Kubas Revolutionsführer Fidel Castro (1926-2016) ist tot

HAVANNA (KUBA) - Er wurde von vielen Kubanern für die Befreiung Kubas von der Vorherrschaft der USA verehrt – jetzt ist der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro (†90) nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

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Der kubanische Revolutionsführer und frühere Staatschef Fidel Castro ist tot. Er starb am späten Freitagabend (Ortszeit) im Alter von 90 Jahren in Havanna, wie sein Bruder und Nachfolger Raúl Castro im staatlichen Fernsehen verkündete.

«Der kubanische Revolutionsführer ist heute Abend um 22.29 Uhr (04.29 Uhr MEZ) gestorben», sagte der 85-jährige Staatschef, der im Fernsehen eine kurze Erklärung verlas.

 

Sein Bruder solle am Samstag «in den ersten Stunden» des Tages eingeäschert werden, fügte der kubanische Präsident hinzu. Das sei der Wunsch des Verstorbenen gewesen.

Alsbald würden auch Details zu einer Trauerfeier bekanntgegeben, die für ihn organisiert werden soll, fuhr Raúl Castro fort. Er schloss mit den historischen Worten: «Hasta la victoria, siempre!» (etwa: «Immer weiter bis zum Sieg»).

Todesursache unklar

Woran genau Fidel Castro starb, dazu machte sein Bruder in der kurzen Ansprache keine Angaben. Der frühere Staatschef hatte aber wegen einem schweren Darmleiden bereits Mitte 2006 kurz vor seinem 80. Geburtstag die Amtsgeschäfte zunächst provisorisch an Raúl Castro abgegeben.

Mit der Neukonstituierung des Staatsrats 2008 übernahm Raúl dauerhaft die Führung des Landes. Danach trat Fidel Castro zunächst nicht mehr in der Öffentlichkeit auf, zeigte sich aber später allmählich wieder seinem Volk. Im Jahr 2011 gab er auch den Posten an der Spitze der Kommunistischen Partei an seinen Bruder ab.

47 Jahre an der Macht

Fidel Castro regierte Kuba 47 Jahre lang. Um seine Macht zu sichern, herrschte er allerdings mit eiserner Hand. Dissidenten wurden drangsaliert, aus dem Land getrieben oder eingesperrt. Viele von Castros Kampfgefährten und Verwandten verliessen ihn im Laufe der Jahre.

Er trotzte in der Zeit zehn US-Präsidenten. Auch nach seinem krankheitsbedingten Rückzug 2006 bestimmte er als graue Eminenz im Hintergrund die Geschicke der sozialistischen Karibikinsel mit.

Kampf gegen Diktator Batista

Geboren wurde Castro am 13. August 1926 in Biran im Osten Kubas. Schon als Kind empfand er die sozialen Verhältnisse auf der Insel als zutiefst ungerecht. Als junger Rechtsanwalt nahm er den Kampf gegen den Diktator Fulgencio Batista auf.

Nach dem gescheiterten Überfall auf die Moncada-Kaserne 1953 und einigen Jahren im Exil landete er Ende 1956 mit rund 80 Mitkämpfern auf Kuba und begann in den Bergen den Guerillakampf. Im Januar 1959 zogen seine Truppen siegreich in Havanna ein.

Mit einer Landreform und der Verstaatlichung von Unternehmen machte sich Castro schnell die USA zum Feind, die die Insel mit einem Handelsembargo belegten. Hilfe fand Kuba bei der Sowjetunion, von der die Insel immer abhängiger wurde.

Krise nach Ostblock-Zusammenbruch

Der Zusammenbruch des Ostblocks stürzte Kuba nach 1990 in eine schwere Wirtschaftskrise, die das kommunistischen System aber allen Unkenrufen zum Trotz überlebte. Der Not gehorchend rangen sich Fidel und sein Bruder Raúl Castro zu begrenzten marktwirtschaftlichen Reformen durch.

Für viele Linke in der ganzen Welt war der bärtige Revolutionsführer ein Symbol des Widerstandes gegen die USA. Mit seiner Unbeugsamkeit gegenüber Washington fand Castro aber in Lateinamerika auch über das linke Lager hinaus Anerkennung.

In den vergangenen anderthalb Jahren veröffentlichte Fidel Castro immer wieder «Reflexionen» über Kuba und empfing in seinem Haus bekannte Persönlichkeiten und Würdenträger wie etwa Papst Franziskus. Castro war bekannt für seine markanten Reden, seine Kritik an den USA - aber auch für seine Zigarren, seinen langen Bart und die grüne Militäruniform, die er im Alter gegen Trainingsanzüge austauschte.

Die historische Aussöhnung zwischen Kuba und den USA, die in der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen 2015 und dem Besuch von Präsident Barack Obama in Havanna im März 2016 gipfelte, verfolgte Fidel Castro mit unüberhörbarer Skepsis. (bau/SDA)

Publiziert am 26.11.2016 | Aktualisiert am 28.11.2016

Kuba unter den Castros – ein Rückblick

1. Januar 1959: Kubas diktatorischer Präsident Fulgencio Batista flieht. Sieben Tage später feiern Fidel Castros Truppen den Einzug in die Hauptstadt Havanna.

16. Februar 1959: Castro erklärt sich zum Ministerpräsidenten Kubas.

17. Mai 1959: Castro unterzeichnet die Agrarreform, die den privaten Landbesitz der Bauern begrenzt und damit Grossgrundbesitzer enteignet.

Februar 1960: Kuba unterzeichnet ein erstes Handelsabkommen mit der Sowjetunion.

Juni 1960: Die ersten US-Unternehmen auf Kuba werden verstaatlicht.

15. April 1961: Castro verkündet den «sozialistischen Charakter» der Kubanischen Revolution. Zwei Tage später beginnt die Invasion der von den USA unterstützten Exilkubaner in der Schweinebucht, die innerhalb von 72 Stunden von den kubanischen Truppen niedergeschlagen wird.

7. Februar 1962: Die USA verhängen ein totales Embargo über den Handel mit Kuba.

Oktober 1962: Die «Kubakrise» als Konfrontation der Supermächte USA und Sowjetunion bringt die Welt an den Rand eines Atomkriegs.

3. Oktober 1965: Gründung der Kommunistische Partei Kubas. Fidel Castro wird erster Generalsekretär, sein Bruder Raúl Vize.

13. März 1968: Kubas Führung beschliesst die Verstaatlichung aller Einrichtungen, die sich noch in kubanischem Privatbesitz befinden.

1972: Kuba schliesst sich dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der internationalen Organisation sozialistischer Staaten an.

1976: Mit einer Verfassungsreform wird Fidel Castro gleichzeitig zum Regierungschef und Staatsoberhaupt Kubas.

1990: Angesichts des zerfallenden Ostblocks setzt Kuba ein wirtschaftliches Notfallprogramm auf.

August 1993: Reformen sollen die Wirtschaftskrise abschwächen. Unter anderem wird die Arbeit auf eigene Rechnung und der Besitz von Dollars als Zahlungsmittel erlaubt.

Juni 2004: Die USA verschärfen ihr Embargo.

31. Juli 2006: Fidel Castro gibt die Führung aus gesundheitlichen Gründen an seinen Bruder und Vize Raúl ab - zunächst nur vorläufig.

18. Februar 2008: Fidel Castro tritt endgültig ab, Raúl wird kurz darauf Staatsoberhaupt und Regierungschef.

Mai 2010: Raúl Castro startet einen Dialog mit der katholischen Kirche, in dessen Folge 124 politische Gefangene freikommen.

11. Juli 2010: Erstmals seit vier Jahren tritt Fidel Castro in Havanna wieder öffentlich auf.

Oktober 2010: Die Regierung erlaubt die Gründung von kleinen Privatgeschäften in rund 180 verschiedenen Berufen.

April 2011: Raúl Castro kündigt Wirtschaftsreformen an. Kubaner dürfen künftig kleine Geschäfte betreiben und Arbeitskräfte beschäftigen.

Oktober 2012: Die Regierung kündigt mehr Reisefreiheit an.

24. Februar 2013: Raúl Castro gibt zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bekannt, dass er die Präsidentschaft 2018 abgeben wird.

17. Dezember 2014: Kuba und die USA verkünden die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen nach über 50 Jahren Unterbrechung. Die Vereinbarung zwischen Raúl Castro und US-Präsident Barack Obama wird weltweit als Meilenstein gefeiert.

22. März 2016: Als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren besucht US-Präsident Barack Obama Kuba.

20. April 2016: Fidel Castro zeigt sich noch einmal auf dem Kongress der Kommunistischen Partei und sinniert über seinen eigenen Tod: «Wir alle kommen an die Reihe.»

13. August 2016: Fidel Castro wird 90 Jahre alt.

25. November 2016: Fidel Castro stirbt im Alter von 90 Jahren in Havanna.

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