Alte Bräuche miterleben So feiert die Schweiz Ostern

Prozessionen, Käsespenden und ein Sturz in kalte Fluten: In der Schweiz haben sich rund um Ostern viele Traditionen erhalten – und neue gebildet. BLICK Reisen hat sich im ganzen Land auf die Suche gemacht und stellt die aussergewöhnlichsten Bräuche in den Feiertagen vor.

  play
Der Osterhase wird hierzulande mit vielen verschiedenen Bräuchen gefeiert. plainpicture

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Im Iglu-Dorf in Gstaad Schlafen wie ein Eskimo
2 Für Familien, Romantiker und Abenteurer Die schönsten Schlittelpisten...
3 Neue Attraktionen in den Bergen So macht der Winter noch mehr Spass

Reisen

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
10 shares
Fehler
Melden

Superlative

Mendrisio TI 200 Darsteller, 50 Pferde und bombastische Kostüme: Die Gründonnerstags-Prozession in Mendrisio TI ist der eindrücklichste Osterbrauch der Schweiz. Laienschauspieler stellen die letzten Stunden des Jesus von Nazareth dar. Nachgespielt werden die Stationen des Kreuzweges: Jesu Fall, die Begegnung mit der Heiligen Veronika, Tod am Kreuz. Begleitet werden die ergreifenden Szenen von Trommeln und Trompeten, während die Stadt mit riesigen, schimmernden Transparenten beleuchtet wird, die Stationen aus dem Leben Jesu zeigen. Die Tradition reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück, als grosse Teile der Bevölkerung weder lesen noch schreiben konnten. Wie also sollte man den Gläubigen die Geschehnisse der Passion näherbringen? Mit einem gewaltigen Theater- und Kostümspektakel. Dafür haben die Tessiner weder Mühen noch Kosten gescheut: Die eindrücklichen Gewänder wurden aus dem Kostümfundus der Mailänder Scala im Jahr 1898 erworben. Besinnlicher geht es am Karfreitag zu, wenn etwa 700 Teilnehmer mit Laternen und der Statue des toten Jesus durch Mendrisio ziehen. Wann: 24. und 25. März. www.mendrisiottoturismo.ch

Männergesang

Estavayer-le-Lac FR Im Städtchen Estavayer-le-Lac FR pflegen die Bewohner noch das mittelalterliche Surrexit-Singen. Am Karsamstag kurz vor Mitternacht treffen sich die Männer des Dorfes vor der Kirche Saint-Laurent und singen das «Surrexit Christus hodie» (Christus ist heute auferstanden), um die Osternacht einzuläuten. Anschliessend zieht eine Prozession singend und betend durch die Ortschaft. Zum Abschluss gibt es auf dem Dorfplatz Sauerkraut und Wurst, womit das Ende der Fastenzeit gefeiert wird. Wann: 28. März, 23.45 Uhr. www.estavayer-payerne.ch

Ei kontra Münze

Zürich Auch in Zürich findet ein Eiertütsch-Wettbewerb statt. Passend zur «Banken-Stadt» geht es hierbei allerdings um Cash: Beim «Zwänzgerle» kämpfen 20-Rappenstücke gegen hartgekochte Eier und Erwachsene gegen Kinder. Die Grossen werfen einen Zwanziger auf die Ostereier der Kinder. Bleibt die Münze stecken, gehören Geld und Ei dem Erwachsenen, prallt das Geld ab, darf das Kind die 20 Rappen behalten. Wenn das nicht eine kreative Lösung für Taschengeldaufstockung ist. Ob wir den Kindern den Tipp mit den bemalten Gipseiern geben sollen? Wann: 28. März, um 10 Uhr auf dem Rüdenplatz am Limmatquai. www.stadt-zuerich.ch

Eistauchen

Uster ZH «Ihr sind ja nid ganz putzt!» möchte man den kälteresistenten Teilnehmern beim Blaueierschwimmen in der Seebadi in Niederuster hinterherrufen. Bei eisigen Temperaturen stürzen sich die Schwimmer in die Fluten des Greifensees und fischen sich vom 20 Meter entfernten Sprungturm ein blaues Ei. Das Blaueierschwimmen ist zwar erst zwölf Jahre jung, hat sich aber schon zu einer lokalen Tradition gemausert. Der Erlös der Veranstaltung kommt Umweltprojekten zugute. Wann: am 28. März, 14 Uhr. Keine Anmeldung erforderlich. www.blaueierschwimmen.ch

Ei um Ei

Bern Am Ostersonntag werden die sonst friedlichen Berner militant: Dann heisst es, fremde Ostereier zu erbeuten. Gekämpft wird bei der traditionellen Eiertütschete auf dem Kornhausplatz Ei gegen Ei. Wer ein gegnerisches Ei zertrümmert, darf dieses behalten. Tüsch-König wird nur, wer den Sieg nicht dem Zufall überlässt: Eier junger Hühner sind belastbarer als die Eier alter Federviecher. Wann: 27. März, ab 10 Uhr. www.bern.ch

Wettrennen ums Ei

Baselbiet Auch die Eierläset, die im Baselbiet und in Teilen des Kantons Aargau nach Ostern veranstaltet wird, gehört zu den Ostertraditionen. Dabei kämpfen Winter und Frühling spielerisch um die Vorherrschaft. Wieder spielen Eier eine zentrale Rolle: In zwei Bahnen werden bis zu 100 auf kleine Sägemehl-Haufen gesetzt, die jedes Team aufsammeln und in eine Spreuwanne werfen muss. Zerbricht ein Ei, stehen Strafrunden an. Logisch, dass der Frühling stets der Sieger ist. Anschliessend wird mit Eierspeisen gefeiert. Wann: 10. April, verschiedene Orte. www.baselland-tourismus.ch

Weinen und Klagen

Romont FR Ganz ernst und besinnlich geht es an Karfreitag in Romont FR zu: Nachdem die Passionsgeschichte in der Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption verlesen wurde, ziehen schwarzgewandete Klageweiber (Les Pleureuses) durch die Stadt. Auf roten Kissen tragen sie die Marterwerkzeuge Christi, die Dornenkrone, Geissel, Nägel, Hammer, Zange, singend und betend durch die Oberstadt. Eine schaurig besinnliche Erinnerung an die Vorkommnisse an Karfreitag. Wann: 25. März, 15 Uhr. www.romontregion.ch

Glockenersatz

Grimentz VS Nach katholischem Volksglauben reisen die Kirchenglocken in der Osterzeit nach Rom. Wie soll man dabei allerdings die Menschen zum Gebet rufen? In Grimentz VS, Rue und Romont FR hat sich ein Brauch erhalten, den es früher in vielen Regionen gab: das Ratschen mit Holzinstrumenten, den sogenannten Tapolets. Von Gründonnerstag bis Karsamstag werden dreimal täglich die Ratschen eingesetzt. Wann: 24. bis 26. März, 6.30, 12.00 und 18.30 Uhr in Rue. www.romontregion.ch

Ziger für Alle

Ferden VS In Ferden im unteren Lötschental hat ein besonderer Osterbrauch überlebt. Am Ostermontag erhalten alle Bewohner des Tals eine Portion Ziger, Brot und Wein. Was nach christlicher Nächstenliebe klingt, hat seinen Ursprung allerdings im Aberglauben früherer Bergbauern. Etwa im 14. Jahrhundert kam der Brauch auf. Auf den Alpen Faldum, Resti und Kummen soll ein spukender Senn die Kühe aus den Ställen getrieben haben. Um dem Schadenspuk ein Ende zu bereiten, verpflichteten sich die Alpbesitzer, die Milch zweier Tage zu Käse für die Bevölkerung zu verarbeiten. Noch heute wird die Milch der fetten Sommertage, dem 23. und 24. Juli, zu Spendeziger verarbeitet. Nachdem die Bewohner des Lötschentals ihre Portion Ziger erhalten haben, bedanken sie sich mit den Worten: «Vergelte es Gott tausendmal, und gebe Euch Gott den ewigen Lohn.» Wann: 28. März. www.loetschental.ch

Weitere Osterveranstaltungen unter www.myswitzerland.com

Mehr zum Thema
Publiziert am 24.03.2016 | Aktualisiert am 24.03.2016
teilen
teilen
10 shares
Fehler
Melden