Heikler Online-Pranger SVP-Politiker jagt Handy-Diebe auf Facebook

KÖNIZ - BE - Der Berner SVP-Politiker Sacha Ruchti veröffentlicht Selfies zweier mutmasslicher Handy-Diebe auf Facebook. Die Fotos sind nach dem Diebstahl auf dem PC aufgetaucht.

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Der Berner Politiker Sacha Ruchti (38) ist wütend. Seinem Schwiegervater wurde in einem Bus zwischen Köniz und der Stadt Bern das Handy aus der Tasche geklaut.

Sofort hat der Betroffene bei der Polizei in Köniz Anzeige gegen unbekannt erstattet – doch Ruchti hat selbst Hinweise auf die Täterschaft. Dank einer automatischen Foto-Upload-Funktion auf dem Handy sind auf dem PC des Schwiegervaters Selfies aufgetaucht. Von einem jungen Mann und einer jungen Frau.

Geschossen wurden sie mit Snapchat: Das Mädchen hat Hunde-Ohren und eine Hunde-Schnauze – ein beliebter Filter der Chat-App.

Rechtlich heikles Vorgehen

Mit den unverpixelten Fotos geht der Delegierte der SVP Meikirch nun auf Facebook auf Täterjagd. «Kennt jemand diese Leute auf folgenden Bildern?», schreibt Ruchti in einem Post. Dazu der Hinweis: Es müsse sich nicht zwingend um die Täter handeln, sondern möglicherweise um Leute, die die Täter kennen könnten.

Ein solcher Online-Pranger kann aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes rechtlich heikel sein, lässt die Kantonspolizei Bern auf Anfrage wissen. «Deshalb ist hier generell Vorsicht angebracht», sagt Sprecherin Regina Aeberli.

«Das Risiko gehe ich ein»

Es sei zwar für Privatpersonen nicht per se verboten, Bilder zu verbreiten. «Grundsätzlich ist die Durchführung von Ermittlungen jedoch Sache der Strafverfolgungsbehörden», sagt Aeberli.

Die Polizei empfiehlt, Anzeige einzureichen und allfälliges Bildmaterial der Polizei zur Verfügung zu stellen – was Ruchtis Schwiegervater auch getan hat.

Dass sich die Betroffenen rechtlich gegen die Veröffentlichung ihrer Fotos wehren könnten, ist sich Sacha Ruchti bewusst. «Das Risiko gehe ich ein», sagt er zu BLICK. Es gehe jetzt darum, die Täter um jeden Preis zu finden. «Der Diebstahl ist einfach unterste Schublade.»

Publiziert am 28.10.2016 | Aktualisiert am 29.10.2016
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20 Kommentare
  • Steinle  Jeannette 28.10.2016
    Ist es relevant das Ruchti bei der SVP ist? Eher nicht. Er hat das einzig richtige getan. Ich glaube nicht dass die Polizei etwas gegen den Handyklau unternimmt, schliesslich zahlt ja die Versicherung...
  • Matthias  Zingg 28.10.2016
    es ist nicht aus Täterschutzgründen rechtlich heikel... was wenn der Täter das Handy einem verkauft hat, dieser es im guten glauben durch ein vernünftiges Geschäft gekauft hat und nun der Käufer in der Öffentlichkeit als Täter angeprangert wird? da kann es eben heikel sein, weil der Zusatz es könnte sich auch nicht um die Täter handeln rechtlich nicht ausreicht und diese in diesem Fall OPFER von der Hetze von herr Ruchti sind. es geht hier also um Opferschutz.
    • Christine  Scheuchzer , via Facebook 28.10.2016
      Sorry Herr Zingg, aber wer kauft heute noch ein Handy auf der Strasse? Wer das tut, ist selten naiv!
      Wäre es in Ihren Augen auch "Hetze", wenn es sich um einen Politiker handeln würde, der einer anderen Partei angehört?
  • Dracomir  Pires aus Bern
    28.10.2016
    Ein Dieb wird doch nicht so doof sein, rechtlich gegen sein Opfer vorzugehen. Wie auch immer, die SVP steht für Recht und Ordnung.
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    28.10.2016
    Zitat: "... kann aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes rechtlich heikel sein .. «Durchführung von Ermittlungen Sache der Strafverfolgungsbehörden»". Mit solchen Quacksalbereien kommen, Polizisten heutzutags daher. Wenn mir bei der Uni mein Velo gestohlen wird, dann darf ich nicht durch die Stadt hinuntergehen, herumfragen und schauen, wer mein Velo hat? Glaubt jemand im Ernst, die Polizei würde auch nur eine Minute wegen eines gestohlenen Telefons aufwenden? Die müssen Parkbussen verteilen!
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    28.10.2016
    Warum wird das Foto von Sache Ruchti unverpixelt veröffentlich und die Fotos der Diebe nicht. Wie kämen denn ihre Selfies auf das gestohlene Handy? Es kann doch nicht sein, dass Ganoven ständig vom Persönlichkeitsschutz profitieren. Solche Ermittlungen oder eben Bagadellfälle verlaufen bei der Polizeit doch meistens im Sand.