Pollen schlimm wie Promille Heuschnupfen gefährdet Autofahrer

Eine Pollenallergie kann die gleichen negativen Symptome auslösen wie ein Alkoholpegel von 0,5 Promille. Allergietests schaffen Sicherheit.

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Wer allergisch auf Pollen reagiert, muss beim Autofahren aufpassen. Thinkstock
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Gesundheit

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Wer sich mit einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille hinters Steuer setzt, gefährdet andere, sich selbst und riskiert eine Busse. Pollen­allergiker kommen ungeschoren davon, obwohl sie eine ähnliche Gefahr darstellen, wenn sie unbehandelt Auto fahren. Das ist die Warnung von Dr. Eric Vuurmann, Psychologe an der Univer­sität Maastricht in Holland: «Eine unbehandelte Allergische Rhinitis kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.»

Das ist das Resultat eines Fahrtests, den der holländische Forscher mit 19 Pollenallergikern machte. Dabei testete er die Fahrer in einem 100-Kilometer-Parcours unter verschiedenen Bedingungen: Einmal ohne Pollenkontakt, einmal stäubten die Forscher ihnen eine standardisierte Pollenlösung in die Nase. Zusätzlich testeten sie die Fahrer nach der Pollenbestäubung mit und ohne medikamentöse Unterdrückung der Allergiesymptome.

Eine Kamera auf dem Dach der Testfahrzeuge mass jede Abweichung von der Fahrspur. Das Ergebnis war eindeutig: Die Allergische Rhinitis wirkte sich mit Schlenkern auf die Fahrweise aus.  «Das», so Vuurmann, «entspricht den Ergebnissen mit einem Blut­alkoholwert von 0,5 Promillen.»

Für den Schweizer Immunologen Prof. Dr. Beda Stadler ist das Ergebnis nicht wirklich überraschend: «Wer wegen eines Pollenallergie-Anfalls stark tränende ­Augen hat, sollte nicht Auto fahren.» Auch Niesattacken sind ein Sicherheitsrisiko. «Bei schweren Symptomen ist es deshalb wichtig, diese mit modernen Medikamenten zu behandeln», sagt der ehemalige Direktor der Klinik für Immunologie am Berner Inselspital, der selber Pollen- und Katzenhaarallergiker ist. Denn die gute Nachricht ist: Mit Medikamenten unterdrückt hatten die Pollen bei den holländischen Testfahrten keinen Einfluss mehr auf das Fahrverhalten.

Früher machten Medikamente mit Wirkstoffen gegen Allergien, sogenannte Antihistaminika, schläfrig und waren daher fürs ­Autofahren nicht ideal. «Die modernen machen in dieser Hinsicht aber keine Probleme mehr», sagt Stadler. Für Schwerstgeplagte gibt es neuerdings Medikamente, welche die allergieauslösenden IgE-Antikörper blockieren (siehe Box).

Die holländischen Forscher appellieren an die Ärzte, ihre Heuschnupfenpatienten auf das Risiko aufmerksam zu machen, das sie eingehen, wenn sie ihre Medikamente nicht einnehmen. Natürlich müssen Betroffene auch wissen, was ihnen konkret Probleme bereitet. Wenn also Beda Stadler, der auf 1500 Meter Höhe lebt, ins Tal fährt, muss er wissen, welche ­Pollen unten aktiv sind und auf welche er überhaupt allergisch reagiert.

Hautkontakt-Test oder Blutprobe

Um das festzustellen, kann man ­einerseits einen Hautkontakt-Test (Pricktest) machen oder eine Blutprobe ins Labor schicken. «Während der Hauttest vielfach von Ärzten bevorzugt wird, ist die Laborvariante für viele Patienten an­genehmer», sagt der Mediziner Dr. Dieter Burki, Laborleiter der medizinischen Laborgruppe Viollier AG in Basel.

Beim Kontakttest ritzt der Arzt am Arm oder auf dem Rücken des Patienten die Haut und tropft eine Lösung mit Allergenen auf. «Reagiert der Patient, bilden sich Quaddeln und rote Flecken», sagt Burki. «Es juckt wie wahnsinnig.» Vor allem für Kinder ist das sehr unangenehm, da sie nicht kratzen dürfen.

Bei der Laborvariante zapft der Arzt dem Patienten ein Röhrchen Blut ab und schickt es ins Labor. Dort suchen Analysegeräte gezielt nach den IgE-Antikörpern, die das Immunsystem als Abwehrmassnahme gegen Allergene gebildet haben. Etwa 500 Allergene, davon rund hundert von verschiedenen Pflanzen, kann man so testen.

Von der Zuverlässigkeit her sind die beiden Methoden ebenbürtig. Geht es aber darum, Kreuzreaktionen bei Allergien festzustellen oder eine Vorher­sage zu treffen, ob eine Desensibilisierungstherapie Sinn macht, schlägt das Labor jeden Hauttest. «Jeder dritte Pollenallergiker spricht nämlich nicht auf die aufwendige Therapie an», sagt Dieter Burki.

Alles hat auch seine Nachteile: So kostet ein Labortest rund das Doppelte eines Hauttests. Beides bezahlt aber die Grundversicherung der Krankenkasse.

Publiziert am 07.04.2015 | Aktualisiert am 07.04.2015
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So verläuft eine Allergie

Dringt ein Allergen wie zum Beispiel ein Pollen in den Körper ein, wird der Abwehrmechanismus in Gang gesetzt. Dabei produziert das Immunsystem einen Antikörper, der das Allergen zukünftig davon abhalten soll, den Körper zu irritieren. Die sogenannten IgE-Antikörper bekämpfen die Pollen, lösen aber damit auch die Symptome der Allergie aus.

Treffen diese IgE-Antikörper auf ein Allergen, entsteht eine Entzündungsreaktion: Rötung, Jucken, Niesen und die laufende Nase. Der Sinn ist eine verbesserte Durchblutung. Die Rötung entsteht, um nachrückenden Abwehrzellen den Weg zu erleichtern. Das Jucken, um die Aufmerksamkeit auf besagte Stelle zu lenken, Niesen und Schleimbildung, um Fremdstoffe aus dem Körper zu schaffen.