Unterwegs auf der Herzroute Hier kommen E-Biker in Fahrt

Surren über den Berg ins Tal: Elektrobike-Fans können auf der Herzroute von Lausanne bis an den Bodensee radeln – vorbei an zahlreichen Attraktionen. Und E-Power-Stationen.

Vor dem Anstieg Pause machen: Rast in Horn am Bodensee. play

Vor dem Anstieg Pause machen: Rast in Horn am Bodensee.

Christof Sonderegger/Herzroute AG

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Der beste Freund des Bikers ist der Akku. Denn E-Bikes sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: 2014 wurden laut Branchenverband Velosuisse fast 58'000 Elektrovelos verkauft – 15,5 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahr. In den letzten zehn Jahren waren es mehr als 300'000.

Auf Schweizer Velowegen schnurrts und brummts entsprechend häufig. Wo einst Schweiss floss, sausen rüstige Rentner lächelnd die Berge hinauf. Klar, dass Städte und Regionen zusehends ihr Ausflugsangebot auf die neue Klientel ausrichten. Eine der ersten E-Bike-Strecken wurde 2003 eingeweiht: Sie führt von Lützelflüh BE nach Willisau LU und gehört zur sogenannten Herzroute: ein Radweg speziell für E-Bikes, der sich über 720 Kilometer von Lausanne bis zum Bodensee erstreckt.

Seit 2004 arbeiten die Initianten mit dem Schweizer Hersteller Flyer zusammen, dessen E-Bikes man entlang der Strecke mieten kann. Auch Batterie-Stationen sind eingerichtet, dort können die Akkus ausgewechselt werden. ­Damit keiner zwischen Berg und Tal sitzen bleibt. Das letzte Stück der Herzroute wurde erst dieses Jahr fertiggestellt: zwischen Zug und Rohrschach SG. Geradelt wird ­in­dividuell, selbstredend auch auf ­kleineren Etappen.

Probefahrt durch die «schönsten Ecken» der Schweiz

Vollmundig versprechen die ­Organisatoren, ihre Herzroute führe an den «schönsten Ecken» der Schweiz vorbei. Ein mächtiges Statement in einem Land, dessen Schatz an ­Naturschönheiten ­derart gross ist.

Grund genug, das E-Bike zu schnappen und das jüngste Teilstück unter die Räder zu nehmen. Los gehts am Bodensee, in Rorschach SG. Schnell führt uns die Route hinauf zu den sanften Ausläufern der Alpen, wo sich der Blick über den Bodensee weitet. Man ­erkennt Bregenz, Lindau – und in der Ferne Kreuzlingen und Konstanz.

Überhaupt gehts auf der Tour um eben diesen Fernblick. Immer  wieder klettert der Weg an Hügeln empor und schenkt Reisenden den Genuss der Weite – Gipfelerlebnisse. Auch wenn es der Ostschweiz an Bergen fehlt, die diesen Namen verdienen (vom Säntis natürlich mal abgesehen): Der Streckenverlauf im hügeligen Voralpenland wäre ohne E-Power eine Quälerei: für ­­Po und Beine gleichermassen. Er verläuft in der Ostschweiz über ruhige Nebenstrassen, vorbei an Mini-Weilern und an verschlafenen Dörfern. Eine heimatliche Idylle, wie sie in jedem fremdsprachigen Reiseführer beschrieben wird. Herrlich.

Der Weg führt auch an Kultur und Historie vorbei

Die Streckenführung zielt allerdings nicht allein auf die schönen Landschaften des Rheintals, beider Appenzell und des Toggenburgs. Sie schliesst Kultur und Historie mit ein. In der Kantonshauptstadt Appenzell etwa entdecken wir ein Museums- und Architekturjuwel: das Kunstmuseum ­Appenzell. Der gezackte, silbrige Bau steht etwas abseits vom Stadtkern, darin werden Werke der lokalen Maler Carl August Liner und von dessen Sohn Carl Walter Liner gezeigt sowie Wechselausstellungen zur modernen Kunst.

Zwar schrammt die Herzroute knapp an der Unesco-Stadt St. Gallen vorbei, ein Abstecher ist aber ein Muss (ab Gübsensee Schilder nach St. Gallen folgen). Also hinein in die kleine Altstadt und etwa auch in die Stiftsbibliothek im Kloster – ein Kleinod barocker Architektur, das nördlich der Alpen Seinesgleichen sucht. Über dem Eingang steht in griechischen Lettern Seelenapotheke. Ob sich das auf den Inhalt der ledergebundenen Bücher oder die Harmonie des Raums bezieht? Egal.

Beschwingt strampeln wir weiter: Richtung Toggenburg, durchs schöne Städtchen Lichtensteig, über die Passhöhe Ricken (805 Meter ü. M.), hinüber zum Nordufer des Zürichsees. Und wieder erwartet uns eine gewaltige Aussicht!

Der See vor dem malerischen Alpenpanorama, prächtig. Nach dem langen Wochenende erreichen wir schliesslich Rapperswil SG – und damit unser Ziel.

Bleibt die Frage: Führt die Herzroute tatsächlich an die schönsten Stellen der Schweiz? Ansichts­sache. Unbestritten ist: Sie gewährt einen abwechslungsreichen Einblick in die vielfältigen Regionen der Schweiz. Und jede Menge Er­holung und Entschleunigung.

Publiziert am 17.08.2015 | Aktualisiert am 18.01.2017
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Die Herzroute führt auch ins Zentrum von Appenzell. play

Die Herzroute führt auch ins Zentrum von Appenzell.

An der insgesamt 720 Kilometer langen Strecke finden sich diverse Stationen für E-Bikes. play
An der insgesamt 720 Kilometer langen Strecke finden sich diverse Stationen für E-Bikes. Christof Sonderegger/Herzroute AG
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Reise-Infos

Die Herzroute
Die gesamte Herzroute führt von Lausanne bis Rorschach SG, sie hat eine Länge von 720 Kilometern und ist in 13 Etappen aufgeteilt. Etwa 12'000 Höhenmeter müssen dabei überwunden werden. Stationen für E-Bike-Mieten finden sich entlang der gesamten Strecke. Die gut beschilderten Routen können individuell gewählt werden.

Die Highlights
Entlang der Strecke liegen viele Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören: die Städtchen Romont FR, Murten FR und Thun BE, die Region des Emmentals, der Sempacher- und Zugersee, Kloster Einsiedeln SZ und das Ritterhaus in Bubikon ZH.

Die E-Bike-Miete
Wer kein eigenes E-Bike besitzt, kann sich Flyer-Bikes ausleihen. Die Preise: 64 Franken pro Tag. 4 Tage für 167 Franken; 7 Tage für 242 Franken. Wird das Velo an der Mietstation zurückgegeben: minus 10 Franken.

Die Angebote
Die Organisatoren bieten diverse Pakete an: etwa ein kulinarischer Tagesausflug inkl. Drei-Gang-Menü und Flyer-Miete für 99 Franken. Verschiedene Zweitagestouren inkl. Übernachtung, Verpflegung, Flyer-Miete, zwei Ortlieb-Taschen ab 459 Franken.

Unsere Strecke
Die beschriebene Strecke durch die Ostschweiz ist in vier Tagesetappen unterteilt: Rorschach–Altstätten (39 km), Altstätten–Herisau (49 km), ­Herisau–Wattwil (55 km), Wattwil–Rapperswil (55 km). Wer sich fitter fühlt, kann die Tour in drei Tagen bewältigen.

Die Übersicht
Mehr Informationen zum Weg, zur Buchung und Velo-Miete ­finden Sie unter: www.herzroute.ch

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