BLICK erklärt das Lieblingsspiel von Entführungsopfer Paul (12) Ab wann ist «Minecraft» gefährlich?

GUNZGEN SO - Das Entführungsopfer Paul (12) hat den 35-jährigen Werner C. im Zusammenhang mit «Minecraft» kennengelernt. BLICK erklärt das Game und sagt, wo die Gefahren liegen.

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Was ist «Minecraft»?

Am ehesten lässt sich das Spiel mit einem virtuellen Lego-Kasten vergleichen. So ist die endlose Welt aus Milliarden verschiedenfarbener Würfeln aufgebaut. Diese lassen sich von den Spielern abbauen, um damit neue Würfel herzustellen. Mit diesen lassen sich dann Möbel, Häuser oder ganze Dörfer aufbauen. In Minecraft gibt es hauptsächlich zwei Spielmodi. Im Überlebensmodus muss der Spieler Ressourcen sammeln und hat eine Gesundheitsleiste zum Überleben. Im Kreativ-Modus, in dem es keinen Gesundheitstatus gibt, stehen dem Spieler unbegrenzte Mengen an Ressourcen zur Verfügung stehen, um seine eigene Welt aufzubauen. Das bewerkstelligt man entweder alleine oder mit anderen Spielern gemeinsam.

Wo kann ich «Minecraft» spielen?

Das Game wurde ursprünglich für den Computer entwickelt. Es gibt mittlerweile aber auch Konsolenversionen von «Minecraft» für XBox, Playstation, Nintendo und Wii. Zudem ist es auf Smartphones spielbar.

Am Sonntag wurde Paul (12) von der deutschen Polizei befreit. play

Am Sonntag wurde Paul (12) von der deutschen Polizei befreit.

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Besitzt «Minecraft» gewalttätige Inhalte?

Ja, aber so minime, dass die europäische Organisation für Altersfreigaben Pegi das Game ab 7 Jahren freigegeben hat. In der Empfehlung heisst es: «Nicht realistisch wirkende Gewalt gegenüber Fantasiefiguren - Gewalt in einem Zeichentrickfilm, einer Slapstick-Komödie oder einer kindlichen Umgebung, die auf sehr kleine Kinder verstörend wirken kann».

Hat Minecraft einen Lerneffekt für Kinder?

«Minecraft» wird auch in Bildungseinrichtungen verwendet. Um Schulen den Zugriff auf «Minecraft» zu ermöglichen, wurde 2011 die Organisation «MinecraftEdu» gegründet. Im September 2012 zählte die Organisation 250'000 Schüler mit Zugriff auf das Game. In einer schwedischen Schule ist das Spiel Pflichtfach. In der Schweiz wurde Anfang Juni an der Tagung «Innovative Schools» die Lerneffekte des Games vorgestellt.

Wie erfolgreich ist «Minecraft»?

Das «Würfelspiel» gehört zu den erfolgreichsten Games überhaupt. Stand Juni 2016 hat sich «Minecraft» weltweit 106 Millionen Mal verkauft. Auf dem PC ist es das meistverbreitete Spiel überhaupt. Und über sämtliche Spieleplattformen hinweg hat bislang nur noch «Tetris» mehr Exemplare abgesetzt. Im Jahr 2014 hat Microsoft die Firma Mojang, die das Spiel entwickelt hat, aufgekauft – und zwar für 2,5 Milliarden Dollar. Dies machte den eigentlichen Erfinder des Spiels – der inzwischen 39-jährige Schwede Markus Persson alias «Notch» – zu einem reichen Mann. Sein Vermögen wird auf 1,5 Milliarden Dollar eingeschätzt.

«Mein Lieblingsspiel ist Minecraft» - Chatprofil von Paul. play

«Mein Lieblingsspiel ist Minecraft» - Chatprofil von Paul.

Screenshot
Wie hat Paul seinen Entführer kennengelernt?

Wie viele Online-Spiele besitzt auch «Minecraft» einen Chat, in dem sich Spieler über ihre Vorhaben, Strategien oder einfach nur zum Plaudern austauschen. Mit der zusätzlichen Software «TeamSpeak» bleibt man auch während des Spiels mit den Mitspielern per Headset verbunden. Dort werden aber oft weniger private Informationen preisgegeben – auch weil dort die Möglichkeit, dass Dritte mitlesen könnten, als relativ hoch empfunden wird. Wahrscheinlicher ist es, dass sich Entführer und Opfer in einem der unzähligen im Internet zu findenden Fanforen kennengelernt haben. Aufgrund der jungen Zielgruppe des Spiels ist die Gefahr umso höher, dass sich auch Menschen mit kriminellen Absichten dort herumtreiben.

Welche Gefahr geht von «Minecraft» aus?

Keine höhere als sonst im Internet. Auch dort gilt die Regeln, dass man gegenüber Anonymen zunächst mal misstrauisch sein sollte. Bei Kindern hilft vielleicht der Vergleich, dass man im realen Leben auch nicht bei einem Unbekannten ins Auto einsteigen sollte. So sollten Kinder auch bei anonymen Internetbekanntschaften keine persönliche Details von sich preisgeben und Annäherungsversuchen widerstehen.

Publiziert am 26.06.2016 | Aktualisiert am 27.06.2016
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8 Kommentare
  • Urs  Hagen 27.06.2016
    Man konfektioniert das Volk auf Gefahren durch Waffen und erreicht eine Entwaffnung durch neue Gesetze. Wichtiger wäre die Aufklärung der Gefahren durch Daten. Wenn sich heute jemand im Netz die Zugehörigkeit zu irgend einer Gruppe outet kann es morgen sein Unglück sein, falls sich die Regierung ändert oder er irgend wo auf dieser Welt auf solche Gegner trifft. Heute etwas gegen Erdogan im Netz geschrieben führt morgen zu Gefängnis in den Türkeiferien.
  • Marina  Noti , via Facebook 27.06.2016
    So ein Spiel ist genau so "gefährlich" wie ein Spielplatz oder der Schulweg. Sowas kann immer und überall passieren. Wichtiger ist eher, dass die Eltern mit den Kindern reden und vorallem merken, wenn das Kind flucht gedanken zu hegen scheint. Nicht zu vergessen ist hier nämlich, das Paul sein Zuhause freiwillig verlassen hat!
  • Bianca  Schwarz 27.06.2016
    Wichtig ist doch einfach, dass die Eltern ihre Pflicht nicht an den PC abgeben und glauben, dass sie nun mehr Zeit für sich haben, weil das Kind so schön beschäftigt ist. Bitte stellt die familiäre Kommunikation immer in den Vordergrund! Und wenn sich heranwachsende Kinder nur noch zurückziehen und nichts mehr berichten, ist das nicht gut, sondern traurig.
  • Peter  Leo 26.06.2016
    Zu Hause muss beginnen......... Wieder einmal mehr. Die Eltern müssen die Kinder erziehen, besser gesagt auf das sog Leben vorbereiten und dazu anleiten, Beispiel geben etc. Wenn sie dieser Aufgabe nicht nachkommen, wird dann wieder über die Lehrer und Lehrerinnen oder KESB gewettert. Letztere muss am Schluss ja immer ausbaden.
  • Bob  Wettstein 26.06.2016
    Jetzt aber mal ehrlich, Minecraft hat keine eingebaute Sprachchat-Funktion. Die Kommunikation im Spiel ist schriftlich möglich, jedoch automatisch auf jedem server aufgezeichnet. Das "gefährliche" Programm wäre in diesem Fall TeamSpeak, das der Junge in seinem Steckbrief als TS bezeichnet. Das Spiel ansich hat keine Schuld, genauso wenig hat Fussball eine SChuld wenn ein Kind vom Fussballplatz aus entführt wird. Weltklasse-Journalismus.
    • Marco  Weber 27.06.2016
      Es steht doch das TeamSpeak eine zusätzliche Software ist? Und das von diesem Spiel auch keine höhere Gefahr ausgeht als allgemein vom Internet? Alles in allem also eigentlich ein gut geschriebener Artikel der "Unwissende" zumindest etwas aufklärt?