Kamele unter sich BLICK-Praktikant schaukelt das Wüstenschiff

Je spezieller, desto besser: Das ist die Devise von Salvatore Iuliano (25). Die brachte ihn schon in ganz verrückte Situationen. Aber ein Kamel in der Schweiz zu reiten und das in der Nähe vom Flughafen in Kloten ZH, ist selbst für ihn verquer.

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Ich kann mich noch gut an mein letztes Erlebnis mit einem Kamel erinnern. Ich war ungefähr 6 Jahre alt und ein Zirkus-Liebhaber. Damals durften meine 3 Jahre jüngere Schwester und ich gemeinsam mit einem solchen Trampeltier - ja, das ist die eigentliche Bezeichnung für Kamele mit zwei Höckern - für ein Foto posieren. Dieses Foto stand danach fast mein halbes Leben im Wohnzimmer und erinnerte mich ständig daran, was für einen schrecklichen Frisuren-Geschmack meine Mutter damals hatte: Ich war ein Pilzkopf-Opfer mit abstehenden Ohren.

Zu meinem Leidwesen war es mir damals im Zirkus nicht vergönnt, auf dem Kamel zu reiten. Die Enttäuschung sass tief, mein Leben lang. Als ich von Bens Kamelfarm in Oberglatt ZH höre, schiesst mir deshalb nur ein Gedanke durch den Kopf: «Geil, das ist meine Chance!»

Doch offensichtlich will Petrus mir das Abenteuer nicht gönnen. Den ersten Termin mit Kamel-Farmer Ben Salem (38) muss ich wegen Sturm Niklas absagen. Wir vereinbaren einen neuen Termin, eine Woche später.

Wieder bin ich aufgeregt und wieder spielt Petrus Spassbremse. Ich gebe aber nicht auf. Mit Stossgebeten, grosszügigen Spenden und selbstlosen Taten versuche ich, ihn günstig zu stimmen. Und siehe da: Beim dritten Versuch klappts endlich! Ich freue mich wie ein kleines Kind (aber mit wesentlich mehr Modegeschmack als damals) auf dieses Erlebnis.

Ben Salem begrüsst mich und meine Kamerafrau sehr freundlich und bietet uns sofort einen klassischen Nomaden-Tee an. Danach führt er uns zu seinen Kamelen. Meine tierische Begleitung an diesem Tag heisst Suran. Ich versuche, Suran aus dem Stand zu besteigen, aber ohne Erfolg. «Wie zum Teufel soll ich da hochkommen?», denk ich mir. Suran ist von meinen vielen Fehlversuchen sichtlich genervt, will nicht mehr stillhalten und fängt an zu jammern. Ich höre sofort auf, als ich das höre. So sehr ich mir auch diesen Kindheitstraum erfüllen will, ein Lebewesen braucht deswegen nicht zu leiden.

«Nein, das macht man nicht so», belehrt mich Ben Salem. «Du musst erst auf eine Erhöhung steigen und dich dann auf den Höcker schwingen», erklärt er mir.

Gesagt, getan. Ich sitze tatsächlich auf einem Kamel. Mein Herz schlägt höher. Sina, meine Kamerafrau, verpasst mir zur Krönung noch eine GoPro-Kamera, die ich mir um den Kopf binden muss - danke, an dieser Stelle für das abgespacte Accessoire, liebe Sina!

Jetzt gehts los. Ich reite ein Kamel – und ich liebe es! «Versuch, dich im Takt des Kamels zu bewegen!», höre ich Ben Salem rufen. Ich gehorche und merke, dass sich Menschen mit Hang zur Seekrankheit hier oben nicht wohlfühlen würden.

Der Rundgang dauert ungefähr eine halbe Stunde. Als wir wieder beim Ausgangspunkt ankommen, muss ich mich wieder auf die Erhöhung schwingen, damit ich absteigen kann. Die Neugier packt mich. «Warum muss ich auf diese Art hoch und runter?»

Ben Salem: «Es ist schwierig, das Gleichgewicht zu halten, wenn das Kamel aufsteht.»

«Oh, eine Herausforderung!», schiesst es aus meinem Mund wie aus einer Kanone.

Ich fackle nicht lange und lasse es darauf ankommen. Ben Salem übergibt mir die Leine des Kamels, erklärt mir, wie ich es in die Hocke bringe und lässt mich dann auf dessen Rücken platznehmen. Als der Spass losgeht, verstehe ich sofort, was er mit Gleichgewicht halten gemeint hat. Ich mache mir fast in die Hose, als das Kamel aufsteht. Ich halte mich, so gut es geht, am Sattel fest, damit ich keinen Salto vorwärts mache und im Staub lande.

Als ich heil vom Kamel absteige, mache ich drei Kreuze. Ein bisschen Reiten macht Spass, aber die letzte Nummer war doch einen Tick zu viel.

Fazit: Dank Ben Salem konnte ich mir endlich meinen Kindheitstraum erfüllen. Ein Kamel zu reiten, macht mega viel Spass und man bekommt erst noch eine kostenlose Hinterteil-Massage. Wer es am eigenen Leib erfahren will, soll die Chance nutzen und einen Abstecher nach Oberglatt machen. Passt einfach auf, dass euch kein Kamel knutscht - Suran hats bei mir versucht.

Publiziert am 08.05.2015 | Aktualisiert am 08.05.2015
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