Städtetrip nach Würzburg Welterbe, Wein und Blaue Zipfel

Hier feiern der lebensfrohe Weingott Bacchus und das Musikgenie Mozart gemeinsam eine Party. Und weil das noch nicht verrückt genug ist, isst man in dieser Stadt zu alledem noch «Blaue Zipfel». Was? Ein Besuch in Würzburg, der Hauptstadt Mainfrankens.

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Über der Altstadt von Würzburg thront die Festung Marienberg.

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Die Orchestermusiker geben wirklich alles. Fideln und säuseln Mozarts Musik in Perfektion. Hinter ihnen ragt die barocke Fassade der Würzburger Residenz auf - eine tolle Location. Doch wir widmen uns auf der Picknick-Decke lieber dem Frankenwein und sonstigen Leckerein. Unser Geschnatter und Gelächter übertönt die Musik. Egal: Das Abschlusskonzert des Mozartfests im Hofgarten der Würzburger Residenz ist Kult.

So geht es hier schon seit etwa 90 Jahren zu: Während vor der Bühne die Honoratioren der Stadt andächtig Mozarts Werken lauschen, geniessen in den hinteren Reihen die Menschen bei guter Gesellschaft und dem Blick auf die beleuchtete Fassade das Leben. Typisch: Mainfranken ist eine Genussregion.

Unbekannte Ferienregion

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Beliebtes Fotomotiv: alte Mainbrücke und Dom.

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Die 100'000-Seelen-Metropole Würzburg ist das Zentrum der Region Mainfranken im Nordwesten Bayerns. Ausserhalb Deutschlands ist das Feriengebiet um den Fluss Main allerdings kaum bekannt - die Auswahl an touristischen Knallern ist in Bayern schlichtweg zu gross. Mainfranken ist eine entspannte Region voller Wander- und Bike-Möglichkeiten, mittelalterlicher Dörfchen und Unesco-geehrten Highlights.

«Erinnert ihr euch noch an den 50-D-Mark-Schein?», fragt unser Picknick-Nachbar, der uns beharrlich mit Wein versorgt. «Da war die Residenz drauf!» Zu Recht sind die Würzburger stolz auf ihre Welterbe-Residenz: Der Prachtbau gilt als eine der harmonischsten Schlossanlagen des Barock. Als Vorbild diente nichts Geringeres als der Palast des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles. Und wenn man den Franken glauben schenkt, hat Baumeister Balthasar Neumann (1687 - 1753) den französischen Luxusbau spielend übertroffen.

Weinbau mit Tradition

Aber die entscheidende Frage ist: Hält der Frankenwein auch mit den französischen Spitzentropfen mit? Kilometerlange Weinberge an den Hängen des Maintals zeugen von einer langen Weintradition. Schon Nationalpoet Johann Wolfgang von Goethe schwor auf den Rebensaft aus dem Maintal. «Kein anderer Wein will mir schmecken, und ich bin verdriesslich, wenn mir mein gewohnter Lieblingstrank abgeht», schwärmte Goethe schon vor gut 200 Jahren.

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Typisch Mainfranken: Man geniesst das Leben bei einem Weinfest. Hier im Hofgarten der Residenz.

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Doch wer vollmundige Weine aus dem Bordeaux oder dem Rhonetal kennt, muss sich an den Frankenwein erst gewöhnen. Charakteristisch für den Wein aus Mainfranken ist die Restsüsse von maximal 4 Gramm Zucker. «Sauer», mag da manch einer sagen, «fränkisch-trocken» nennen es die Experten.

An den Hängen des Maintals werden zu etwa 85% Weissweine gekeltert, typische Rebsorten sind Silvaner und Müller-Thurgau. Für alle Wienliebhaber ist eine Führung durch den staatlichen Hofkeller in den labyrinthischen Gewölben unterhalb der Residenz ein Muss. Bei romantischem Kerzenschein zwischen mannshohen Holzfässern werden hier die Weine degustiert.

Deftige Schmankerl im Gasthaus - mit seltsamen Namen

Weitaus authentischer geht es im «Wirtshaus Lämmle» in der Altstadt zu - eine Würzburger Tradition. Wir wollen uns in die fränkische Geschmackswelt vertiefen. «Was können Sie denn empfehlen?», fragen wir die Serviertochter. «Mechensdeblauezipfl?» Der breite Würzburger Dialekt ist für den Fremden ein Mysterium. «Entschuldigung?» «Wollen’s Blaue Zipfel?», bemüht sie sich in Schriftdeutsch.

Blaue Zipfel? Ob es nur an dem Wein liegt, dass uns dazu viele schlüpfrige Kommentare einfallen? Wir bestellen auch noch einen «Gerupften» - die Franken scheinen eine Vorliebe für Bezeichnungen zu haben, die zu Stirnrunzeln führen. Wen wunderts, wenn schon der edle Wein im typischen, bauchigen Bocksbeutel abgefüllt wird. Bocksbeutel? Genau: Der Hodensack vom Ziegenbock. Blaue Zipfel sind in einem Essigsud gekochte Bratwürste, der Gerupfte ist ein mit Butter, Zwiebel und Paprikapulver angemachter Camembert. Dazu gibt es das typische Roggen-Sauerteigbrot mit Kümmel. Die Kost in Franken ist deftig, überdurchschnittliche Kalorien inbegriffen. Was solls: Gesundheits-Vorsätze sind etwas für Silvester.

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Treff an einem Sommerabend: die Alte Mainbrücke.

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In der lauen Sommernacht schlendern wir durch die Altstadt zur Mainbrücke, die ähnlich wie die Karlsbrücke in Prag mit Skulpturen geschmückt ist. Hier begegnen uns neben quicklebendigen, weintrinkenden Würzburgern die ehrenwerten, steinernen Honoratioren der Würzburger Geschichte. Darunter auch die Stadtheiligen Kilian, Kolonat und Totnan - irische Wandermönche, die das Christentum nach Franken brachten. Der steinerne Kilian reckt drei Finger in den fränkischen Himmel - wahrscheinlich will er drei Schoppen Wein bestellen. Eine gute Idee.

Gut zu wissen

Hinkommen
Der nächste Flughafen ist Frankfurt am Main. Von dort mit dem Zug nach Würzburg (etwa 1 Stunde). Empfehlenswert ist allerdings die Anreise mit dem eigenen Auto. Fahrzeit ab Zürich etwa 4 Stunden.

Reisezeit
Das Weinbaugebiet Franken ist dank seiner vielen Sehenswürdigkeiten eine Ganzjahresdestination. Wer die Weinfeste und die Zeit des Federweissen (Sauser) erleben möchte, sollte im Sommer und Herbst kommen.

Weinfeste
Im Sommer und Herbst werden in Würzburg und Umgebung viele Weinfeste gefeiert. Kaum ein Wochenende, an dem nicht in der näheren Umgebung ein Weinfest stattfindet. Informationen zu den Terminen gibt es hier: www.würzburgerweinfestkalender.de / www.fraenkisches-weinland.de

Weitere Informationen
www.wuerzburg.de

 

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Publiziert am 09.08.2016 | Aktualisiert am 29.12.2016
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