BLICK besucht das Roma-Ghetto von Bulgarien Im Zentrum des Menschenhandels

BURGAS BU - Analphabetismus, Arbeitslosigkeit und eine Wohnmisere bieten idealen Nährboden für den internationalen Menschenhandel.

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Im bulgarischen Touristenort Burgas prallen zwei Welten aufeinander: Luxus-Resorts und Roma-Ghettos.

Eines aber verbindet sie: der internationale Menschenhandel. «Der ist in Bulgarien ein Milliardengeschäft», sagt Tihomir Bezlov (50), Wissenschaftler, Autor und Experte für organisierte Kriminalität. «Durch Prostitution in ganz Europa erwirtschaftetes Geld wird hier reinvestiert, meist in Immobilien.»

So schiessen im Touristen­paradies St. Vlas Luxushotels aus dem Boden, schicke Restaurants und Nachtclubs, im neuen Hafen liegen Yachten. Alles finanziert aus obskuren Quellen.

Unweit dieser schillernden Halbwelt das Elend der Roma-Slums. 80 Prozent der Bewohner sind An­alpha­beten, die meisten ­arbeitslos. Leichte Beute für Menschenhändler.

«Wir Roma sind die Letzten, die einen Job erhalten, und die Ersten, die entlassen werden», sagt Michel Radev (58). Er ist Gelegenheitsarbeiter und lebt im ­Roma-Ghetto Pobeda. Offiziell wohnen dort 5000 Menschen, in Tat und Wahrheit sind es an die 20'000. «Roma haben viele Kinder, auch wegen der Kinderzulagen», sagt Radev.

Er führt uns durch Pobeda, entlang verfallener Häuser mit bröckelnden Fassaden, manche kaum mehr als ein Verschlag. In tiefen Schlaglöchern sammeln sich Regenwasser und Müll. Männer stürmen auf uns zu, ihre Gesichter grau wie die Pfützen. «Mafia! Politik!», schimpfen sie und gehen weiter.

Einziger Lichtblick ist die neue Schule. Sie wurde weitgehend mit Schweizer Mitteln und in Zusammenarbeit mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit gebaut. 170 Roma-Kinder bekommen Unterricht. Bildung ist ein Mittel im Kampf gegen Menschenhandel. Weitere sind Integration der Roma, Geburten- und Gesundheitskontrollen, Aufklärung. «Wir brauchen diese Hilfe dringend», sagt Dimitar Dokov (52) von der Roma Union. «Die Kinder müssen zur Schule. Sonst schaffen sie es nicht in den Arbeitsmarkt.» Doch viele Roma-Familien sind misstrauisch.

Michel Radev erklärt: «Spätestens mit elf verlassen die Kinder die Schule, damit sie arbeiten können.» Über das, was er mit Arbeit meint, schweigt er.

Shipka (22) jedenfalls freut sich über die neue Primar- und Sekundarschule: «Ich durfte keine besuchen und habe mit 15 geheiratet.» Auf dem Arm hält sie ein Baby (1), ein Kind (3) klammert sich an ihr Knie, die Tochter (5) kommt nächstes Jahr in die schöne neue Schule. «Vielleicht», hofft Shipka, «wird sie mal Lehrerin. Das wäre mein Traum.» Und Träumen ist auch im Ghetto erlaubt.

Morgen Teil 4: Wie man Menschenhändlern das Handwerk legt. BLICK-Interview mit Kinderschutz-Experte Norbert Ceipek (65).

Publiziert am 26.10.2016 | Aktualisiert am 26.10.2016
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2 Kommentare
  • Peter  Weber aus Zürich
    26.10.2016
    Was war zuerst, die Absonderung oder die Benachteiligung?
    Wenn eine Gruppe tausend Jahre als Aussenseiter gilt muss das Gründe haben. Normalerweise vermischen sich Populationen-
  • Hans  Müller 26.10.2016
    "Einziger Lichtblick ist die neue Schule. Sie wurde weitgehend mit Schweizer Mitteln und in Zusammenarbeit mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit gebaut." Einfach fantastisch. Die Schweiz muss einem EU-Land (!) Entwicklungshilfe leisten. Und dann will noch irgendjemand dieses EU als Erfolgsmodell verkaufen.