Sprung ins Vergnügen An diesen Orten gibts schon Winterspass

Der Snowpark in Laax GR gilt als Mekka für Freeskier und Snowboarder. Am Samstag war Saisonstart – bis zur letzten Minute wurde an der Anlage gebastelt. Vielmehr: geshapet.

Die Sprungrampe der Pro Kicker Line ist für Snowboarder startklar. Der ideale Landepunkt – «der Sweet Point» – liegt 18 Meter vom Absprung entfernt. play

Die Sprungrampe der Pro Kicker Line ist für Snowboarder startklar. Der ideale Landepunkt – «der Sweet Point» – liegt 18 Meter vom Absprung entfernt.

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Obstacles, Big Air Jumps, Rails, Jibs – wer mit den Machern des Snowparks in Laax GR redet, sollte vorher sein Englisch aufpolieren. Und auch dann verstehen Laien nur die Hälfte. Am Samstag starteten die Laaxer in die neue Wintersaison. Kurz zuvor werkelten sie auf dem Crab Sogn Gion noch unter Hochdruck, Schnee herumwuchten und all die Elemente fertigmodellieren – shapen, wie es im Freestyle-Slang heisst.

Laax hat sich als Freestyle-Mekka für Snowboarder und Freeskier etabliert. Rund 900'000 Menschen besuchen die Region in der Wintersaison. Die vier integrierten Snowparks für Anfänger bis Profis zählen zu den besten Europas. Die Pro Kicker Line hat eine Länge von 1,5 Kilometern – Europarekord. Mit einer Länge von 200 Metern und 7 Metern Höhe steht hier sogar die längste Halfpipe der Welt.

Halfpipe? Klingt nach städtischem Skaterpark. Und tatsächlich ist das Prinzip das gleiche: Freestyler vollführen auf Schnee ähnliche Stunts wie Skateboarder auf Asphalt. Entsprechend gleichen sich die Parks: Geländer, Rohre und Sprungschanzen finden sich an beiden Orten. Doch ein Snowpark hat einen Vorteil: Er wird jedes Jahr neu aufgebaut und bietet somit schier unendliche Variationsmög­lichkeiten.

Entwirft das Layout und das Setting der etwa 100 Elemente: Luca Kuppelwieser. play

Entwirft das Layout und das Setting der etwa 100 Elemente: Luca Kuppelwieser.

Christian Bauer

Das fasziniert auch Luca Kuppelwieser (25). Er entwirft das Layout und das Setting für die etwa 100 Elemente. 90 Millionen Liter Wasser werden zur weissen Wunderwelt «Unser Park sieht jedes Jahr anders aus», sagt der Snowboard-Freak, wie er sich selber nennt, nicht ohne Stolz. «Wir gehen sogar noch weiter: Wir verändern täglich etwas, sodass wir unseren Gästen immer etwas Neues bieten können.»

Die Gestaltung eines Snowparks dieser Grösse und Reputation benötigt eine lange Vorbereitungsphase. «Ich denke das ganze Jahr darüber nach, was wir in der kommenden Saison integrieren und verändern könnten», so Kuppelwieser. Der erste Schritt findet daher lange vor dem ersten Schnee statt: Am Computer entsteht das Grundlayout des Parcours. Dann heisst es warten, bis der Schnee kommt.

Der Chef der Snowpark-Pistenfahrzeuge: Lukas Züst. play

Der Chef der Snowpark-Pistenfahrzeuge: Lukas Züst.

Christian Bauer

Freilich hilft man auch in Laax der Natur auf die Sprünge: mit etwa 380 Schneekanonen und 90'000'000 Litern Wasser, die für die Freestyle-Areale zu Winterweiss pulverisiert werden. Die Schneedecke muss mindestens 80 Zentimeter dick sein, bis die handfeste Arbeit in Angriff genommen werden kann. Der Moment, in dem Lukas Züst (26) zum Zug kommt. Dann erst kann der Groomer Supervisor, der Chef der Pistenfahrzeuge, loslegen. Mit seinem tonnenschweren Bully schieben er und sein Team Schneemassen zusammen, bauen Sprungschanzen, setzen Stahlkonstruktionen ein und modellieren feine Formen in Millimeterarbeit. Aufwand bis zum Schlusspunkt: etwa 3000 Arbeitsstunden.

Auch bei Nebel wird an der Anlage gearbeitet «Es braucht etwa vier Jahre, bis man einen Pistenbully perfekt beherrscht», meint Züst, der auch im Sommer Baumaschinen lenkt. Sein Pistenfahrzeug ist nicht etwa nur ein Bagger auf Schnee, in den schwarzen Kolossen befindet sich eine gehörige Portion Hightech. Ein GPS-Gerät zeigt die genaue Schneehöhe und die Fluchtlinien des Snowparks an. «Damit kann ich selbst im Nebel die Anlage weiterbauen», so Züst.

Sogar die Wasserwaage kommt beim Pistenbauen zum Einsatz. play

Sogar die Wasserwaage kommt beim Pistenbauen zum Einsatz.

Christian Bauer

Jedoch: Trotz Computer, Monstermaschinen und Hightech hat der Bau eines Snowparks viel mit Bauchgefühl zu tun. «Wichtig ist das Feeling für das Gelände, den Schnee, die Bedürfnisse der Snowboarder», so Züst. Mit Wasserwagen, Spezialschaufeln und Rechen steht Kuppelwieser auf dem riesigen Schneehügel und shapet die Feinheiten: den Absprungwinkel, die Kanten und die messerscharfen Formen. Laax ist nicht nur für seine Superlativen, sondern auch für sein exaktes Design bekannt.

Mittlerweile sind die Arbeiten im Snowpark etwas ins Stocken geraten. Auch hier lässt der Winter noch auf sich warten. Nicht nur für Naturschnee, auch für technischen Schnee waren die Temperaturen letzte Woche zu hoch. Zum Saisonstart sind daher erst zwei Parks (Beginner Craplift und No Name) und der erste Sprung der Pro Kicker Line geöffnet. Doch die Temperaturen fallen. In Laax ist man sich sicher: Bis Weihnachten sind alle Anlagen für Freestyler geöffnet.

Piste gut: Hier ist der Winter schon ein wenig da

Der Winter kommt erst schleppend in die Gänge. Auch dieses Wochenende war es relativ warm und trocken. Dennoch haben einige Skigebiete schon teilweise den Betrieb aufgenommen. Bei Redaktionsschluss am Freitag waren unter anderem folgende Anlagen geöffnet:

  • Arosa Lenzerheide GR: Es sind 17 von 43 Anlagen geöffnet und ebenso viele Pisten.
  • St. Moritz Corviglia Piz Nair GR: 15 von 24 Anlagen offen, sowie 9 von 33 Pisten.
  • Davos GR: Auf dem Jakobshorn haben 8 von 10 Anlagen offen, auf dem Parsenn sind es 10 von 18.
  • Scuol GR: Im Schellenursli-Land kann man auf 4 von 13 Anlagen Schnee geniessen.
  • Adelboden Lenk BE: 23 von 55 Anlagen geöffnet.
  • Jungfrau Region BE: Zwischen Grindelwald und Lauterbrunnen sind 13 von 40 Anlagen und alle Zubringerbahnen geöffnet.
  • Les 4 Vallées VS: 19 von 81 Anlagen sind in Betrieb und 20 der 103 Pisten geöffnet.
  • Zermatt VS: Unterhalb des Matterhorns sind schon 34 von 52 Anlagen offen.
  • Leysin VD: Auch am Genfersee kann man vier Anlagen benutzen.

Aktuelle Schneesport-Berichte: www.myswitzerland.com

 

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Publiziert am 14.12.2015 | Aktualisiert am 15.12.2015
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2 Kommentare
  • Peter  Leo 15.12.2015
    Bei der ganzen Sache vermisse ich den Landepunkt für jene, deren Flugplan nicht nach Wunsch verläuft. Ausserdem wird dem Otto Normalverbraucher eingehämmert, er soll Energie sparen. Hier wird Wasser und Strom in rauen Mengen verbraucht. In Hunderten von Maschinenstunden wird CO2 produziert. Pardon. Es sind ja Arbeitsplätze, und für diese kann man die Welt schon etwas schädigen.
  • Monika  Hönger 14.12.2015
    Warum wird Samnaun nicht erwähnt. Ich war letzte Woche zweimal dort zum Ski fahren. ca. 90 Prozent aller Pisten und Lifte von Samnaun und Ischgl waren offen.