GLP-Präsident unterschreibt Referendum gegen Energiestrategie 2050 Bäumles Atom-Coup

Während seiner ganzen politischen Karriere kämpfte der Zürcher Nationalrat gegen die Nuklearenergie. Jetzt unterstützt Martin Bäumle plötzlich das Referendum gegen den Atomausstieg. Grund: Er will, dass das Jahrhunderprojekt vors Volk kommt.

SVP-Präsident Albert Rösti (l.) hat gut lachen: GLP-Präsident Martin Bäumle unterstützt sein Referendum. Die beiden Parteichefs im Restaurant Galerie des Alpes am Donnerstagmorgen im Bundeshaus. play
SVP-Präsident Albert Rösti (l.) hat gut lachen: GLP-Präsident Martin Bäumle unterstützt sein Referendum. Die beiden Parteichefs im Restaurant Galerie des Alpes am Donnerstagmorgen im Bundeshaus. Peter Gerber

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Mit fast kommunistischem Stimmverhältnis SVP will Personenfreizügigkeit...
2 Weniger Asylgesuche im 2016 Nur halb so viele Eritreer
3 Nicolas Voide zum Hauskrach in der CVP Wallis «Darbellay hat die...

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
9 Kommentare
Fehler
Melden

Es ist das erste Referendum von Albert Rösti (49): Die Partei des SVP-Präsidenten sammelt Unterschriften gegen die Energiestrategie 2050, die laut der Volkspartei für Familien massive Mehrkosten bedeuten würde. Scheitern verboten. Nicht auszudenken, wenn der im April gewählte Chef der Volkspartei die 50'000 notwendigen Unterschriften nicht zusammenbringen würde. Die Häme der Konkurrenz von den Grünen bis zur FDP, die geschlossen für das Anliegen eintritt, wäre Rösti sicher.

  play
  Peter Gerber

Jetzt bekommt der SVP-Präsident unerwartete Schützenhilfe. GLP-Chef Martin Bäumle (52) hat das Referendum unterschrieben. Am Donnerstag im Bun­deshaus-Restaurant Galerie des Alpes setzte der vehemente Gegner der Atomenergie seine Unterschrift auf einen Bogen.

Entscheid an der Urne

Grund für den politischen Coup: Der Zürcher Nationalrat will eine Volksabstimmung. «Es braucht einen Entscheid an der Urne», sagt Bäumle. Nur so werde der anvisierte Umbau von fossilem und nuklearem auf erneuerbaren Strom demokratisch legitimiert. «Damit wäre der Ausstieg aus der Kernenergie für eine Generation auf sicheren Füssen.»

Was den Atmosphärenwissenschaftler zum Mitmachen bewog: 46 Prozent der Wähler stimmten Ende November für die Atomausstiegs-Initiative, obwohl sie einen radikalen Zeitplan für das Abschalten der AKW verlangte. «Es wird trotz dieses Achtungserfolges immer Ewiggestrige geben, die den Ausstieg in Frage stellen. Deshalb braucht es jetzt ein klares Ja von wenigstens 60 Prozent für das Jahrhundertprojekt», sagt Bäumle. Dem Stadtrat von Dübendorf ZH ist bewusst, dass er pokert. Geht die Abstimmung im kommenden Jahr verloren, stünde die Schweizer Energiepolitik vor einem Scherbenhaufen. «Dieses Restrisiko müssen wir in Kauf nehmen.» Er sei überzeugt, dass das Volk die Energiewende klar unterstütze.

Albert Rösti freuts: «Martin Bäumle beweist, dass er ein echter Demokrat ist.» Nach dem unwürdigen Schauspiel bei der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative sei es erfreulich, wenn sich jemand dafür einsetze, dass das Volk entscheiden könne.

Hoffen auf mehr

Rösti gibt die Hoffnung nicht auf: «Bäumle ist auch Finanz­politiker. Vielleicht wird er im Geheimen sogar die Energiestrategie 2050 ablehnen.»

Publiziert am 11.12.2016 | Aktualisiert am 12.01.2017
teilen
teilen
0 shares
9 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

9 Kommentare
  • Marco  Steingruber aus Fribourg
    11.12.2016
    Bravo Martin Bäumle! Ein Demokrat, der den Volks-Entscheid will. Viele Politiker haben noch nicht bemerkt: Die Entscheid-Findung ausserhalb der Parlamente und des Bundesrates in landesexistentiellen Fragen ist die stärkste Legitimation für Schritte, welche unser Land zu gehen hat. Auch für solche, welche die selbsternannten Experten und Eliten als unverständlich erachten. Der Befund über die Energiestrategie 2050 wird eine der nächsten sein. Bei der MEI hat das Parlament grauenvoll versagt.
  • Arnold  Ganz 11.12.2016
    Herr Bäumle rechnet natürlich damit, dass das Referendum der SVP abgelehnt wird. Das ist sein gutes Recht als Demokrat. In dieser wichtigen Frage ist tatsächlich ein Volksentscheid notwendig. Dies insbesondere, weil sich die Atomkraftgegner seit dem abwegigen Entscheid von Bundesrat und Parlament, mit dem Energiekonzept 2050, auf einem sicheren Pfad wähnen. Wichtig ist die Meinung der Stimmbürger erst recht, weil ein Volksentscheid mit allen politischer Tricks ausgehebelt werden sollte.
  • Herbert  Kessler 11.12.2016
    Das ist genau der Politiker, den niemand braucht ! (Windfahne)
  • Pierre  Koella 11.12.2016
    Etwas muss ja geschehen, so kann es nicht weitergehen, wenn man nicht einmal weiss WO den Atommüll vergraben ? Natürlich habe ich da so eine Idee: Mann könnte sie ja im Garten von Doris Leuthard eingraben. Spass be Seite... Erneuerbare Energien sind vorhanden und man muss nun daran gehen diese einzusetzen. Aber wenn wegen ein paar Winrädern das Volk auf die Barrikaden gehen, wird es schwierig sein auf ein Resultat zu kommen...
  • Raphael  Stadler aus Eschenbach
    11.12.2016
    Schon bedenklich, es gibt nicht eineinziges Atomendlager auf dem Planeten und man weiß nicht was mit dem Müll passieren soll, aber man will stur weiter AKWs betreiben. Und den Leuten wieder mit hohen Strom kosten drohen, wahrscheinlich wieder wegen den Arbeitsplätzen jammern, die verloren gingen, obwohl diese im Zeitraum von 15 Jahren, kontinuierlich abgebaut würden. Vorrallem Frage ich, wie machen es die Österreicher ohne Atomstrom!? Haben die so hohe Stromkosten!?
    • Patrick  Steiner , via Facebook 11.12.2016
      Ganz einfach weil sie den Atomstrom aus Tschechien importieren. Und ja den Östereicher droht eine massive erhöhung der Stromkosten weil die Deutschen die Windenergie nicht mehr so einfach von der Ostsee nach Deutschland transportieren können.
    • Hans Jakob  Rölli , via Facebook 11.12.2016
      In meinen Augen:
      Diese Atom-Endlager werden in ein paar Jahren immer wertvoller.
      Für die kommende, neue Generation von KKWs reichen diese "Abfälle" vollständig, um damit Jahrzehnte weiterhin Strom zu produzieren.

    • tom  tomason 11.12.2016
      Die Österreicher? Die importieren ihren Strom ganz einfach. Und stell dir vor, auch der importierte Strom hinterlässt Abfall, nämlich genau so viel wie wenn du eigene AKWs hättest. Und wenn ein AKW in ihrer Grenznähe hops geht erwischt es sie genau so wie wenn sie ein eigenes AKW gehabt hätten. Und einfach um über deine Grünen Nachzudenken. In der Abstimmungswoche wurde im Entlebuch ein Wasserkraftwerk verhindert. Durch den sauberen WWF
    • werner  widmer aus russikon
      11.12.2016
      Das Atomrestenproblem ist technisch gelöst. Es gibt keinen hochradioaktiven Abfall. Der kann wieder zur Energiegewinnung herangezogen werden. Der mittel- und schwachradioaktive Abfall ist das Problem und der wird auch in den Ländern ohne AKWs immer grösser.Mengenmässig ist das hochradioaktive Material sehr wenig. Die Oesterreicher haben etwa 10 Kohle- und sehr viele Gaskraftwerke. Ich war beim Bau dabei.