Rio de Janeiro: Tipps und Infos Auf Erkundung in der Olympia-Stadt

In gut einem Monat beginnen die Olympischen Sommerspiele von Rio de Janeiro. Eine Rundschau über eine facettenreiche Stadt und ihre Bewohner.

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Florian Pfeiffer (60) isst ein Garnelenrisotto und nippt an seinem Caipirinha. Er beobachtet die Menschenmenge auf dem Cinelândia-Platz und sagt: «Hier endet jede Demonstration.» Der Platz liegt im Zentrum von Rio de Janeiro, heisst offiziell Praça Floriano.

Mit Konflikten kennt sich der Brasilianer mit deutschen Wurzeln aus. Zwei Jahrzehnte war er für europäische TV-Stationen als freiberuflicher Kameramann unterwegs – Südamerikas Diktaturen waren sein Arbeitsgebiet. In letzter Zeit ist der Cinelândia-Platz wieder ein viel besuchter Ort. Brasilien befinet sich wieder in einem politischen Umbruch.

«Wir stehen vor schwierigen Zeiten», sagt Pfeiffer. In Brasilien kriselt es nach den Boomjahren: Die Ratingagenturen Moody’s, S&P und Fitch haben die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Die Inflationsrate beträgt knapp zehn Prozent, die Ölindustrie leidet an Korruptionsskandalen, das Zika-Virus setzt dem Tourismus stark zu, und Präsidentin Dilma Rousseff ist, zumindest vorübergehend, kaltgestellt.

In Brasilien und damit auch in Rio de Janeiro herrscht Katerstimmung. Und das, bevor diesen Sommer die grosse Party steigen soll: die 31. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit.

Goldman Sachs prophezeite Brasilien eine goldene Zukunft

Vor kurzem klang es noch anders. Jim O’Neill, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs, prognostizierte Brasilien vor fünfzehn Jahren eine goldene Zukunft. Der Begründer der Bezeichnung BRIC-Länder zählte das Land nebst Russland, Indien und China zu einem der schnellstwachsenden Schwellenländer. Das Land schien über eine gewaltige Potenz zu verfügen: eine ertragreiche Landwirtschaft, eine produktionsstarke Autoindustrie und vor allem schier unendliche Rohstoffreserven – vor der Küste Rios entdeckte man mit dem Ölfeld Libra eines der weltweit grössten. Die Mittelschicht wuchs rasant, das Land forderte selbstbewusst einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat, und im Oktober 2009 verkündete der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge, dass Rio de Janeiro die Austragungsstätte der Olympischen Spiele 2016 sein werde. Ein Triumph für Brasilien. Der damalige Präsident des Landes Lula da Silva sagte: «Brasilien ist kein Land zweiter Klasse mehr, wir sind in den Klub der Erste-Klasse-Länder aufgestiegen.»

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Madame Gourmet von Botafogo: Danni Camilo. Nico Schärer

Rio de Janeiro, eine Stadt von 6,3 Millionen Einwohnern, ist vom 5. bis 21. August das sportliche Zentrum der Welt. Nicht zum ersten Mal: Bereits die Panamerikanischen Spiele 2007 und das Finalspiel der Fussballweltmeisterschaft 2014 fanden hier statt. «Rio ist eine magische Stadt», sagt Danni Camilo (42), Inhaberin zweier Gourmet-Restaurants im Stadtteil Botafogo. Hügel, Strände, eine beeindruckende Skyline und tropische Gärten zeichnen das Bild einer vielfältigen Stadt. Jedes Quartier besitzt seinen eigenen Charakter: Santa Teresa liegt auf einem Hügel und gilt als Künstlerviertel; Botafogo möchte sich als neues Trendviertel etablieren; in Lapa findet das Nachtleben statt, und an der Copacabana tummeln sich die Touristen. Rios Oberschicht wiederum wohnt in Ipanema und Leblon, an deren Strände sich die Schönen rumtreiben. Mit knapper Bekleidung – wie beim weltbekannten Karneval.

Von 50 Shades of Grey bis kunterbunt

Brasiliens Hauptstadt Brasilia ist vergleichsweise steril: Eine Planstadt, die die Architekten Lúcio Costa und Oscar Niemeyer entworfen haben. Und São Paulo, mit über elf Millionen Einwohnern Brasiliens grösste Stadt und die Wirtschaftsmetropole des Landes, wirkt farblos. «São Paulo ist keine grüne Stadt», sagt Danni Camilo, «da sprechen wir eher von 50 Shades of Grey.» Rio ist demgegenüber kunterbunt.

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Die Inderin aus Santa Teresa: Bindu Mathur. Nico Schärer

Und genauso vielfältig wie die Stadt sind auch ihre Einwohner und deren Lebenssituationen. «Wenn man in Rio wohnt und Ideen hat, gibt es viele Möglichkeiten», sagt Bindu Mathur (46). Bei ihr ist keine Katerstimmung auszumachen. Sie zog vor zehn Jahren nach Rio und ist noch immer schwer verliebt in die Stadt. Die Kanadierin mit indischen Wurzeln sitzt auf einer Holzbank vor ihrem Haus. Einer Villa in Santa Teresa, die gleichzeitig ein Gästehaus ist. Sie wird von den kommenden Olympischen Spielen profitieren – die Zimmer seien bereits nahezu ausgebucht.

Dass in Rio angesichts der wirtschaftlichen und politischen Probleme noch eine ambivalente Stimmung herrsche, bestätigt sie. Und doch ist sie überzeugt, beginnen die Spiele erst einmal, werden die Cariocas – so nennt man Rios Bewohner – wieder in Feierlaune sein. Bei der Fussballweltmeisterschaft vor zwei Jahren sei es genau so gewesen. Die Eröffnungszeremonie werde ein bewegender Moment sein. «Ich weiss jetzt schon, dass ich Tränen in den Augen haben werde», sagt Mathur.

Sie freue sich auf den Moment, wenn die Ruderboote über den See in Lagoa gleiten werden und die Marathonläufer den Stränden entlangrennen – im Hintergrund der Zuckerhut. «Rio de Janeiro schaut wie eine wunderhübsche Frau aus», sagt Mathur begeistert. Gut möglich, dass sie recht hat. Noch etwas Make-up und Rio wird wohl trotz der Krise das tun, was es am besten kann: feiern und sich glamourös präsentieren.

Rio de Janeiro: Hin und weg beim Zuckerhut

Fakten
Fläche: 1255 km²
Einwohner: 6,35 Millionen

Transport
Beim Transport lohnt es sich, genügend Zeit einzurechnen. Rio de Janeiro besitzt ein gut funktionierendes Metro-System sowie Busse. Taxis und Uber sind kostengünstig.

Helikopter-Rundflüge
Helisight bietet verschiedene Touristenrundflüge über Rio de Janeiro an. www.helisight.com.br

Sicherheit
Überfälle und Trickdiebstähle sind verbreitet. Wichtig ist ein unauffälliges Auftreten: schlichte Kleidung, kein Schmuck. Eine Favela sollte man nur in Begleitung eines Fremdenführers besuchen.

Zika-Virus
Die Weltgesundheitsorganisation rät schwangeren Frauen von einer Reise nach Rio de Janeiro ab. Weitere Informationen zum Zika-Virus: www.who.int/emergencies/zika-virus/en

Einreise
Schweizer Bürger benötigen für Reisen nach Brasilien kein Visum. Ein gültiger Reisepass, der bei Ausreise noch sechs Monate gültig sein muss, ist bei der Einreise vorzuweisen.

Flugverbindung
Edelweiss fliegt zweimal wöchentlich ab Zürich direkt nach Rio de Janeiro. www.flyedelweiss.com

Olympische Spiele
Tickets für die Olympischen Spiele vom 5.–21. August werden in der Schweiz von Globetrotter Travel Service vertrieben. www.globetrotter.ch/rio2016

Als Gast in Rio de Janeiro

Restaurants

  • Zazá Bistrô: Leichte Küche aus aller Welt mit brasilianischer Lebenslust verfeinert. Rua Joana Angélica, 40 – Ipanema.
     
  • Aprazível: Hohe Kochkunst, Aussicht auf die Stadt und Essen mit tropischen Geschmacksnoten. Rua Aprazível, 62 – Santa Teresa.
     
  • Oui Oui: Das Gourmetrestaurant von Danni Camilo mit Essen in Tapasgrössen zum Teilen. Rua Conde de Irajá, 85 – Botafogo.

Unterkünfte

  • Casa Kamayurá, Santa Teresa: Eine kleine Oase. Das Gästehaus verfügt über vier Zimmer und einen Jacuzzi. Hier geniesst man eine familiäre Atmosphäre und zum Frühstück die vielleicht besten Mangos Brasiliens. www.casakamayura.com
     
  • Casa Beleza, Santa Teresa: Eine Villa inmitten eines tropischen Paradieses – mit schicken Zimmern und einem Swimmingpool. www.casabeleza.com
     
  • Marina All Suites, Leblon: Das Boutiquehotel liegt direkt am Strand von Leblon und verfügt über geräumige Suiten. www.allsuites.hoteismarina.com.br
     
  • Windsor Atlantica, Copacabana: An der weltbekannten Copacabana gelegen, bietet dieses Hotel Komfort und eine gute Sicht aufs Meer. www.windsorhoteis.com
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Publiziert am 06.07.2016 | Aktualisiert am 13.10.2016
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5 Kommentare
  • Marcus   Brühmann 07.07.2016
    Die Spiele kosten um die 38 Milliarden Reis. Das Geld hätte in Schulen, Krankenhäuser usw. investiert werden sollen. Insbesondere aber in eine neue Sicherheitspolitik. Mehr Polizisten, gut ausgebildet und gut bezahlt mit neuer Technik.
    Trotz aller berechtigter Kritik an den Spielen ist Brasilien ein tolles Reiseland. Besonders Rio ist eine Sensation.
    www.gotobrazilblog.wordpress.com
  • Rex  Schweizer 07.07.2016
    Millionen von Touristen kommen nun wegen der Olympiade nach Rio. Dafür hat man Millionen an Geld ausgegeben. Aber Rio hat wie viele andere Länder und Städte zig Millionen Arme,ohne Arbeit,obdach,Essen etc...Dafür hat man kaum Geld. Aber für den Blödsinn Olympiade,ich nenne es Kotziade,sind Millionen an Dollars vorhanden. Ist dieser "Mist" vorbei, wird nicht mehr davon profitiert.Das ist und war so.Man sollte alle Millionen die im Sport verlocht werden in die Armutder Welt pumpen.Das wäre fairer
  • Stefan  Steffen 07.07.2016
    "Die Inflationsrate beträgt knapp zehn Prozen" wenn man wie ich in Brasilien lebt, kann man über solche falsche Angaben im besten Fall müde lächeln. Über was nie geschrieben wird, mich aber in Rio stark irritiert hat: alle Bus und Taxifahrer sind Jünger von Senna, einfach Wahnsinnige
  • Roland   Märki aus Joao Pessoa
    07.07.2016
    Wunderbar geschmückte Propaganda, nur sieht die Realität leider anders aus.
  • Daniel  Leuenberger aus Chisinau
    07.07.2016
    Das ist die Olympiade der Schande. Brasilien ist noch nicht auf der Hoehe, solche Spiele auszutragen. Korruption und tonnenweise Sicherheitsbedenken. Das ist eine richtige Geldwaschmaschine.