Katie May (†34) starb & Constantin Katsoulis erlitt einen Hirnschlag - beide waren vorher beim Chiropraktiker Ein Knacks zu viel

ZÜRICH - In den USA starb ein Model nach dem Eingriff des Chiropraktikers. Zwei Schweizer hätten fast das gleiche erlebt. Jetzt wollen sie andere warnen.

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Mit zwei Millionen Fans war Katie May eine Königin des Internets. Im Februar stellte das US-Model ein letztes Bild online, dann starb sie – mit 34 Jahren. Letzte Woche wurde bekannt, dass sie vor ihrem Tod einen Chiropraktiker aufgesucht hatte. Dabei entstand ein Riss in der Halsarterie, der zum Hirnschlag führte.

«Auch ich wäre fast gestorben, nachdem ich mich vom Chiropraktiker behandeln liess!», sagt Constantin Katsoulis (53). 2012 hatte sich der Zürcher Reisefachmann mehrmals wegen Nackenschmerzen therapieren lassen.

Nur 30 Minuten nach einem der Eingriffe hatte er extreme Kopfschmerzen, Gedächtnislücken traten auf: «Ich sass im Auto, ohne zu wissen, wie ich dort gelandet war.» Er verlor die Kontrolle über seinen Körper: «Mir fielen die Autoschlüssel aus der Hand, ich verschüttete Kaffee, konnte den Mantel nicht zuknöpfen.» Dann war seine linke Körperhälfte gelähmt. «Ich fiel mehrmals hin, spürte meinen linken Arm nicht mehr.»

«Ich konnte nicht mehr aufstehen»

Die Computertomografie im Spital zeigte, dass seine Halsarterie einen Riss hatte. Die Folge war, wie bei Katie May, ein Hirnschlag. Später hält ein Gutachter fest, der Hirnschlag sei wegen der kurzen Zeitspanne zwischen Behandlung und ersten Symptomen mit «überwiegender Wahrscheinlichkeit» auf die Behandlung durch den Chiropraktiker zurückzuführen.

Ähnlich erging es Roger Fischer*. Auch er liess sich am Nacken behandeln. «Noch als ich in der Praxis auf dem Schragen lag, wurde mir schwarz vor Augen. Schliesslich konnte ich nicht mehr aufstehen.» Im Spital zeigt sich, dass auch bei ihm ein Riss in der Halsarterie zum Hirnschlag geführt hatte.
Wie oft so etwas geschieht, wird in der Schweiz nicht erfasst. Bei der Untersuchung von 51 Patienten, die nach dem Riss der Halsarterie einen Schlaganfall erlitten, stellte die University of California fest: Sieben waren zuvor beim Chiropraktiker.

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2012 erlitt Con­stantin Katsoulis einen Hirnschlag. Er leidet noch heute an den Folgen. Mirko Ries

«Leider gibt es solche Fälle – das Risiko ist aber sehr klein», sagt Marcel Arnold, Leiter des Schlaganfallzentrums am Inselspital Bern. «Ob wirklich der Chiropraktiker verantwortlich ist für eine Verletzung der Halsarterie, lässt sich im Nachhinein nur schwer nachvollziehen.»

«Ein Riss in der Halsarterie kann durch eine chiropraktische Behandlung ausgelöst werden – aber geradeso gut durch einen Unfall beim Sport», sagt Misha Pless (53), leitender Arzt Neurologie am Kantonsspital Luzern. «Beim Sport weiss jeder, dass man sich verletzen kann.» Zum Chiropraktiker aber gehe man, um geheilt zu werden. «Sie müssten dringend auf die
Risiken hinweisen. Das tun sie offenbar leider nur selten.»

«Medikamentengebrauch gefährlicher»

Fischer und Katsoulis wollen nun zusammen «erreichen, dass die chiropraktische Behandlung der Halswirbelsäule als operationeller Eingriff eingestuft wird». Dann müssten Patienten schriftlich erklären, dass sie die Risiken kennen und die Behandlung dennoch wünschen.

«Diese Forderung ist unangebracht und entspricht in keiner Weise der Definition von operativen und invasiven Eingriffen», sagt Marco Vogelsang (50), Chiropraktor und Vorstandsmitglied vom Verband ChiroSuisse. Chiropraktoren hätten die Pflicht, über Risiken und Folgen aufzuklären. «Erst dann wird, gemeinsam mit dem Patienten, die mögliche Behandlung oder andere Behandlungsschritte festgelegt.»

Pro Million Behandelter gibt es laut Vogelsang nur zwischen einem und fünf Fälle von Hirnschlag. «Medikamentengebrauch gegen Schmerzen an der Halswirbelsäule ist statistisch gesehen bis zu 200 Mal gefährlicher.» In der Schweiz sei das Niveau der Behandlungen sehr hoch: «Chiropraktoren studieren sechs Jahre Humanmedizin und Chiropraktik und absolvieren drei Jahre Weiterbildung. Das Studium an der Universität Zürich gilt heute weltweit als Massstab.»

Constantin Katsoulis spürt die Folgen des Hirnschlags bis heute. «Ich kann mich nicht mehr lange konzentrieren, vergesse Wörter, kann unter Druck keine komplexen Aufgaben lösen und leide an Epilepsie.» Wie Roger Fischer lebt er von 50 Prozent IV-Rente. «Wir haben auf Facebook die Gruppe ‹Hände weg von der Halswirbelsäule› gegründet. So haben Betroffene eine Anlaufstelle. Und anderen bleibt dieses fatale Erlebnis vielleicht erspart.»

*Name geändert

Publiziert am 30.10.2016 | Aktualisiert am 10.01.2017
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10 Kommentare
  •   , via Facebook 30.10.2016
    Vor etwa 25 Jahren war ich wegen immer wieder auftretendem Schwindel bei einem Chiropraktiker, da mein Hausarzt der Meinung war, dass der Schwindel wahrscheinlich von der Halswirbelsäule ausgelöst werde.
    Nun, dieser "Chiropraktiker" hat mir, als ich auf dem Schragen lag, plötzlich und mit aller Heftigkeit meinen Kopf zur Seite gerissen. Völlig erschreckt verließ ich seine Praxis. Wochen später las ich in der Zeitung, dass eine andere Person eine Blutung durch einen Chiropraktiker erlitten hat.
  • Annemarie  Schwab , via Facebook 30.10.2016
    Vor Jahren war ich regelmässig beim Chiro, erst wegen HWS und Nacken, später wegen der LWS. Plötzlich auftretende Ischiasbeschwerden und Hüftschmerzen änderten nichts an seinem Behandlungsplan. Er ordnete die als psychisch ein. 15 Behandlungswochen später dann die Diagnose eines Orthopäden: Bandscheibenvorfall L4/L5, wahrscheinlich ausgelöst durch den Chiropraktor!
  • Ronald  Schmid aus Miami
    30.10.2016
    Die meiste "Medizin" (80 Prozent) ist auch heute ist wie im Mittelalter Scharletanerie, nur heute ist sie viel besser organisiert und kann den Voelker damit viel besser Milliarden aus den Taschen ziehen. Bei 1 Prozent aller "Heiler" auch Schulmedizin gehts um Gesundheit, bei 99 Prozent nur um soviel Geld wie moeglich.
  • Thomas  Maeder 30.10.2016
    Die ganze Fummelei an der Rückenwirbelsäule ist fauler Hokuspokus. Viele, die im Büro arbieten, haben Beschwerden durch die viele sitzende Tätigkeit. Die einzige Abhilfe ist regelmässige Bewegung, Sport, ggf. gezielte Gymnastikübungen.
  • Jenkins  Roy aus Geneve
    30.10.2016
    Chiropraktik kann in gewissen Fällen sinnvoll sein. Leider sind diejenigen Chiropraktiker die wirklich was können rar. Die anderen Kollegen machen
    mehr kaputt als helfen. Mit einem Knacks kann man viel Unheil produzieren, die weitaus schlimmere Folgen hat, als der zu behebende
    Schaden Im Zweifelsfall sollte jeden Chr. meiden.