Ihre Wohngemeinde Merenschwand AG importiert 95,9% aus dem Ausland Dreckstrom für Doris Leuthard

AARAU - Wer in Energieministerin Doris Leuthards Wohngemeinde Merenschwand Strom bezieht, erhält zu 95,9 Prozent dreckigen Billigstrom aus dem Ausland. Dumm nur, dass damit Leuthards bestes Argument gegen den sofortigen Atomausstieg flöten geht.

Fährt der Tesla wirklich sauber? Wohl nur, wenn Doris Leuthard ihren Elektro-Boliden nich zu Hause aufladen lässt. play
Fährt der Tesla wirklich sauber? Wohl nur, wenn Doris Leuthard ihren Elektro-Boliden nich zu Hause aufladen lässt. Keystone

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Senioren-Autofahrer sollen später zur Pflicht-Kontrolle Hausärzte für...
2 Armee-Chef Philippe Rebord (59) im Gespräch «Meinen Leuten muss ich...
3 Albisgüetli-Tagung der SVP in Zürich Harmloser Blocher,...

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
247 shares
51 Kommentare
Fehler
Melden

Immer wieder warnt Energieministerin Doris Leuthard vor dem sofortigen AKW-Ausstieg. Ihr Hauptargument – auch an die Adresse der Grünen: Stellt die Schweiz ihre Atommeiler schnell ab, braucht es mehr Stromimporte. Und die sind nicht über alle Zweifel erhaben.

Der «Aargauer Zeitung» sagte sie unlängst, was aus ihrer Sicht die Folge eines schnellen AKW-Ausstiegs ist. «Seien wir ehrlich: Aus der Steckdose fliesst Kohlestrom.» Oder anders gesagt: Wer für den sofortigen Atomausstieg stimmt – also Ja sagt zur Atomausstiegs-Initative, die am 27. November an die Urne kommt –, der ist für den Import von dreckigem, CO2-belastetem Kohlestrom verantwortlich.

Merenschwand alles andere als vorbildhaft

Ein Blick auf die offizielle, von den Schweizer Stromlieferanten betriebene Website stromkennzeichnung.ch entlarvt nun genau dieses Argument als wenig faktengestützt. So hat das Webportal «Infosperber» die Bilanz in Leuthards Wohngemeinde Merenschwand AG angeschaut. Und dort ist man alles andere als vorbildhaft. Beim Autor handelt es sich im Kurt Marti, einen Atom-Gegner der ersten Stunde.

Wenn Bundesrätin Doris Leuthard nämlich zu Hause den Backofen anwirft, fliesst schon heute Kohlestrom aus der Steckdose. In Merenschwand kamen im Jahr 2014 – neuere Zahlen gibt es noch nicht – schon 95,9 Prozent des Stroms aus dem Ausland, und zwar aus «nicht überprüfbaren Energieträgern». In dieser Rubrik werden normalerweise die fragwürdigsten Energieprodukte versteckt, also vor allem Kohlestrom aus Deutschland und Atomstrom aus Frankreich. Und dies alles, ohne dass die Schweiz schon aus der Atomenergie ausgestiegen wäre.

Knapp 4000 Einwohner: Merenschwand im Reusstal. play
Knapp 4000 Einwohner: Merenschwand im Reusstal.

Als Grund gibt die Elektrizitäts-Genossenschaft Merenschwand, die im Wohnort der CVP-Magistratin für die Stromversorgung zuständig ist, Folgendes an: «Im Strommix an unsere Kunden ist ein Wert von 95,81 Prozent mit ‹nicht überprüfbare Energieträger› deklariert. Dieser Wert entsteht dadurch, weil wir die Energie zu Marktpreiskonditionen beschaffen, wo der Liefermix standardmässig als ‹100% nicht überprüfbare Energieträger› deklariert wird.»

Dass scheint auch Bundesrätin Leuthard bewusst zu sein und sie versucht, ihre Energiebilanz aufzubessern. So wird ihr Haus über eine Wärmepumpe und in der Übergangszeit mit einem Schwedenofen geheizt. In ihrem Ferienhaus liefert eine Photovoltaikanlage den Strom. Und auch der bundesrätliche Dienstwagen kommt ohne CO2-Ausstoss aus - Leuthard fährt einen Tesla, der aber nicht zu Hause aufgeladen wird, wie Leuthards Mediensprecherin mitteilt.

Auch die Merenschwander selbst konnten ihre Ökobilanz verbessern. Auf dem Dach der neuen Dreifachturnhalle läuft seit Mitte 2016 eine grosse Photovoltaik-Anlage. Strom aus der Region, für die Region. (hlm)

Publiziert am 18.11.2016 | Aktualisiert am 21.12.2016
teilen
teilen
247 shares
51 Kommentare
Fehler
Melden

51 Kommentare
  • Daniel  Strub aus Schweiz
    18.11.2016
    Im moment werden 2560MW importiert. Heute Nachmittag waren es 3700 MW . Wo ist ist die erneuerbare Energie ? Leute wacht auf ! Ohne Bandenergie haben wir ein Problem. Abstimmen mit Nein !
  • Markus  Hof aus Birmensdorf
    18.11.2016
    Ich kann allen empfehlen, sich mal im Netz über Thorium - Atomkraft zu informieren. Kurz , was sind Thorium - Flüssigsalzreaktoren, dies ist eine Kernspaltung, welche keinen radioaktiven Abfall produziert, sich im Gefahrenfall selber abstellt und sich die notwendigen Produkte selbst regenerieren. Die heutige Atomkraft wurde nur gefördert, weil man damit Atombomben bauen kann. Wie wir wissen extrem gefährlich, als militärische Nutzung oder auch als strahlende Abfallhaufen der Zivilnutzung.
    • M  Müller aus Zürich
      18.11.2016
      Herr Hof, ein Thorium Reaktor ist noch nich serienreif, wenn es auch vom Ansatz her eine interessante Variante der Kernenergie ist. Wenn wir 10-15 Jahre uns ordentlich mit der Alternativen Energie auseinandergesetzt haben, dann ist die Lücke der AKWs geschlossen. Warum sollten wir uns dann wieder Energien vom Ausland anlachen - das macht nicht wirklich Sinn. Die Sonne alleine liefert derart viel Energie, dass wir garnicht alles brauchen können. Elektroautos können auch Speicher sein.
  • Frey  Gerhard aus Thun Schweiz
    18.11.2016
    Herr Schwab der Strom kommt doch aus der Steckdose oder nicht? Zumindest für die Grünen.
  • kurt  oberle aus Havelsee
    18.11.2016
    Der Strommix wird bis 2030 ein völlig anderer sein wie heute. In Deutschland werden z.B. die Nord-Süd-Stromtrassen stehen und zu 50 Prozent wird EE-Strom produziert. Die Grundlast wird dank der 2. North-Stream-Gaspipeline vermehrt aus Gas- und wesentlich seltener aus Kohlekraftwerken aufrechterhalten. Die unrentablen AKWs werden schon seint etlichen Jahren vom Netz sein.
  • Marco  Weber 18.11.2016
    Ich frage mich ja schon lange wiso hier dauernd so getan wird als würden alle AKWs direkt nach der Annahme der Initiative abgeschalten?....... Ist es nicht besser wenn man bischen druck macht anstatt dauernd diese Larifari "jaja wir schauen dann 2050 mal weiter" und dann 2100 und dann 2200 etc......Politik... denn genau so wird sich gar nie was ändern!