Kirschblüten-Zeit: Rosa Rausch in Tokio

Zurzeit dreht sich in ­Japan alles um die Kirschblüte. Es ist der freudigste Anlass des Jahres.

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Japaner mögen Mangas, Spielhöhlen und Karaoke. Doch nichts lässt ihre Herzen höher schlagen als Sakura – blühende Kirschbäume. Obwohl diese bei meiner Ankunft Anfang April in Tokio noch nicht in voller Pracht blühen, sehe ich die Welt bereits rosa. Überall hängen Plakate von Blüten, Konditoreien werben für ihre mit Sakura gefüllten Süssigkeiten, und Kit-Kat-Schokolade gibt es auch in Rosa. Um mich einzustimmen, bestelle ich mir statt des üblichen Lattes einen Cherry Blossom Latte.

Picknick im Ueno-Park: Obwohl es erst 9 Uhr ist, strömen Familien, Touristen und Pärchen beladen mit Snacks, Rollkoffern und Kameras in den Park. Hier breiten sie sich unter den Kirschbäumen und roten Laternen aus, spielen Karten, trinken Sake und preisen die Schönheit der Kirschblüte. Dazwischen sitzen auch einzelne Männer auf riesigen Blachen. Sie reservieren den Platz für ihre Arbeitskollegen, die nach Feierabend dazukommen. Dann feiern sie Yozakura, das nächtliche Hanami-Fest.

Blüten für alle: Der Brauch des «Blütenbestaunens» – auf Japanisch Hanami genannt – ist eine Tradition, die in der Nara-Zeit (710–794) begonnen haben soll. Damals war das Bestaunen der Blüten nur dem Kaiserhaus vorbehalten. Seit der Edo-Zeit (1603–1868) sind Hanami-Feste auch den «Normalsterblichen» erlaubt. Heute stehen in Japan nicht nur in Parks, sondern auch in Wohn- und Geschäftsquartieren Kirschbäume.

Rosa Rausch: Eines dieser Quartiere ist Roppongi. Am Nachmittag schlendere ich hier durch die Gassen, vorbei an der St. Moritz-Bäckerei, und setze mich unter ­einen pink blühenden Pflaumenbaum. Es ist mein ganz persönliches Hanami-Fest, schliesslich begann der Brauch nicht unter Kirschbäumen, sondern unter der «Ume», dem Pflaumenbaum.

Schneller Tod: Kirschbäume scheinen nur einen Zweck zu haben: den Japanern den Frühling zu verschönern – Früchte tragen sie keine. Sie sind eine Überraschung, weil keiner weiss, zu welchem Zeitpunkt sie genau blühen. Ihre Pracht entfaltet sich schnell und verwelkt im Nu wieder. Für die Japaner sind die Kirschblüten deshalb zum Symbol für fragile und vergängliche Schönheit geworden.

Reise-Tipps

Vorhersage: Beobachten
Die Kirschblütenzeit beginnt ­Mitte März im Süden Japans und wandert bis Mitte Mai in den ­Norden. In Tokio steht der repräsentative Baum beim Yasukini-Tempel; wenn dieser blüht, ist die Kirschblütenzeit in der Hauptstadt offiziell eröffnet. Im Internet gibt es Karten mit dem aktuellen Stand. www.japan-guide.com

 

Schlafen: Zentral
Das Hotel Niwa Tokyo ist ein ­unscheinbares, aber gepflegtes Hotel in der Nähe der Bahn-Haltestelle Suidobashi. Von hier aus ist man innerhalb von 15 Minuten im Ueno-Park. www.hotelniwa.jp

 

Essen: Leckereien
Sogar Glace und Schokolade gibt es im Frühling mit Kirschblütengeschmack. Mein Favorit ist eine mit Sakura-Eis und Cheesecake gefüllte Crêpe, die zu einem Cornet gewickelt wird. Arena Café, Roppongi Hills

 

Pärke: Geheimtipp
Wem die Menschenmasse im Ueno- und Yoyogi-Park zu viel wird, der kann die Blüten auch auf dem Aoyama-Friedhof mitten in der Stadt bestaunen.

 

Hinkommen: Ohne Umsteigen nach Tokio
Swiss fliegt täglich direkt hin.

Alle Kommentare (1)

  • Köbi  Karrer
    Kirschblüten gibts hier auch. Dafür muss man nicht extra nach Tokio fliegen. Schon mal überlegt oder wissen das unsere Städter einfach nicht mehr?
    • 27.04.2012
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    • Roland  Stöckli
      Aber in Japan gibt es viel mehr zu sehen!
      • 28.04.2012
      • als Kommentar auf Köbi  Karrer
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