte ich gelernt vor jedem Start die Wetterkarte und die Gefahren zu studieren.
    Vermutlich war dieser Unfall ein Zufall? Glaube kaum dass ein
    Fluglehrer die Gefahren nicht kannte?
    Den Hinterblibenen spreche ich mein herzliches Beileid aus.
    Sepp Hitz, Würenlingen/AG

Alle Kommentare (12)

  • Berger  Thomas , Koppigen
    Also bei einer PC-12 von einem Kleinflugzeug zu sprechen ist vielleicht nicht ganz richtig...
    • 26.08.2012
    • 39
    • 7
  • Larry  Kaufmann
    1 Herzliches Beileid an alle - kannte und schätzte Ueli Rösti.
    2 Blitz war vermutlich nicht die Ursache des Absturzes - Gewitterböen aber wohl. Auch normalerweise umsichtige, erfahrene Piloten können leider Fehler machen - die Natur hat weder vor Erfahrung, noch einem gut ausgerüsteten modernen Flugzeug, Respekt. Der mentale Druck, wichtige Kunden zeitgerecht nach Hause bringen zu "müssen" kann gross sein.
    • 26.08.2012
    • 34
    • 4
  • Sowieso  jaja
    ist sicher eine schlimme sache. aber was ist mit den anderen 2 passagieren?wieso spricht man nur über die "bekannten" die an bord waren?!
  • Ursi  Kronenberg , Horgen
    Zutiefst schockiert und traurig, versuche ich zu verstehen, was passiert ist. Du hast mir wunderschöne Stunden in der Fliegerei geschenkt. Mit viel Humor und voller Enthusiasmus hast Du mir die Gletscherfliegerei als unvergessliches Erlebnis näher gebracht. Wenn ich Hilfe brauchte, warst Du immer da. Ueli, danke für alles. Ich werde Dich nie vergessen. Den Angehörigen drücke ich mein tiefstes Beileid aus und wünsche viel Kraft in diesen schweren Stunden.
    Ursi
    • Walter  Keller
      was sind denn das für Menschen, die bei einem solchen Kommentar von Ursi Kronenberg mit Daumen nach unten voten???
      • 26.08.2012
      • als Kommentar auf Ursi  Kronenberg , Horgen
      • 104
      • 22
  • Sepp  Schlau-Meier
    Es ist auffällig, traurig und seltsam, um nicht zu sagen mehr als nur seltsam, wie viele Schweizer-Privatflugzeuge immer wieder aus unerfindlichen Gründen abstürzen.......
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