Ab Freitag gelten neue Regeln Das müssen Senioren am Steuer wissen

Auf den 1. Juli ändert der Bundesrat die Bestimmungen für ältere Autolenker. Bald soll auch die Altersgrenze für die Überprüfung der Fahrtauglichkeit von 70 auf 75 Jahre steigen – wann ist noch unklar. Es gilt also nach wie vor das Mindestalter 70 für diese Untersuchungen.

Autofahren im Alter: Tipps für Senioren am Steuer und Führerschein play
Doppelter Blick in den Rückspiegel: Eine Seniorin auf Trainingsfahrt mit der Fahrlehrerin. ALIX/PHANIE

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Viele rüstige Rentner empfinden es als Schikane: Wer in der Schweiz im höheren Alter noch Autofahren will, muss seine Fahreignung regelmässig überprüfen lassen. Bisher mussten alle über 70-Jährigen, die einen Führerausweis besitzen, zum ärztlichen Check. Und dies alle zwei Jahre.

Allein im Kanton Zürich betrifft das jährlich über 40'000 Seniorinnen und Senioren. Der Arzt prüft Sehschärfe, Gesichtsfeld, Hörvermögen und den allgemeinen Gesundheitszustand. In den Nachbarländern gibt es keine derartigen Kontrolluntersuchungen. Dort gilt nur die Eigenverantwortung.

Führerschein für Senioren: Anpassung auf 1. Juli

Auf den kommenden 1. Juli hat der Bundesrat die Mindestanforderungen an Fahrzeuglenkende nun leicht angepasst. Statt das «Billett» grad ganz zu verlieren, kann es neu auch Beschränkungen geben. Zum Beispiel kann der Ausweis nur noch für bestimmte Strecken oder Regionen gültig sein.

Möglich sind auch Beschränkungen bezüglich der Höchstgeschwindigkeit oder der Strassen (zum Beispiel keine Autobahnen mehr). Dazu kommt: Verkehrsmedizinische und psychologische Fahreignungsabklärungen dürfen nur noch Ärzte und Psychologen durchführen, die entsprechend ausgebildet sind und sich regelmässig fortbilden.

In der abgelaufenen Sommersession hat das Parlament beschlossen, das Mindestalter für medizinische Untersuchungen von heute 70 auf 75 Jahre zu erhöhen. Noch ist nicht klar, wann diese Änderung in Kraft tritt. Vorher muss noch das Gesetz entsprechend angepasst werden. Es gilt also nach wie vor das Mindestalter 70 für diese Untersuchungen.

Autofahren im Alter kann zum Risiko werden

Diese Seniorentests haben ihre guten Gründe. «Schwer verletzt: Autofahrer (77) prallt frontal in einen Baum»; «Rentner fährt in Tunnelwand»; «Rentner rast in Stauende» – Schlagzeilen dieser Art sind oft zu lesen.

Und sie könnten sich häufen. Der demografische Wandel führt dazu, dass der Anteil der Menschen über 65 von heute knapp 18 auf 26 Prozent steigt – allein innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte. Damit wird auch der Anteil jener Ü65, die noch hinter dem Steuer eines Autos sitzen, weiter ansteigen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) warnt: Die Unfallzahlen von Senioren als Lenker im motorisierten Individualverkehr könnten bis 2030 um den Faktor 2 bis 3 ansteigen.

Bereits heute bereiten folgende Fakten Sorgen: Unfälle der älteren Autolenker machen in der Schweiz über 13 Prozent des gesamten tödlichen Unfallgeschehens aus. Die Anzahl der Getöteten ist bei den älteren Lenkern mehr als doppelt so hoch als bei den übrigen Unfallbeteiligten. Mit zunehmendem Alter der ­Lenker nimmt der Anteil selbst verschuldeter Unfälle zu.

Auffrischungskurse bringen den Fahrern Sicherheit: Beispiel TCS

Für viele Senioren bedeutet das ­Autofahren Freiheit, Unabhängigkeit und Lebensqualität. Darauf möchten sie nur ungern verzichten. Heute besitzen 95 Prozent der Männer bis 70 Jahre einen Ausweis, danach sinkt der Anteil zaghaft; noch jeder dritte 90-Jährige hat einen Führerschein.

Bei den Frauen verläuft die Kurve auf tieferem Niveau ziemlich parallel – mit dem Unterschied, dass Frauen ab 65 eher freiwillig auf den Führerausweis verzichten. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) ortet das Problem vor allem bei den Senioren über 75, «die über sehr geringe Fahrleistungen verfügen».

Verschiedene Organisationen bieten Auffrischungskurse für Rentner an. Seit vielen Jahren zum Beispiel die TCS-Sektion Waadtland. «Der Halbtageskurs ist sehr beliebt und ständig ausgebucht», sagt TCS-Mediensprecher Daniel Graf. Solche Kurse sollen das Selbstvertrauen der Verkehrsteilnehmer stärken und letztlich für mehr Sicherheit sorgen. Die Kurse kosten zwischen 150 Franken (TCS-Mitglied) und 200 Franken (Nichtmitglied).

Ähnliches bietet der ACS an. Die ACS-Sektion beider Basel vermittelt freiwillige Fahrberatung bei einem staatlich geprüften Fahr­lehrer. Diese Dienstleistung dauert rund 90 Minuten und kostet 100 Franken für ACS-Mitglieder. «Sie soll der persönlichen Standortbestimmung dienen», sagt Anita Brechtbühl, Leiterin Verkehrs­sicherheit beim ACS.

Gleiche Ziele verfolgen zahlreiche Fahrschulen mit Angeboten für Senioren. In speziellen Kursen schulen Lehrer die Fahrer bezüglich den neuen Anforderungen im Strassenverkehr. Die meisten Fahrschulen bieten auch die ärztlich verordneten Kontrollfahrten an.

Weitere Informationen
www.tcs.ch
www.routinier.ch
www.fahrlehrer.ch

Können Sie noch fahren?

Wenn eine oder gar mehrere Aussagen auf Sie zutreffen, konsultieren Sie Ihren Arzt. Oder überlegen Sie sich, freiwillig auf den Führerausweis zu verzichten.

  • Kreuzungen oder dichter Stadtverkehr machen mich manchmal nervös.
  • Manchmal muss ich die Fahrt verlangsamen, um Verkehrsschilder lesen zu können.
  • Beim Fahren in der Nacht habe ich bei Gegenverkehr Mühe, genügend zu sehen.
  • Ich reagiere in kritischen Situationen langsamer als früher.
  • Es kommt vor, dass ich andere Verkehrsteilnehmer erst im letzten Moment sehe.
  • Innerorts werde ich häufig überholt.
  • Personen in meinem Umfeld haben mir geraten, den Führerschein abzugeben.

Quelle: bfu-Selbsttest; www.bfu.ch

Checkliste vor jeder Fahrt

Im Alter muss man nicht zwingend auf sein Auto verzichten. Doch es gilt, vermehrt eigenverantwortlich auf einzelne Punkte zu achten:

  • Lassen Sie sich jährlich von einem Arzt und Augenarzt untersuchen und erkundigen Sie sich nach Nebenwirkungen Ihrer Medikamente.
  • Kein Alkohol am Steuer!
  • Verzichten Sie auf eine Fahrt, wenn Sie sich nicht 100 Prozent wohl fühlen.
  • Sorgen Sie mit sauberen Scheiben und Spiegeln für freie Sicht.
  • Fahren Sie eher am Tag und vermeiden Sie die Stosszeiten.
  • Seien Sie besonders vorsichtig beim Linksabbiegen, Überholen und bei Spurwechseln.
  • Halten Sie genügend Abstand zum vorderen Fahrzeug.
  • Elektronisch gesteuerte Fahrerassistenzsysteme wie z. B. ABS erhöhen die Sicherheit.
  • Frischen Sie Ihr theoretisches und praktisches Fahrkönnen in Kursen auf.
  • Geben Sie im Zweifelsfall Ihren Führerausweis ab.

  Die Beere, die Flügel verleiht

Publiziert am 27.06.2016 | Aktualisiert am 18.10.2016
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53 Kommentare
  • P  C 28.06.2016
    Ein kompliziertes Thema, da es in gewissen Regionen der Schweiz immer noch eine grosse Einschränkung der Freiheit ist wen man auf die ÖV Angewiesen ist. Daher ersteinmal ein grosses Kompliment an die Menschen welche den Fahrausweis freiwillig abgeben, da sie sich der Verkersituation nicht mehr gewachsen fühlen. Das alter von 70 auf 75 zu erhöhen finde ich jedoch eher bedenklich und einen völlig falsches Signal, vorallem in anbetracht das diese Gesundheitstest ja doch eher sehr tolerant sind.
  • Daniel  Kohler aus Wohlen
    28.06.2016
    Das Gesetz wird mich schlimmstenfalls in 30 Jahren freffen, aber es ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt in der Schweiz hunderte Gesetze, die man nirgendwo sonst auf Erden fuer erforderlich haelt. Wir klagen ueber die Regelungswut der EU, dabei toppen unsere Beamten die EU Buerokratie um Laengen. Auch ins Sachen Buergerrechte liegen wir laengst weit abgeschlagen hinter den vielgeschmaehten USA zurueck.
  • René  Schneeberger , via Facebook 28.06.2016
    Die "Alten" jammern weil sie ab 70 (oder später dann 75) alle 2 Jahre zur Untersuchung müssen.
    Darüber kann ich nur Lachen, als LKW fahre muss ich dies seit ich mit 18 die Prüfung gemacht habe, zwar nur alle 5 Jahre aber immerhin, und die Jammern, kann ich nicht verstehen!
    • Christian  Beutler , via Facebook 28.06.2016
      An alle die hier den Daumen nach unten geben:
      Der Eignungstest für den LKW Führerschein kann Konsequenzen für den PKW Führerschein haben. Ein älterer Chauffeur kann also neben seiner Zulassung für den LKW auch die für seinen PKW verlieren und dies Jahre vor der obligatorischen Untersuchung mit 70. Hier geht es neben der persönlichen Freiheit auch um die berufliche Existenz. Die Untersuchung dient neben der Verkehrssicherheit auch der persönlichen Sicherheit.
      Also: kein Grund zu jammern.
  • Urs  Hagen 28.06.2016
    In Deutschland darf man erst dann nicht mehr fahren wenn man die Füsse im Sarg hat, ich finde dies in Ordnung. Das Auto das Wichtigste im Leben eines Menschen, die Kantone leben davon, der Bund finanziert damit Tausende Tonnen Beton und die ÖV, das Prestigeobjekt, Millionen von Quadratmeter für Lagerstatten dieser Blechkisten, Tausende verdienen ihr Geld mit Kursen, Papierkram und Kontrollen, Das Wichtigste in unserer kranken Gesellschaft. Es ist nur ein Fortbewegungsmittel.
  • Walter  S. aus Zug
    28.06.2016
    Arbeiten, Geschäfte führen, Politiker sein geht alles nur das Fahren muss bewilligt werden....etwas stimmt da wohl nicht ganz!