Geheime Videos von Peiniger Priklopil: So wurde Natascha Kampusch tyrannisiert

WIEN - Wolfgang Priklopil hat die Gefangenschaft seiner Sklavin auf Videokassetten festgehalten. Das wurde erst jetzt bekannt. Die Aufnahmen zeigen, dass Natascha Kampusch ihrem Peiniger immer «demütig gehorchen» musste.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Anschlag in Istanbul: 36 Tote und 147 Verletzte Hier sprengen sich die...
2 Chauncy Black (16) muss nicht mehr betteln Er fragte nach Donuts und...
3 So erwischte ihn die Polizei Werner C. lag nackt mit Paul (12) im Bett

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
26 shares
11 Kommentare
Fehler
Melden

Von den Videoaufnahmen weiss man dank eines neuen Buches, das der Hamburger Autor und ehemalige Kriminalbeamte Peter Reichard herausgegeben hat.

Für sein neues Buch «Das Entführungsprotokoll Natascha Kampusch. Die ganze beschämende Wahrheit» durfte der Autor die Kassetten sichten und das Material auswerten.

Laut seinen Darstellungen stiess die Wiener Polizei bei der Durchsuchung des Hauses von Wolfgang Priklopil (†44) nach dessen Suizid im August 2006 auf mehrere Videokassetten.

Auf den Aufnahmen sei zu sehen, wie der Entführer das Mädchen die Treppen rauf und runter scheucht, oder es bis zur Erschöpfung Kniebeugen und Kopfstände machen lässt.

Priklopil sage auf den Aufnahmen: «Demütig gehorchen. Immer lieb sein. Immer lieb gehorchen. Demütig sein.» Er bezeichne Natascha Kampusch öfters auch als «fett».

Die Zeitung «Welt» hat mehrere Dialoge veröffentlicht. Beispiele:

«Stell den Teller ordentlich ab. Abspülen! Die Eier!», befiehlt er. Sie hat Schnupfen, ihre Nase läuft. «Stopf die Nosn mit den Fingern zua. Rechts eine, links ausse.» Sie bittet um ein Taschentuch. Er geht nicht darauf ein. Sie setzt sich und isst einen Teller mit Milch und Joghurt und abgezählten Körnern. Sagt etwas. «Red net so vül beim Essen. Das Essen muss man essen», belehrt er sie. Es klingelt an der Tür. Er reagiert nicht. Sie löffelt den Teller leer.

Das Zusammenleben ist geprägt von Machtspielchen: Priklopil stellt dem Mädchen Schulaufgaben, korrigiert sie, streicht absichtlich Fehler an, wo keine sind.

Ihre letzte gemeinsame Weihnachten feierten sie 2005. An Heiligabend filmt er Kampusch, wie sie den geschmückten Baum bewundert, und fordert sie auf, ein Weihnachtslied zu singen.

Absurd: Nur einen Tag später sitzt er an derselben Stelle mit seiner Mutter und Grossmutter, während sie in ihrem Kellerverlies hockt – vor einem Plastiktannenbaum.

Das Material ist noch streng unter Verschluss. Die mittlerweile 28-jährige Kampusch soll aber ihre Zustimmung, das Material zu veröffentlichen, gegeben haben.

Die Inhalte des Videos widerlegen laut Reichard alle bisher aufgetauchten Verschwörungstheorien. Mutmassungen wie der Dreh von Sexvideos oder Aufnahmen von Sadomaso- und Vergewaltigungsszenen sollen nichts als Phantasien gewesen sein. Auch einen möglichen Komplizen Priklopils soll es nie gegeben haben.

Im Jahr 1998 war die damals zehnjährige Österreicherin Natascha Kampusch vom arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil in Wien entführt und mehr als acht Jahre lang in dessen Haus im Bezirk Gänserndorf, östlich von Wien, gefangen gehalten worden. 2006 konnte Kampusch im Alter von 18 Jahren fliehen. (gf)

Publiziert am 21.03.2016 | Aktualisiert am 09.05.2016
teilen
teilen
26 shares
11 Kommentare
Fehler
Melden
«3096 Tage»: Kampusch leidet an ihrer Film-Premiere

TOP-VIDEOS

11 Kommentare
  • Hans-Peter  Brechbühl 21.03.2016
    Bücher und Filme über solches geschehen entsprechen
    nie den eigentlichen Tatsachen. Solche Storys wollen
    ja gut verkauft werden und somit muss auch Action
    ob wahr oder nicht wahr geschrieben oder gefilmt
    werden. Nur eine gute Story lässt sich gut verkaufen.
  • Thomas  Jobs 21.03.2016
    @ KATJA BAUMANN:
    grundsätzlich einverstanden, nur:
    die Fälle in Belgien damals hätte man damals auch um mindestens die Härfte reduzieren können, wenn alles rechtzeitig ans Tageslicht gekommen wäre!
    In diesem Fall gibt es viel zu viele Ungereimtheiten, als dass die Eintäterthese stehen bleiben kann! Pädophilenringe haben Deckung bis ganz oben und wer sagt, dass es nicht noch andere Videos gab, welche "nie gefunden" wurden?
  • michel  koeb 21.03.2016
    Hat sie ein neues Buch oder Video zu verkaufen ? beschämend diese Frau......
  • Benno  Schoenholzer aus Yang Talad
    21.03.2016
    Ich denke, das ist auch noch nicht alles!!
  • Anna  Rusch 21.03.2016
    Warum geht man nach dieser Zeit wieder an die Öffentlichkeit? Man hatte trauriger Weise schon damals so viel von ihrem qualvollen Leben erfahren und wie es ihr danach erging. Sie schrieb doch auch ein Buch, Film etc. Es mutet manchmal schon etwas seltsam an, dass man dann wieder die Öffentlichkeit sucht.