Ausgeschaffte Tschetschenen-Mädchen Marha (12) und Linda (10) Jetzt müssen sie Kopftuch tragen!

  • Marha (12) und Linda (10) müssen in Tschetschenien Kopftuch tragen
  • Keine Hosen, nur Röcke
  • Sie dürfen nicht baden gehen
  • Sie kennen weder Sprache noch Kultur

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Ende Mai rannten Marha (12) und Linda (10) in Kilchberg ZH noch um die Wette. Shorts und T-Shirts trugen sie beim Schnällschte Chilchberger. Die langen Haare der tschetschenischen Mädchen wirbelten im Wind.

Nun leben sie in der russischen Republik Tschetschenien, müssen dort Kopftuch tragen. Sind sie draussen, sind ihre Haare verhüllt. Zumal bewaffnete Schergen des Regimes überprüfen, wie züchtig sich Frauen und Mädchen kleiden.

Nach Tschetschenien schafften Behörden des Bundes und des Kantons Zürichs die Mädchen, ihre zwei Brüder und ihre Eltern am 9. Juni 2016 aus. Obwohl die Familie M.* viereinhalb Jahre voll integriert in der Schweiz lebte. Grund: Die Asylgesuche des Vaters wurden zweimal abgelehnt.

Unter «massivem Heimweh» litten die Kinder in Tschetschenien, sagt Francesca Bürgin (49) vom Kilchberger ­Verein «Hier zu Hause», der sich für die Familie M. einsetzt.

Über Whatsapp telefoniert sie mit Marha. «Sie weint, erzählt, sie könnten kaum rausgehen.» Es sei bis zu 40 Grad heiss, aber sie dürften nicht baden, müssten in der Bruthitze lange Röcke tragen. Hosen und Shorts seien untersagt. «Sie sehnen sich nach dem Zürichsee», sagt Bürgin. Die neue Kultur sei ihnen fremd. «Sie sprechen kein Russisch, nur wenig Tschetschenisch.» Bürgin ist besorgt. «Sehe ich Linda und Marha auf Fotos, so sehe ich ­Mädchen, deren Augen nicht mehr glänzen.»

Die Kinder hätten Angst vor dem Regime, sagt ihr Vater B. M.* (39). «Jedes Auto, das in der Nähe anhält, jede Person, die um die Ecke biegt, lässt uns zusammenzucken.» Seine Kinder sollten nicht «in Unsicherheit und Ungewissheit aufwachsen».

Gesuch um Aufenthaltsbewilligung

Letzte Woche haben die drei älteren Kinder – Anvar (15), Marha und Linda – beim Kanton Zürich ein Gesuch für eine Aufenthaltsbewilligung gestellt. Für ihre Eltern und Bruder Mansur (4) beantragen sie zudem den Familiennachzug.

MARIO FEHR play
SP-Mann: Mario Fehr kann das Migrationsamt anweisen, das Gesuch gutzuheissen. Bernard van Dierendoncnk

Ihr Gesuch richtet sich an Zürichs Sicherheitsdirektor Mario Fehr (57). Der SP-Mann und ­Burkaverbots-Befürworter könne eine Härtefall-Bewilligung erteilen, sagt Martin Jäggi, Anwalt der Familie M.

Er stützt sich auf die Kinderrechtskonvention, die seit 1997 in der Schweiz gilt. «Das Kinds­wohl muss stets vorrangig berücksichtig werden.» Die Kinder aus Tschetschenien seien vor der Ausschaffung nie befragt worden. Zudem dürfe ihnen das Verhalten der Eltern nie angelastet werden. Weil das Asylgesuch des Vaters abgelehnt worden sei, könne man sie nicht aus dem vertrauten Umfeld reissen. «Wie Gepäckstücke sind sie ausgeflogen worden.» Das sei eine «krasse Verletzung des Kindswohls», sagt Jäggi.

Fehr entscheidet über Zukunft

Der Ball liege nun bei Fehr. Er könne das Zürcher Migrationsamt anweisen, das Gesuch zu bewilligen. Den Entscheid prüfe das Staatssekretariat für Migration. «Die Zukunft der Kinder und ihrer Familie liegt in den Händen von Sicherheitsdirektor Fehr», sagt Ronie Bürgin (49) von «Hier zu Hause». «Er hat nun allen nötigen Ermessensspielraum, um den humanitär einzig richtigen Entscheid zu fällen und das Gesuch zu bewilligen.»

Fehr selbst nimmt nicht Stellung. «Eine allfällige Gut­heissung durch unser Amt ist in jedem Fall abhängig von der Zustimmung des Bundes», sagt Michael Schneeberger, stellvertretender Chef des Zürcher Migrationsamtes. Aber: «Wir prüfen nun das Gesuch.» Die Hoffnung für Marha und Linda? Sie stirbt zuletzt.

* Namen der Redaktion bekannt

Publiziert am 01.09.2016 | Aktualisiert am 28.12.2016

Die Gewaltherrschschaft in Tschetschenien

Grosny – Unmissverständlich warnt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten davor, Tschetschenien zu besuchen. Weder russische noch lokale Behörden könnten die Sicherheit gewährleisten. Regiert wird die autonome russische Republik von Ramsan Kadyrow (39), einem «Gewaltherrscher von Putins Gnaden», so der Radio-Korrespondent von SRF. Kadyrow spreche Morddrohungen gegen Gegner aus. Zunehmend islamisiere er das Land, setze strikte religiöse Gesetze durch. Kritiker würden verschwinden und gefoltert. Es gebe keine Opposition. Eine Aktivistin der International Crisis Group spricht von «schwersten Menschenrechtsverletzungen». Bewaffnete Männer kontrollierten, ob Frauen und Mädchen sich züchtig kleiden.

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114 Kommentare
  • Beat  Huber aus Horgen
    02.09.2016
    Auch meine Frau ist geflüchtet aus der Tschechei vor 40 Jahren die Tochter wahr 4 Jahre alt sie reden heute noch miteinander Tschechisch obwohl beide pervekt Deutsch können.
  • Roland  Mumenthaler aus Lima
    01.09.2016
    Frage: In welcher Sprache haben die Eltern mit ihren Kindern gesprochen bevor sie in die Schweiz kamen. Die koennen nicht sagen dass sie die Sprache ihrer Heimat nicht sprechen. Wir haben mit unseren Kindern immer CH-deutsch gesprochen und sie koennens auch heute noch, nebst 5 anderen Sprachen.
  • Erich  Keller aus Bern
    01.09.2016
    Ähm, bei uns wollen sie Kopftuch tragen und in der Heimat nicht ?
  • Peter  Wegmüller 01.09.2016
    Hier ist es ja auch kein problem wenn sie Kopftuch tragen müssen " Relegionsfreiheit "
  • Ruth  Spadin aus Bonaduz
    01.09.2016
    Ja und - andere Länder andere Sitten. Nur wir Schweizer passen uns allen an - oder haben das Gefühl wir müssten es tun. Aber so eine Geschichte ist auch keine Titelseite wert.....