Tierisch schönes Abenteuer: Packgeissen-Tour im Toggenburg

Hier gibt es nichts zu meckern. Warum auch, wenn freche Ziegen das Gepäck tragen? Ist man mit Packgeissen unterwegs, vergisst man rasch den Alltag – und wird selbst Teil der Herde.

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Ein Gott als Kofferträger – das kommt selten vor! Eigentlich sollte Göttervater Wotan die ­germanische Götterschar befehligen, doch er tippelt durch das Toggenburg und trägt mein Zvieri. Wotan ist eine von 13 Geissen auf dem Packgeis­senhof von Christian Golfetto bei Ricken im Toggenburg.

Der vierbeinige Gott ist kupferbraun, hat zwei beeindruckende Hörner und lange Haare am Füdli. Das liegt daran, dass Wotan kein reinrassiger Gott, sondern eine Ziegen-Promenadenmischung ist. Er ist ganz aufgeregt und scharrt mit seinen Hufen, denn heute darf er mit auf Trekkingtour. Ein absolutes Highlight

im Packgeissen-Leben. «Die Tiere lieben das Trekking», sagt Christian Golfetto. «Denn Ziegen legen auch in der freien Natur auf der Suche nach Nahrung täglich weite Strecken zurück.» Und sie ­wissen genau: Am Wegesrand wartet so manche Köstlichkeit.

Mit von der Partie sind heute neben Wotan auch der schwarz-weisse Troll, der grau melierte Leo und der kleine Pan. Pan ist eine Packziege in Ausbildung und muss sich an den Ablauf erst noch gewöhnen. Denn auch der Job als Packgeiss will geübt sein. Um die Ziegen an die enge Zusammenarbeit mit den Menschen zu gewöhnen, werden die kleinen Böcke von Christian und seiner Frau Sandra mit dem Schoppen aufgezogen. Die Idee, Ziegen als Packtiere zu nutzen, kam den beiden Tierliebhabern in Amerika, als sie auf dem Pacific Crest Trail, einer Fernwanderroute zwischen Mexiko und Kanada, unterwegs waren. Ein lokaler Biologe verwendete Ziegen als Packtiere, und schon war bei den beiden Abenteurern eine neue Leidenschaft entfacht. Zurück in der Heimat, gründeten sie im Jahr 2000 ihr Unternehmen, das als erstes in Europa Pack­geis­sen anbot. Ihr Vorbild hat inzwischen vor allem in der Schweiz Schule gemacht.

Die Geissen sind robuste Schweizer Bergziegen, dennoch beschleicht mich ein schlechtes Gewissen, als ich mein Picknick auf dem kleinen Sattel festzurre. Christian beruhigt uns: «Die Tiere wiegen über 100 Kilogramm, da machen ein paar Kilo nichts aus.» Aber es beruhigt mich dennoch, dass ich nur zwei Bürli und ein paar Minipics dabeihabe. Nach dem Bepacken steigt die Aufregung bei Zwei- und Vierbeinern zusehends. Und kaum sind Wotan und seine Freunde losgebunden, stürmen sie aus dem Bauernhof und warten ungeduldig, bis sich die Zweibeiner endlich in Bewegung setzen.

Eines wird schnell klar: Troll ist hier der Boss. Er knufft und stupst seine Kollegen und zeigt, wo es langgeht. Selbst Ziegengott Wotan hat da keine Chance. Auch bei mir probiert es der Möchtegern-Häuptling: Er drängt mich sanft, aber bestimmt vom Weg ab. Als tierliebender Städter lasse ich dem putzigen Vieh natürlich den Vortritt. Ein Fehler, wie mir Christian Golfetto erklärt. «Troll will die Hackordnung testen und sehen, was du so draufhast. Du musst ihn ­zurückschubsen.»

Ziegen sind Herdentiere und haben eine ausgeklügelte Hierarchie in ihrer Gruppe. Wer bei den Rangeleien nachgibt, hat Pech und rutscht in der Rangordnung nach unten. Das Nachgeben

gegenüber Troll kann ich deshalb nicht auf mir sitzenlassen. Nach ein paar Schubsern habe ich meine Position zurückerobert, und Troll ist die Sanftmut in Person und trottet friedlich neben mir her. «Machen die Ziegen das bei dir auch?», will ich von Christian wissen. «Nur selten, ich bin hier schliesslich immer noch die Ober-Geiss!», meint Christian und grinst.

Christian geht es beim Packgeissen-Trekking denn auch eher darum, mit

den Tieren zusammen zu sein, als mit den Geissen als Lastträger extensiv zu wandern. «Das Tragen des Gepäcks ist nur ein Teil des ganzen Erlebnisses», sagt der Ziegen-Liebhaber. «Wir wollen unseren Besuchern eine besonders intensive Erfahrung mit diesen herrlichen Tieren bieten.»

Deswegen müssen die Besucher auch selbst Hand anlegen: Die Geissen bürsten, den Sattel anlegen und die Tiere nach getaner Arbeit mit Leckerli belohnen.

Die gemütliche Wanderung mit den vorwitzigen Tieren durch die hügelige Toggenburger Landschaft entfaltet schnell einen herrlichen Chillout-Effekt. Die Geissen sind schon zu beneiden: In schöner Natur herumwandern, Leckereien schnabulieren und herumdösen – so sollte das Leben sein!

Unterwegs sind wir im Toggenburger Hochmoor bei Ricken. Es quietscht unter den Schuhen, schwarze Wassertümpel wechseln sich mit weiten Wiesen ab. Die Heidelbeersträucher sind über und über mit leckeren blauen Beeren übersät. Die Geissen springen umher und folgen uns ohne Leine. Wenn Christian uns einige besondere Pflanzen erklärt, kommen die Ziegen manchmal neugierig näher. Aber alles, was nicht auf ihrem Speiseplan steht, interessiert sie kaum.

Schon nach kurzer Zeit sind wir eine grosse Geissenherde, manche haben vier, andere zwei Beine. Das spielt in der Ziegenwelt keine Rolle. Der junge Pan hat sich zur Aufgabe gemacht, nach mir zu schauen. Schliesslich bin ich ja auch ein Neuling. Wenn ich zu weit zurückfalle, bleibt er stehen und meckert in meine Richtung. «Jetzt komm endlich!», scheint er zu sagen. Hach, das ist Jööö-Effekt in seiner reinsten Form. Beim Packgeissen-Trekking gibt es wirklich nichts zu meckern.

Publiziert am 29.09.2014 | Aktualisiert am 29.09.2014

Weitere Touren mit Vierbeinern

Lama
Die putzigen Fellknäuel aus Südamerika haben sich einen festen Platz in den Alpen erobert. Lama-Trekkings sind in, da die Tiere leicht zu handhaben sind. Die Lamas werden an der Leine geführt.

  • Lamaventura in Surrein GR. Angeboten werden Schnuppertouren, Tagestouren und mehrtägige Treks. Ab 250 Franken bis 12 Personen pauschal. Auch grössere Gruppen möglich. www.lamaventura.ch
  • Märchenhotel Braunwald GL. Das Märchenhotel bietet besonders für Kinder Touren mit Lamas und Alpakas an. Preis: Erwachsene 15 Franken, Kinder 8 Franken.  www.maerchenhotel.ch
  • LamaAdventure, St. Niklaus VS. Ein-, Zwei- und Dreitagestouren im Matter- oder Saastal. Preise ab 65 Franken pro Person.   www.lama-adventure.ch
     

Kamele
Wie in 1001 Nacht: Die Schweizer Landschaft vom Rücken eines Kamels bewundern.

  • Kamelhof Olmerswil, Neukirch TG. Kurze Ausritte und Halbtagestouren (nur Erwachsene). Preis: Erwachsene ab 80 Franken, Kinder ab 60 Franken.   www.kamelhof.ch
  • Kameltour, Rüti bei Lyssach BE. Ausritte ab 55 Franken (Erwachsene) und 30 Franken (Kinder).  www.kameltour.ch
  • Bauernhof Zoo Zahir, Lamboing BE. Angeboten werden Ausritte und Kamelplausch mit anschlies­sendem Fondue. Preis für 2 Personen pauschal ab 100 Franken.  www.zahir-arabians.com
     

Esel
Esel haben einen Sturkopf – das ist bekannt. Und dennoch sind sie wichtige Begleiter des Menschen. Eseltrekking ist besonders mit Kindern ein Spass.

  • Rüti Ranch, Wiesen GR. Angeboten werden Halbtagestouren, Tagestouren oder dreitägige Treks. Preis ab 300 Franken (6 Personen).  www.grautier.ch
  • Letzihof, Wildhaus SG. Halbtagestouren und ganztägige Touren inklusive Verpflegung. Preise ­Erwachsene ab 40 Franken, Kinder ab 20 Franken.  www.esel-wanderungen.ch
  • Bauernhof Bättwil, Burgdorf BE. Hier ist der ­Ausritt mit einem Esel besonders auf Kinder ausgerichtet. Zudem können auf dem Bauernhof weitere Tiere erlebt werden. Preis pro Esel 25 Franken.   www.bauernhof-baettwil.ch
     

Die Besonderen

  • Wandern mit dem Adler: Die Falknerei Galina in Malbun, Liechtenstein, bietet Wanderungen mit ­einem Steinadler an. Preis ab 150 Franken.  www.galina.li
  • Kuhles Trekking: Beim Bolderhof in Hemishofen SH gibt es ein einmaliges Erlebnis: den Ritt auf einer Kuh. Schnuppertour 90 Franken pro Person (ab zwei Personen). www.bolderhof.ch
  • Himalaya meets Alpen: Der kleine Bergbauernhof «Yak shu lo ché« in Les Haudères VS bietet Zwei- bis Fünftagestouren mit asiatischen Yaks an. Die Touren sind für Kinder nicht geeignet. Ab 330 Franken. www.yakshuloche.ch
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Christian Golfetto kümmert sich liebevoll um seine 13 Geissen. Christian Bauer

Folgende Touren werden angeboten

  • Halbtagestour: 2–3 Stunden Trekking mit mitgebrachtem Picknick.
  • Tagestour mit organisiertem Zmittag am Lagerfeuer.
  • Zweitagestour mit Übernachtung in einer Jurte oder einer Alphütte, mit Nachtessen und Frühstück.
     

Die Touren finden in der Regel im Toggenburg und im Alpstein statt. Auf Wunsch kann auch eine andere Location gewählt werden.

Kontakt
Sandra Egli und Christian Golfetto
Juden / Schönenberg
CH-8726 Ricken
Tel.: 071 988 25 59

E-Mail: info@packgeiss.ch
Informationen: www.packgeiss.ch

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