Aua! BLICK-Praktikant versagt am Trapez

Er hat sich an einer Stange geräkelt, mit wildfremden Menschen gekuschelt und versucht, sich in vier Wochen ein Sixpack anzutrainieren. Salvatore Iuliano (25) jagt eine Herausforderung nach der anderen. Neu will er sein Können in nur einer Stunde beweisen, doch schafft er das auch? Seine neue Challenge: Das Trapez.

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Luftakrobaten kennt man aus dem Zirkus. Elegant, stark, gut aussehend und ausgesprochen mutig. Ich bewunderte sie schon als Kind und wollte schon immer mal auf so ein Trapez. Doch dazu fehlte mir bis anhin der Mut - und ich bin nicht schwindelfrei. Besonders, wenn ich mir vorstelle, wie ich auf einer Stange zehn Meter über dem Boden stehe, ohne mich vorne und hinten festhalten zu können.

 Dennoch starte ich meinen persönlichen Feldzug gegen die Angst. So finde ich im Netz die Zirkusschule Basel. Im Rahmen des Luftakrobatik-Kurses von Carina Ott (52) gehe ich mit dem Trapez auf Tuchfühlung.

Carina hat diverse Ausbildungen sowohl in Kontorsion als auch in Vertikalseil- und Trapez-Akrobatik und unterrichtet seit nunmehr 18 Jahren. Die perfekte Hilfe um meine Challenge zu bestehen. Denke ich jedenfalls.

Als ich die Trainingshalle betrete, stehen bereits drei Schülerinnen im Kreis. Ich begrüsse sie. Nach einer kurzen Vorstellung gibt Carina die Anweisung, dass wir uns aufwärmen und dehnen sollen. Wir lassen also alle Gelenke kreisen und lockern unsere Muskeln. Weiter gehts am Boden mit Bein- und Dehnübungen und einem Spagat, den ich nicht hinkriege - ich erinnere mich dabei an meinen Kontorsionskurs bei Nina Burri zurück. Mann, tat das damals weh!

Fertig aufgewärmt geht es an das Trapez. Eine von Carinas Schülerinnen schwingt sich locker und ohne grosse Mühe empor und demonstriert mir eine akrobatische Kurzperformance. Ich bin beeindruckt von den eleganten Bewegungen und der Schnelligkeit. Als Anna runter kommt, lächelt sie mich verschmitzt an. Ich frage mich, warum sie das tut, als es mir wie Schuppen von den Augen fällt. “Das soll ich in einer Stunde können?”, frage ich ungläubig mit einem nervösen Unterton. Carina nickt und lächelt: “Du hast es wohl unterschätzt”, meint sie und führt mich zum Trapez.

Zur Choreografie: Erst schwinge ich mich hoch, sitze auf das Trapez und stehe dann auf. Ich wickle meine Beine um die Seile links und recht und lasse die Beine nach hinten gleiten, während ich mich nach vorne beuge und die Arme ausstrecke. Ich halte mich danach am rechten Seil fest und wickle mein linkes Bein aus, so, dass ich eine kleine Schraube mache und nur noch mit einem Bein im Trapez hänge. Ich lasse mich sinken, wobei ich mich mit den Armen am Trapez festhalte und mit dem Kopf nach unten versuche, einen Spagat in der Luft zu machen. Ich ziehe mich hoch, sodass ich auf dem Trapez sitze. Ich spreize meine Beine, halte mich am Trapez fest und lasse mich nach hinten fallen, so dass meine Beine sich in den Seilen einhängen. Ich lasse das Trapez los und sause nach unten, wo zum Glück mehrere Matten liegen.

Das klingt alles sehr anmutig und teilweise kinderleicht. Nun, der Schein trügt. In den ersten 15 Minuten verfalle ich eine leichten Panikattacke, als ich auf dem Trapez stehend versuchen soll, meine Beine um die Seile zu wickeln. Als ich mich dann noch freihändig nach vorne beuge, breche ich in Angstschweiss aus.

Die Schraube traue ich mich gar nicht erst zu machen, den Spagat breche ich auf halber Strecke ab, weil mich meine Kräfte nach 30 Minuten verlassen und den Fall nach hinten hasste ich schon vom ersten Moment an. Das tut an den Füssen sauweh. Je länger ich tölpelhaft am Trapez herumräkle, umso schwärzer sieht Carina für mich. Woher ich das weiss? Ihre Gesichtsausdrücke sprechen Bände. Und sie hat es mir auch einfach ins Gesicht gesagt.

Nach der 55. Minute fragt sie mich ungläubig und hoffnungslos: “Es bleiben noch fünf Minuten. Willst du das wirklich nochmals alles machen?” Mit schmerzerfülltem Gesicht - Mann, tun mir die Füsse und Beine weh! - schüttle ich den Kopf. Ich packe das nicht! Ich habe tatsächlich in einem Trapez meinen Meister gefunden.

Mein Fazit: Wer gerne mit dem Schmerz spielt und sich in den Lüften verbiegen und herumschwingen will, ist in der Luftakrobatik genau richtig. Wer jedoch so wehleidig - das behauptet jedenfalls Carina - ist wie ich, sollte sich das vielleicht nochmals überlegen. Die Striemen an den Füssen werde ich wohl noch eine Weile als Andenken behalten.

Challenge Failed!

Publiziert am 16.05.2015 | Aktualisiert am 17.05.2015
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