Gehirn austricksen – Pfunde verlieren Schlank im Kopf

Diäten sind umsonst, wenn man das Gehirn nicht miteinbezieht. Im neuen Buch «Kopfsache schlank» zeigen zwei österreichische Neurochirurginnen, wie das geht.

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Schlanksein beginnt im Kopf: «Wir müssen das Gehirn davon abhalten, dauernd an der Nahrungsbeschaffung rumzustudieren», sagt Neurochirurgin Iris Zachenhofer. Getty Images
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Gesundheit

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Eskimo-Diät, Trennkost, 5:2-Diät, Montignac-Methode, Kohlsuppen-Diät oder FdH («Friss die Hälfte»). Die Anzahl ­Diäten ist so gross wie diejenige der Gemüsesorten im Supermarkt: riesig. Hinter den Namen verbirgt sich das grosse Versprechen, in kurzer Zeit viel abzunehmen.

Die österreichische Neurochirurgin Iris Zachenhofer (40) hat so ziemlich alle Diäten ausprobiert: «Zu ­jeder Diät gab es die vorprogrammierte Enttäuschung mit dazu», sagt sie. «Solche Ernährungsumstellungen sind eher gefährlich als gut, weil die meisten Menschen ­danach zunehmen.»

Österreich / Wien / Feb. 2016

Iris Zachenhofer

© Michael Appelt play
Die Wiener Neurochirurgin Iris Zachenhofer (40) weiss, an welchen Schrauben man im Gehirn drehen muss, um abzunehmen. Michael Appelt

Zufällig fiel ihr beim Aufräumen ein Neurochirurgiebuch vor die Füsse – und sie realisierte, dass sie als Neurowissenschaftlerin eigentlich bestens weiss, wie ein Gehirn funktioniert und an welchen Schrauben man drehen muss, um abzunehmen. Und so schrieb sie mit ihrer Fachkollegin Marion Reddy (50) das Buch «Kopf­sache schlank».

Zachenhofer hat fünf Kinder, Reddy sechs, beide sind als Ärztinnen tätig und haben Topfiguren. «Wir wurden ständig gefragt, weshalb wir so schlank sind, obwohl wir so viel arbeiten, Kinder haben und uns beim Essen nicht zurückhalten», sagt Zachen­hofer, die zurzeit im Zentrum für Suchterkrankungen eines Wiener Spitals arbeitet und dort ihren zweiten Facharzt zur Psychiaterin macht.

Zwischen den Buchdeckeln ist nun zu lesen, wie das eigene Hirn beim Abnehmen helfen kann, wenn man es richtig programmiert und seine Signale richtig deutet. Zuallererst geht es darum, Essgewohnheiten zu ändern. Die sind, wie viele unserer automatisierten Handlungen, in den Basalganglien gespeichert (siehe unten). Deren Neuprogrammierung braucht Zeit. Zachenhofer begann damit, dass sie auf Zwischenmahlzeiten verzichtete und nur dreimal pro Tag ass. «Also genau so, wie ich es als Kind machte», sagt sie. «Dieses ­Verhalten ist noch in den Temporallappen gespeichert und deshalb schneller aktiviert.»

Das Hirn davon abhalten, ­ständig ans Essen zu denken

Ihre Ziele hielt sie handschriftlich fest – nicht nur in der elektronischen Agenda oder in Gedanken. «Handschriftliches wird über die Sehrinde im Hirn anders aufgenommen. Vorsätze verankern wir so bewusster.» Nach zwei Wochen hatte sie ihr Ziel erreicht und machte sich gleich an den nächsten Schritt: Heisshungerattacken vermeiden.

Dafür musste sie den Hypothalamus in den Griff bekommen. Wenn der Blutzucker sinkt, schlägt er Alarm und löst Hungergefühle aus. Um den Spiegel konstant zu halten, griff die Neurochirurgin auf Lebensmittel mit niedriger glykämischer Last zurück. Die sogenannten Glyx-Zahlen stammen aus der Diabetes-Forschung und zeigen an, wie der Blutzucker auf das jeweilige Nahrungsmittel reagiert. «In jedem Fall müssen die Por­tionen so gross sein, dass man satt ist bis zur nächsten Mahlzeit», sagt Zachenhofer. «Wir müssen das ­Gehirn davon abhalten, dauernd an der Nahrungsbeschaffung rumzustudieren. Das gelingt nur, wenn wir nicht ständig hungrig sind.»

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Um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten, empfiehlt Zachenhofer Nahrungsmittel mit tiefer glykämischer Last.

Das Mittelhirn funktioniert wie in der Steinzeit

Das führte die Ärztin auf ihrer Entdeckungsreise zum Belohnungssystem im Mittelhirn. Dieses System funktioniert nach den gleichen Mustern wie in der Steinzeit und belohnt uns für Handlungen, die damals zum Überleben wichtig ­waren: Essen, vor allem Zucker und Fett. Dann wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet, und wir sind zufrieden. «Das ist im Prinzip gut, aber nicht in unserer aktuellen Situation, in der Nahrung dauernd und überall verfügbar ist.» Deshalb soll man andere Dopaminquellen suchen und pflegen: Sport, gute Gespräche, Zärtlichkeit, Sex, Schlaf – oder die Vorfreude auf ein liebevoll angerichtetes Essen.

Der Gegenspieler des Belohnungssystems ist der präfrontale Kortex – der Hort des Vernunft­denkens. Menschen sind, anders als Tiere, dafür geschaffen, Pläne zu machen. Das solle man nutzen, findet Zachenhofer. Weil das Gehirn Bilder besser verarbeitet als geschriebene oder gesprochene Worte, soll man Pläne in Bildern festhalten: sich optische Vorbilder nehmen und kleine Zeichnungen machen. Und sich wägen, jeden Tag. «Das hörte sich für mich nervig an am Anfang», sagt Zachenhofer. Mittlerweile sei dies eine Motiva­tion und ein Weg zu ­sehen, wie ihr Körper auf welche Nahrungsmittel reagiere. «Heute ist das Wägen eine Gewohnheit wie das tägliche Zähneputzen.»

So steuert das Gehirn das Denken

1. Basalganglien
Das Gehirn speichert Verhaltensmuster in den Basalganglien ab. Dank dieser Programmierung muss man nicht jede Bewegung und Handlung ständig neu überlegen. So schleift sich auch das Essverhalten ein – gesundes wie ungesundes.

2. Hypothalamus
Das Gehirn muss konstant mit Energie versorgt werden und misst deshalb ständig den Blutzuckerspiegel. Die Überwachung läuft über den Hypothalamus. Wenn der Blutzucker sinkt, löst dieser Alarm aus – meist in Form einer Heisshungerattacke.

3. Belohnungssystem
In der Steinzeit belohnte das Gehirn Jäger mit dem Glückshormon Dopamin, wenn sie reichhaltige Nahrung gefunden hatten. Der Körper schüttet Dopamin aber auch in anderen, vor allem zwischenmenschlichen Situationen aus.

4. Präfrontaler Cortex
Das sogenannte Stirnhirn ist zuständig für das rationale Denken. Es steuert und kontrolliert die Denkprozesse und kümmert sich um die Planung von Handlungen. Deshalb: Je besser man ein Vorhaben plant, desto erfolgversprechender.

Raus aus der Zuckerfalle

Publiziert am 26.02.2016 | Aktualisiert um 09:55 Uhr
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