Migrations-Sonderbotschafter Gnesa hofft auf EU «Jetzt muss etwas geschehen!»

Eduard Gnesa ist Schweizer Sonderbotschafter für internationale Migrationszusammenarbeit. Im Blick.ch-Interview sagt er, die Schweiz prüfe, wegen den Flüchtlingsdramen mehr Hilfe in Lampedusa leisten und mehr Geld zu sprechen.

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Herr Gnesa, die EU will die Mission Triton nach den Flüchtlingsdramen verdoppeln. Wie kann sich die Schweiz beteiligen?
Mit finanzieller Unterstützung. Und mit Personal des Grenzwachtkorps. Sie helfen schon heute in Lampedusa bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms. Wenn Triton ausgeweitet wird und die Schweiz um Unterstützung angefragt wird, wird die Schweiz prüfen, inwiefern sie sich an den Anstrengungen beteiligt.

Was machen diese Spezialisten des Grenzwachtkorps genau vor Ort?
Nach Aussagen der Verantwortlichen haben wir keine Spezialisten für die Aufgaben auf Schiffen, weil sie nicht dafür ausgebildet sind. Die Schweizer Experten kommen zum Zug, wenn die Flüchtlinge von den Schiffen kommen. Sie führen beispielsweise Personenkontrollen durch.

Der italienische Premier Renzi will in Libyen Schlepperschiffe zerstören. Hier würde sich die Schweiz wohl nicht beteiligen?
Hier kennen wir die konkreten Vorschläge noch nicht, deshalb kann ich hierzu nichts sagen. Wichtig ist für uns, dass man die Schlepper noch besser bekämpft.

Wieso gelingt es Europa nicht, Asyl-Auffangzentren in Nordafrika zu errichten?
Die EU-Kommission prüft dies einmal mehr. Die Idee ist bestechend. Wenn sie denn funktioniert. Es gibt aber noch einige offene Fragen. Etwa ob die Länder sich bereit erklären, solche Zentren zu dulden. Und unter welchen Bedingungen. Zudem müsste geklärt werden, wer diese Zentren führt. Und was mit jenen Personen passiert, die kein Anrecht auf Asyl haben.

Die EU diskutiert jetzt auch erneut über einen Verteilschlüssel. Dieser soll festlegen, wie Flüchtlinge auf die europäischen Länder verteilt werden.
Einen solchen Schlüssel hat man noch nicht gefunden. Die Schweiz befürwortet einen Verteilschlüssel, der auf der Bevölkerungszahl der einzelnen Länder beruht. Andere Staaten wollen die Wirtschaftsleistung heranziehen. Andere die Grösse des Landes. Und wieder andere würden nur bei Freiwilligkeit mitmachen. Es gibt in Europa derzeit keinen Konsens. Noch nicht. Immerhin hat nun die EU-Kommission in ihrem 10-Punkte-Plan den Willen geäussert, erneut über einen Verteilschlüssel zu diskutieren.

Nach allen Flüchtlings-Katastrophen gibt es Lippenbekenntnisse, dass jetzt gehandelt werde. Dann passiert doch nichts. Wird es diesmal anders sein?
Der politische Druck innerhalb der EU ist jetzt so gross, dass ich zuversichtlich bin, dass man zusätzliche Schritte unternimmt, um diese Tragödie zu stoppen. Das sehr kurzfristige Treffen der Regierungschefs der EU-Staaten am Donnerstag zeigt: jetzt muss etwas geschehen. Es wäre zudem zu begrüssen, wenn die EU auch die Asylstandards in den einzelnen Ländern vereinheitlichen könnte.

Publiziert am 22.04.2015 | Aktualisiert am 22.04.2015
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Eduard Gnesa, Sonderbotschafter für internationale Migrationszusammenarbeit im Interview. play

Eduard Gnesa, Sonderbotschafter für internationale Migrationszusammenarbeit im Interview.

Peter Gerber

Schweiz soll mehr tun

Amnesty International hat den Bundesrat angesichts der Flüchtlingskrise zum Handeln aufgefordert. In einem Brief an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga fordert Amnesty unter anderem höhere Flüchtlingskontingente.

Auch die Visa-Erteilung soll erleichtert und die Familienzusammenführung erweitert werden, hiess es in dem Schreiben der Schweizer Amnesty-Sektion vom Mittwoch. Mit diesen Massnahmen sorge die Schweiz für sichere und legale Einreiserouten.

Auch solle das Staatssekretariat für Migration (SEM) mit einer intensiveren Information der ablehnenden Haltung in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen und Migranten entgegenwirken. (SDA)

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15 Kommentare
  • Tony  Graven aus Zürich
    23.04.2015
    Wieso Diskussionen über Verteilerschlüssel. Das stoppt die Flüchtlingswelle nie! Die Schweiz sollte ihre Kohäsionsbeiträge an die Ost-EU Länder einfrieren, solange diese Länder keine Flüchtlinge aufnehmen.
  • Lex  Davidson , via Facebook 23.04.2015
    Boote im Mittelmeer aufbringen, zum Ausgangshafen zurück begleiten, ausladen und anschliessend versenken. Im Land selbst Asylzentren einrichten und vor Ort abhandeln. Infrastrukturkosten zulasten Land. Problem gelöst.
  • Philipp  Rittermann 23.04.2015
    jaja. die schweiz spricht überall geld. ausser für die schweizer. des weiteren ist es beschämend, wie die eu ihre äh-flüchtlingspolitik betreibt. zutiefst menschenverachtend.
  • Josef  Kathriner , via Facebook 23.04.2015
    Ich weiss nun wirklich nicht was los ist. Es ist doch ganz einfach, man muss lediglich die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Das heisst nichts anderes, als Obama und die ganzen "3 Welt Ordnung Quäker" zu verurteilen und Vermögenswerte zu sperren und für die Behebung der verursachten Probleme einzusetzen.
  • Isabella  Suter aus Wolfhausen
    22.04.2015
    Herr Gnesa warum erst jetzt! Warum immer sollte die Schweiz Zahlen und sich von der EU aufs schärfte kritisieren und schikanieren lassen. Wir sind nicht in der EU und diese sollen ihre Probleme endlich einmal wahrnehmen und lösen. Die sollen endlich kapieren, dass wir Schweizer Bürger uns das nicht mehr gefallen lassen. Hört endlich auf, es ist mehr als genug.