Antibiotika immer wirkungsloser Sterben wir bald wieder an Lungenentzündungen?

Seit bald hundert Jahren werden Antibiotika verabreicht. Lange Zeit glaubten Mediziner, die Infektionskrankheiten damit besiegt zu haben. Doch nun verliert das Wundermittel nach und nach seine Wirkung. Experten schlagen Alarm.

Antibiotikaresistenz laut UNO grösstes Gesundheitsproblem play

Gefährliche Entwicklung : Immer mehr Bakterien reagieren nicht mehr auf Antibiotika, weil sie Abwehrmechanismen entwickeln und resistent werden.

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Die Medizin hat ein Problem: Eine ihrer schärfsten Waffen – das Antibiotikum – wird zusehends stumpfer. Immer mehr Bakterien entwickeln eine Resistenz gegen das vermeintliche Allheilmittel. Die Bedrohung ist derart akut, dass sich nun gar die Uno das Thema auf ihre Agenda gesetzt hat. An ihrem Gesundheitsgipfel in New York verhandelten die Mitgliedstaaten in den letzten Tagen intensiv über einen Massnahmenplan, um der wachsenden Problematik zu begegnen. 

Antibiotikaresistenz laut UNO grösstes Gesundheitsproblem play
Ernste Miene, ernstes Thema: Johann Schneider-Ammann am Gesundheitsgipfel der Uno in New York. KEYSTONE

Mittendrin unser Bundespräsident. Als Vertreter der Schweiz warnte Johann Schneider-Ammann gestern vor der Antibiotikaresistenz als weltweit eine der grössten Gefahren. Wenn nichts unternommen werde, drohe ein Massensterben an Infektionen wie vor hundert Jahren.

Gleich viele Tote wie im Strassenverkehr

Bereits heute fordern antibiotikaresistente Bakterien in der Schweiz gleich viel Tote wie der Strassenverkehr. Laut Schätzungen der Eidgenössischen Fachkommission für biologische Sicherheit (EFBS) sterben jährlich mehrere Hundert Personen, weil sie von resistenten Bakterien infiziert worden sind und keine wirksamen Medikamente mehr zur Verfügung stehen. Weltweit dürfte die Opferzahl in die Millionen gehen.   

Schuld daran sind vor allem falsche Anwendungen von Antibiotika bei Mensch und Tier. Der «übertriebene und manchmal unangemessene Einsatz von Antibiotika» habe dazu geführt, dass immer mehr Bakterien eine Resistenz gegen diese Medikamente entwickelt hätten, umriss Schneider-Ammann gestern die Problematik.

«Gehen wir nicht mit vereinten Kräften vor, so laufen wir Gefahr, in die Zeiten vor der Entdeckung des Penizillins im Jahr 1928 zurückzufallen und wie damals an einer einfachen Infektion zu sterben», so der Bundespräsident. In der Schweiz stehe das Ziel, die Antibiotikaresistenz zu bekämpfen, daher zuoberst auf der politischen Agenda. 

«Grösste Bedrohung der Gesundheit für die Schweiz»

Warnungen dieser Art sind nicht neu. Bereits im Sommer 2014 schlug die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Bericht dramatische Töne an: «Das Problem ist so ernst, dass es die Errungenschaften der modernen Medizin bedroht.»

Wenige Monate später beschrieb die EFBS Antibiotikaresistenzen als «grösste Bedrohung der Gesundheit für die Schweiz». «Damit wir nicht in ein Zeitalter zurückfallen, in dem besonders Kinder und ältere Menschen von einfachen Infektionskrankheiten hinweggerafft werden, muss die Wirksamkeit von Antibiotika unbedingt erhalten bleiben. Dies gilt ebenfalls für Transplantationen, chirurgische Eingriffe oder Chemotherapien, die nur durchgeführt werden können solange Antibiotika noch funktionieren», heisst es in einer Mittelung der EFBS vom Dezember 2014.

Die Zunahme multiresistenter Bakterien stelle solche Behandlungen und Eingriffe immer mehr in Frage. Selbst eine leichte Lungenentzündung könne so schnell zur Lebensbedrohung werden. Betroffen ist aber nicht nur die Humanmedizin, sondern auch die Veterinärmedizin, die Landwirtschaft, die Lebensmittelsicherheit sowie die Umwelt.

Mediziner mitschuldig 

Das Problem der Mediziner ist dabei quasi hausgemacht. Zu oft und zu früh greifen Ärzte zum Wundermittel Penizillin. Um Zeit zu sparen, verschreiben sie nicht das Präparat, das den spezifischen Keim angreift, sondern das, was sie kennen: ein Breitbandantibiotikum.

Oft hilft dieses dem Patienten zwar, gleichzeitig aber werden wieder Keime sortiert: empfindliche sterben, resistente überleben und breiten sich aus. Weil sich das Medikament gegen viele verschiedene Erreger richtet, werden so viele verschiedene Resistenzen gefördert.

Hinzu kommt, dass Patienten das verschriebene Antibiotikum häufig zu früh wieder absetzen – weil es ihnen wieder besser geht. So hat das Medikament nicht genügend Zeit, alle Erreger abzutöten. Es überleben diejenigen Bakterien, die zuvor durch Mutation resistent geworden sind.

Keine neuen Antibiotika seit 20 Jahren

Die Uno-Vollversammlung will dieser Praxis nun den Riegel vorschieben. In einer Erklärung haben die Mitgliedsstaaten gestern mehr Engagement für strengere Regulierungen angekündigt. Jedes Land soll einen eigenen Aktionsplan ausarbeiten. Ausserdem sollen mehr Gelder in die Forschung fliessen. 

Das langfristige Ziel: Ärzte sollen weniger Antibiotika verschreiben, Landwirte weniger einsetzen, Pharmafirmen neue entwickeln. Letztere sind zwar in der Entwicklung von Antibiotika tätig, allerdings steckt sie im Vergleich zu anderen Projekten weniger Ressourcen in diese Medikamente. 

Seit mehr als 20 Jahren ist es nicht mehr gelungen, grundlegend neue Antibiotika zu entwickeln. Viele Pharmaunternehmen haben in der Vergangenheit ihre Budgets für die Antibiotika-Forschung massiv gekürzt und sich stattdessen auf rentablere Felder konzentriert. Dies gilt auch für Schweizer Multis wie Roche und Novartis. 

«In der Branche ist man in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass man die Infektionskrankheiten im Griff hat», sagt Roche-Sprecherin Ulrike Engels-Lange zu SRF. Das sei mit ein Grund gewesen, weshalb die Entwicklung von Antibiotika Ende der 1990er Jahre nicht mehr forciert worden sei. Nun gilt es umzudenken. 

Publiziert am 22.09.2016 | Aktualisiert am 22.09.2016
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3 Kommentare
  • reto  wisler aus trubschachen
    23.09.2016
    a global climate treaty must be implemented even if there is no scientific evidence to back the green house effect , das solltet ihr mal googeln, der fünfte eintrag.
    Ted Turner gründer von CNN und wichtiger spender der UNO sagt :
    “Eine totale Weltbevölkerung von 250 – 300-Millionen, ein 95 Prozentiger Rückgang vom gegenwärtigen
    Level, wäre ideal.“ noch fragen?
    • reto  wisler aus trubschachen
      23.09.2016
      Meine drei wichtigsten Ziele sind, die menschliche Population auf 100 Millionen weltweit zu reduzieren, die industrielle Infrastruktur zu zerstören und zuzuschauen wie die Wildnis mit ihrem kompletten Spektrum an Spezien auf der ganzen Welt zurückkehrt." Dave Foreman nach dem kann auch gegoogelt werden
  • Hans  Blattmann 23.09.2016
    Ein sehr wichtiges Thema das die ganze Menschheit und deren Zukunft bestimmen könnte. Aber es kommt x Meter unterhalb der Berichte über Angelina & Brad.