Neue Saiten-Queen Junge Schweizer bauen revolutionäre Gitarre

Zwei Luzerner lehren Fender und Gibson das Fürchten. Mit ihrer Jane revolutionieren die Jungs von «Relish Guitars Switzerland» den Gitarrenbau.

Haben mit ihrer «Jane» den Olymp der Gitarrenbauer erreicht: die Luzerner Silvan Küng (l.) und Pirmin Giger. play

Haben mit ihrer «Jane» den Olymp der Gitarrenbauer erreicht: die Luzerner Silvan Küng (l.) und Pirmin Giger.

Bruno Arnold

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Am Anfang war da dieser Traum. Der Traum vom eigenen Unternehmen, in dem jeder das tun kann, was ihm am besten liegt und am meisten Spass macht. Und: Kein Chef! Silvan Küng (30) reibt sich die Augen, denn mit Relish Guitars ist genau dieser Traum in Erfüllung gegangen – und das schneller, als er es sich je erträumt hätte.

2013 haben er und sein langjähriger Kumpel Pirmin Giger (31) «Relish Guitars Switzerland» gegründet. «Eine Idee und 20 000 Franken, das war unser Startkapital», erzählt Giger, der gelernter Schreiner und diplomierter Industriedesigner ist. Das Geld: Selber eingeschossen. Die Idee: Eine Gitarre bauen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.

Ein ambitiöses Projekt, wenn man an die übermächtige Konkurrenz denkt, an Brands wie Fender, Gibson oder Ibanez. Marketingprofi Silvan Küng meint dazu: «Wer als Startup reüssieren will, muss seine Ziele hoch stecken und nicht im Mittelfeld rumwursteln wollen.»

Die klare Ansage aus Kriens, einem Vorort der Stadt Luzern, stösst auf offene Ohren. 130'000 Franken gabs von der Startup-Förderung als Risikokapital – Geld, das die beiden Jungunternehmer und Hobbygitarristen in die Weiterentwicklung ihres Produktes und dessen Vermarktung stecken. Küng, der für das Marketing zuständig ist, und Giger, der Entwickler, setzen alles auf eine Karte. Und die trägt den klingenden Namen Jane.

«Anfänglich haben wir uns noch mit Nebenjobs über Wasser gehalten, doch damit ist Schluss», sagt Silvan Küng. Die Verhandlungen mit Investoren und Distributoren in aller Welt erfordern Präsenz und Flexi­bilität. «Da liegt es nicht drin, dass ich am Nachmittag an der Kasse des Hallenbads sitze.»

Jane, die E-Gitarre made in Switzerland, unterscheidet sich von ihren Konkurrentinnen aus USA und Fernost sowohl was das Aussehen anbelangt als auch in ihrer Bauweise und der ausgefeilten Technik (siehe Box). «Wir sehen uns als Revolutionäre», meint Pirmin Giger, der den Prototyp während seines Studiums an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt hat. Grosse Töne? Mitnichten. Denn die kritische Fachwelt gibt den beiden Jungunternehmern recht.

So stellt das angesagte Technologiemagazin «Wired» die stylische Gitarre mit dem Aluminium-Kern und den Touch-Sensoren sogar kurzerhand auf eine Stufe mit den i-Produkten von Apple. Und auch die Rückmeldung von Kunden fallen rundum positiv aus. Silvan Küng zitiert aus einer Mail von Eric Claptons Gitarrentechniker: «Eure Gitarre sieht fantastisch aus. Grossartige Arbeit. Ich wäre stolz, hätte ich das Teil selber gebaut.»

Für die beiden Luzerner sind solche Worte Ansporn und Verpflichtung zugleich. «Wir bewegen uns mit Jane technologisch und preislich im Highend-Bereich. Wenngleich uns die Gitarren momentan aus den Händen gerissen werden, haben wir genau eine einzige Chance, um uns am Markt durchzusetzen», weiss Silvan Küng.

Das wird ihm immer wieder bewusst, wenn er bei potenziellen Geldgebern und Vertriebspartnern vorspricht. «Da wirst du auf Herz und Nieren geprüft, gnadenlos. Eine Unsicherheit meinerseits und wir sind weg vom Fenster.»

30 handverarbeitete Instrumente zum Stückpreis von über 5000 Franken verlassen pro Quartal die kleine Werkstätte im Krienser Industriequartier. Macht 120 Gitarren im Jahr. Peanuts im Vergleich mit der günstigeren, weil industriell fertigenden Konkurrenz aus Übersee und Asien. «Noch vor fünfzehn Jahren hätten wir keine Chance gehabt mit unserer Jane», meint Pirmin Giger, «inzwischen hat aber auch in der von Traditionen geprägten Welt der Gitarristen ein Umdenken stattgefunden: Individualität und Innovation stossen auf immer grössere Resonanz.»

Bereits in zwei Jahren wollen Giger und Küng mit Relish Guitars Switzerland den Breakeven erreichen, also die Gewinnschwelle überschreiten. Dazu müssen sie nicht zuletzt den internationalen Markt erobern. «Das wird sicher kein Zuckerschlecken», ist sich Silvan Küng bewusst, «aber schon heute ­gehen neun von zehn Janes ins Ausland – häufig über Internet bestellt, unbesehen, ohne dass der Käufer die Gitarre jemals in den Händen gehalten hätte.»

Der grösste Traum der Jungunternehmer? Einmal einen der ganz Grossen auf einem ihrer Instrumente spielen zu sehen: «Unsere Jane in den Händen von Mark Knopfler oder John Mayer, das wäre wohl der Ritterschlag für Relish Guitars».  Die Chancen stehen vermutlich  gar nicht so schlecht.

Publiziert am 17.06.2015 | Aktualisiert am 17.06.2015
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«Relish bedeutet peppig und inspirierend. Genau das wollen wir mit unseren Gitarren auch sein.»  Pirmin Giger play

«Relish bedeutet peppig und inspirierend. Genau das wollen wir mit unseren Gitarren auch sein.»  Pirmin Giger

ZVG

Jane - «Sexiest Guitar Alive»

In den letzten Jahrzehnten hat sich an der Kon­struktion elektrischer Gitarren nicht viel geändert. Das Startup «Relish Guitars Switzerland» ändert dies mit seiner Jane. Diese ist nicht wie andere ­Gitarren aus einem Holzblock gefertigt, sondern besteht aus einer Sandwichkonstruktion mit gefrästem Aluminiumrahmen und gepressten Holzfurnieren. Der dadurch im Korpus geschaffene Hohlraum sorgt für einen weichen, warmen Ton. Revolutionär auch die Umschaltung der Tonabnehmer: Anstelle der üblichen Kippschalter geschieht dies bei der Jane mittels Sensoren, die auf Berührung durch den Handballen reagieren. Die Jane, gemäss Relish «The Sexiest Guitar Alive», gibt es ab 5130 Franken in den Ausführungen Kirsche, Nussbaum und Esche. Mittelfristig soll ein preisgünstigeres Modell dazukommen.

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4 Kommentare
  • Paul  Oberson 17.06.2015
    Hallo Herr Heinz Jenni, für jedes Saiteninstrument ist es sehr wichtig welches Material verwendet wird. Die Sache mit dem Alurahmen ist eine sehr gute Lösung, so wird eine gewisse Steifheit und auch ein sehr gutes Sustain erzeugt. Nur mit einem guten Tonabnehmer kann man noch nicht eine gute Gitarre bauen. Hier spielen noch viele andere Faktoren eine sehr wichtige Rolle. Bravo für diese tolle Arbeit an die Gitarrenbauer.
  • Heinz  Jenni 17.06.2015
    Das Ding mit der Ausfräsung bewirkt nur, dass die Gitarre leichter wird. Dem Ton ist das egal. Er wird durch die Tonabnehmer und vor allen über den Verstärker usw. erzeugt. Man könnte auch einen Stein an den Gitarrenhals kleben, auch sie würde aus den Lautsprechern "schön" tönen. Ich wünsche den beiden viel Glück bei der Vermarktung, es wird sich eine Nische öffnen.
    • Daniel  Knechtli 17.06.2015
      Lieber Herr Jenni Ich glaube nicht, dass Sie sich mit dieser Aussage viele Freunde schaffen. Wie bei jedem Saiteninstrument spielt auch bei einer E-Gitarre das Schwingungsverhalten eine wesentliche Rolle. Klar klingen auch Tonabnehmer und Verstärker anders. Aber jeder Teil ist in sich genauso wichtig. Falls Sie nicht Gitarre spielen, probieren Sie es doch aus.... Falls Sie schon Gitarre spielen achten Sie sich einmal darauf! Noch besser: Vergleichen SIe eine Relish mit einer anderen E-Gitarre!
    • Heinz  Jenni 17.06.2015
      HH Oberson/Knechtli _ Ich besitze eine Fender, Gibson und eine PRS. Ich glaube, dass Sie beide mit Gitarren zu tun haben und natürlich gegen mich argumentieren. Das mit dem Sustain ist halt so eine Sache, bei Fender ist der Hals geschraubt, bei den zwei anderen geleimt. Beide behaupten, deswegen über diesen langen Ton zu verfügen. Wobei die PRS deutlich über Relish liegt, ist sie nicht besser als die Gibson. Das Holz sieht aber viel schöner aus. Aber auch Granit schwingt.