Ex-Bundesratssprecher Oswald Sigg (71) über das bedingungslose Grundeinkommen «Wir sind weiss Gott kein Volk von Faulen!»

Ex-Bundesratssprecher Oswald Sigg unterstützt die Idee des Grundeinkommens. Er fürchtet sich nicht vor massenweise untätigen Teenagern. Aus einem speziellen Grund.

Ex-Bundesratssprecher Oswald Sigg. play
«Keine Sorge, die Arbeit wird auch künftig erledigt werden»: Ex-Bundesratssprecher Oswald Sigg sagt Ja zum Grundeinkommen. EQ-Images

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Dieylani Pouye begeistert vom Schweizer Brauchtum Dieser Senegalese will...
2 Von der CVP zur CPV Martullo erfindet die Polksvartei
3 «Gutmensch» schickt Migranten ins Nachbardorf SVP-Glarner umgeht...

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
112 shares
142 Kommentare
Fehler
Melden

Das bedingungslose Grundeinkommen ist quasi eine Gammelpauschale. Man erhält Geld fürs Nichtstun. Warum finden Sie das gut?

Es ist zwar eine Pauschale. Jeder Bürger soll nämlich den gleichen Betrag erhalten. Aber deswegen ist das bedingungslose Grundeinkommen noch lange nicht zum Gammeln da. Der Betrag garantiert eigentlich nur die menschliche Existenz. Nicht mehr! Es ist ein Sockel. Darauf kann man leben und arbeiten.

Was stört Sie am Zusammenhang von Arbeit und Lohn?

Viele Menschen befinden sich heute in einem Zwangsarbeits-System. Sie arbeiten oft unter Druck und haben dabei Existenzängste. Diese Ängste fallen weg, wenn die Existenz durch das Grundeinkommen gesichert ist.

Warum soll ein Teenager künftig noch etwas Vernünftiges lernen, wenn er doch eh Aussicht auf 2500 Franken monatlich hat?

Es scheint eine verbreitete Befürchtung zu sein, dass die Jungen den lieben langen Tag nur noch vor dem Fernseher sitzen und nichts mehr unternehmen werden. Meine böse Antwort: Schauen Sie mal den ganzen Tag lang Schweizer Fernsehen. Das verleidet Ihnen doch schon am Vormittag wie auch bei anderen Fernsehsendern!

Im Ernst: Ökonomischer Druck ist doch gut, er schafft eine gewisse Motivation.

Das Problem ist einfach nicht real. Wir Schweizer sind doch weiss Gott kein Volk von Faulen!

Wer arbeitet noch in der Pflege? Auf dem Bau? Wer macht noch die schwere Arbeit, wenn man mit dem Grundeinkommen schon ausgesorgt hat?

Keine Sorge, die Arbeit wird auch künftig erledigt werden. Wenn auch anders. Erstens gewinnen die Bürger durch das Grundeinkommen Zeit. Weniger Lohnarbeit erlaubt ihnen zum Beispiel, ihre Nächsten zu begleiten und zu pflegen. Zweitens werden die Leute im Niedriglohn-Sektor gestärkt, etwa Strassenwischer und Servicepersonal. Das Grundeinkommen verhilft ihnen insgesamt zu einem höheren Lohn. Zu Recht – ihre Arbeit ist mehr wert, als sie heute erhalten.

Wie stellen Sie sich die Finanzierung des Grundeinkommens vor?

Ich schlage eine Mikrosteuer auf dem Zahlungsverkehr vor. Das Konzept ist ganz simpel: Bei jeder digitalen Zahlung wird 1 bis 2 Promille des Betrags als Steuer erhoben. Damit wäre das Grundeinkommen finanziert. Und zwar ohne jemanden persönlich zu belasten.

Publiziert am 15.03.2016 | Aktualisiert am 10.05.2016
teilen
teilen
112 shares
142 Kommentare
Fehler
Melden
Gratis-10er-Nötli am HB Zürich - nicht alle greifen zu «Man arbeitet doch fürs Geld!» 

TOP-VIDEOS

142 Kommentare
  • Daniela  S 25.04.2016
    Wer arbeitet, hat nebst den 2500fr dann eben NOCH mehr.
    Allein mit diesem Grundeinkommen kann KEINER hier leben.
    Alles was ich hier lese strotzt vor Missgunst! Typisch Schweiz. Ich hoffe, dass diejenigen die sich jetzt darüber aufregen, ihre 2500fr brav NICHT annehmen würden.
    Aber solche Gegenstimmen können nur von Personen kommen, die noch nie in Existenzangst leben mussten. Lieber trägt man indirekt die Schulden der anderen, als offen zu sein für FAIRES stabiles Grundeinkommen.
  • Peter  Hofer aus Grenchen
    15.03.2016
    Das ist doch derjenige, welchen man bei jeder Gelegenheit auf DRS 1 hört: Wenn die Gespräche mit einem Kuss beginnen, wo enden sie dann? Er redet ein bisschen viel, der alte Mann, so viel wie alle Alt-Bundesräte zusammen.
  • Ursula  Häni aus Schaffhausen
    15.03.2016
    GRUNDEINKOMMEN ist notwendig geworden!!! Wenn es nicht kommt, bleibt vielen nicht s anderes übrig, als kriminell zu werden, ausser sie wollen auf der Sozialhilfe langsam verhungern.
  • christian  ryser aus Boll
    15.03.2016
    Wennschon sowas, dann ab sofort Grenzen schliessen, ansonnsten wird die Zuwanderung ins unermessliche steigen!!
    Des weiteren müssten sämtliche Sozialämter geschlossen werden und dadurch diese Löhne gestrichen werden, so würde diese Idee Sinn machen. Alles andere ist purer Blödsinn!!
  • Andreas  von Salis , via Facebook 15.03.2016
    Was junge Menschen mit dem blG tun würden - ich weiss es nicht. Ich sehe aber was Renter damit tun: im besten Fall nichts. Im schlechtesten Fall verjubeln sie das von uns Arbeitern verdiente Rentengeld im Ausland.