Parlament nimmt Tiere ins Visier: Feuer frei auf Biber, Wolf und Schwan?

Geht es nach CVP-Ständerat Beat Rieder (VS), soll der Wolf als jagdbare Tierart eingestuft werden. SP-Nationalrätin und Pro-Natura-Präsidentin Silva Semadeni (GR) befürchet die «Wiederausrottung des Wolfes» und droht mit dem Referendum.

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Höckerschwäne können künftig einfacher reguliert werden, das hat der Nationalrat letzte Woche beschlossen. «Das ist völlig unnötig. Schon heute können die Kantone den Bestand regulieren, wenn Schwäne Schäden anrichten – allerdings müssen sie heute den Nachweis dafür liefern, das soll nun erleichtert werden», sagt SP-Nationalrätin und Pro-Natura-Präsidentin Silva Semadeni (GR).

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SP-Nationalrätin Silva Semadeni (GR). Christian Lanz

Doch für die Tierfreunde könnte es noch schlimmer kommen. Morgen Mittwoch behandelt der Ständerat nämlich gleich zwei Wolf-Vorstösse. Eine Motion von alt Ständerat René Imoberdorf (VS) verlangt, dass «der Wolf als ganzjährig jagdbare Art eingestuft wird». Selbst auf die Festlegung einer Schonzeit will er verzichten.

Rieder: «Nüchtere Betrachtung statt Emotionen»

Imoberdorfs Nachfolger CVP-Ständerat Beat Rieder (VS) vertritt das Anliegen im Rat. «Es braucht nun eine nüchterne Betrachtung statt Emotionen», sagt Rieder. «Fakt ist: Zahlreiche Länder regulieren ihre Wolfsbestände, das verlange ich auch für die Schweiz.» Das Problem sei, dass aufgrund der Berner Konvention nur Einzelabschüsse unter sehr restriktiven Bedingungen möglich seien, so Rieder. «Letztes Jahr wurden zwar drei Abschussbewilligungen erteilt, aber kein einziger Wolf geschossen. Das zeigt doch: Faktisch ist ein Abschuss heute praktisch unmöglich.»

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CVP-Ständerat Beat Rieder (VS). KEY

Rieder möchte, dass die Bedingungen gelockert werden. «Wölfe, die Schäden anrichten, sollen ohne Restriktionen gejagt werden können.» Allerdings will er nicht so weit gehen wie Imoberdorf: «Für mich ist klar, dass es Schonzeiten geben muss.»

Die vorberatende Ständeratskommission unterstützt den Vorstoss knapp. Die Zunahme der Wölfe müsse mit wirkungsvollen Bestandeseingriffen gebremst werden, erklärt sie dazu. Eine ähnliche Standesinitiative des Kantons Wallis unter dem Titel «Wolf. Fertig lustig!» lehnt die Kommission aber ab – allerdings nur unter dem Gesichtspunkt, dass sie die Motion als das bessere Mittel erachtet.

Semadeni: «Wiederausrottung des Wolfes»

Bei Naturschützern sorgen die Vorstösse für Kopfschütteln. «Stellen Sie sich vor: Selbst eine Wolfsmutter mit Jungen dürfte geschossen werden», sagt Semadeni empört. «Diese extremistische Forderung hat nur ein Ziel: Die Wiederausrottung des Wolfes in der Schweiz.» Deshalb wundert sie sich umso mehr über die Ständeratskommission. «Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Motion im Parlament durchkommt und gar in ein Gesetz gegossen wird. Sonst wäre das ein klarer Fall für ein Referendum.»

Zwischen 25 und 30 Wölfe leben heute in der Schweiz (Archiv) play
Nach aktuellen Schätzungen leben etwa 25 bis 30 Wölfe in der Schweiz. Keystone

Semadeni ärgert sich auch deshalb über die «Zwängerei der Wolfsgegner», da das Parlament mit einer Motion von CVP-Ständerat Stefan Engler (GR) bereits eine Kompromisslösung gefunden hat. Diese verlangt insbesondere einen grösseren Handlungsspielraum für die Bestandesregulation in Regionen, wo sich Wolfsrudel bilden.

Für Engler stehen dabei Regulierungsmassnahmen «im Vordergrund bei Tieren, die sich an ausreichend geschützte Herden oder Weiden wagen oder das scheue Verhalten gegenüber dem Menschen zu verlieren beginnen». Selbst Naturschützerin Semadeni hat dieser Motion zugestimmt. «Damit nehmen wir die Sorgen der Bevölkerung ernst – ohne gleich einen Freipass für die Ausrottung des Wolfes auszustellen.»

Auch Biber unter Druck

Doch nicht nur Wolf und Schwan sind unter Druck. «Als  nächstes ist wohl der Biber an der Reihe», befürchtet Semadeni. Dabei hätte es der Ständerat nun in der Hand, etwas Druck vom Biber zu nehmen. Ebenfalls Morgen behandelt er eine Standesinitiative des Kantons Thurgau.

Diese verlangt, dass die Behebung von Schäden durch Biber an Infrastrukturen wie Strassen, Kanalböschungen, Entwässerungen und Verbauungen vom Bund und von den Kantonen finanziert wird. Damit solle die hohe Akzeptanz der Bevölkerung für den Biber auch weiterhin erhalten bleiben.

Doch die Ständeratskommission stellt sich dagegen. Sie will vielmehr, dass «die Massnahmen zur Verhinderung solcher Schäden vorangetrieben werden». Präventionsmassnahmen seien durchaus sinnvoll, findet auch Semadeni. Doch sie stellt klar: «Solange sie nicht in einen Abschuss münden.»

Muss im Wallis keine Angst haben: Biber (Archiv) play
Soll der Bund die Behebung von Biberschäden an Infrastrukturen mitfinanzieren? Keystone

Das Bundesamt für Umwelt bereitet aufgrund der Motion Engler derzeit eine Revision des Jagdgesetzes vor. Läuft alles nach Plan, geht die Vorlage in der zweiten Jahreshälfte in die Vernehmlassung. Im Frühling 2017 könnte dann die definitive Botschaft des Bundesrats ans Parlament überwiesen werden.

Publiziert am 08.03.2016 | Aktualisiert am 17.03.2016
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