Forscher behaupten: Wir dürfen alle mehr essen Die grosse Kalorien-Lüge!

Schluss mit dem ewigen Prüfen der Kalorien. Denn die bis anhin berechnete Kalorienanzahl für bestimmte Nahrungsmittel stammt von einer Methode aus dem 19. Jahrhundert und ist somit veraltet.

Viele Menschen nehmen in Tat und Wahrheit deutlich weniger Kalorien zu sich. play

Viele Menschen nehmen in Tat und Wahrheit deutlich weniger Kalorien zu sich.

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Gesundheit

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Wie oft konsultieren Sie sorgenvoll die Kalorienangaben auf Lebensmittelpackungen? Sie dürfen aufatmen: Nach neuen Forschungen sind die dort angegebenen Werte oft viel zu hoch, teilweise 25 Prozent und mehr (siehe Box).

«Die Kalorienmenge, die wir aus Eiweissen und Ballaststoffen erhalten, ist übertrieben», stellt der britische Ernährungsforscher Geoffrey Livesey fest, der die Vereinten Nationen berät. Denn die bisher verwendeten Werte basieren auf einer Methode aus dem 19. Jahrhundert: Das Lebensmittel wird in einem Mini-Ofen (Kalorimeter) verbrannt und die entstehende Wärme gemessen. Eine Kalorie ist die benötigte Energie, um ein Gramm Wasser um ein Grad zu erwärmen. Aber: Unser Körper funktioniert viel komplizierter als ein Ofen:

  • Ein Teil der zugeführten Kalorien wird allein für die Verdauung verbraucht: 14 bis 18 Prozent sind es bei Eiweiss (z. B. Fleisch), 8 bis 10 Prozent bei Kohlenhydraten (z. B. Brot), 3 bis 4 Prozent bei Fetten (z. B. Öl). Dem Körper steht dieser Teil also nicht mehr zur Verfügung.
  • Ein weiterer Teil wird unverdaut ausgeschieden, vor allem bei faserreichen Lebensmitteln wie Nüssen. Auch diesen Teil der zugeführten Kalorien kann unser Körper gar nicht verwerten.

Wer die empfohlene Menge isst (etwa 2000 Kalorien pro Tag für eine körperlich aktive Frau), hat mehrere Hundert Kalorien weniger zu sich genommen.

«Kalorienangaben sind eine gute Orientierung, werden aber überschätzt», sagt der Ernährungsmediziner und Bestsellerautor Detlef Pape (60, «Schlank im Schlaf»). Typische Folgen falscher Ernährung sind dann Heisshungerattacken sowie kalte Hände oder Füsse. Weil Energie fehlt.

So dürfen wir vor allem von den zu hoch berechneten Produkten mehr essen: Eier, Fleisch, Fisch, Gemüse, Nüsse. Keinen Nachschlag sollten Sie sich bei Kohlenhydraten gönnen, also Brot, Pasta, Süsses inklusive Obst. Diese Kalorienwerte wurden auch mit der traditionellen Methode korrekt berechnet.

Bereits 2012 lagen erste Hinweise auf die grosse Kalo­rienlüge vor. Doch es wird noch einige Zeit dauern, bis die Hersteller alle Werte neu ermittelt und die Etiketten aktualisiert haben. Bis dahin gilt: geniessen ohne Reue. Sie ist unbegründet.

Publiziert am 29.04.2015 | Aktualisiert am 29.04.2015
Brennwert-Theorie entwickelt: Wilbur Atwater (1844 – 1907).

Falsch berechnete Kalorien

US-Chemiker Wilbur Atwater  entwickelte die Methode, um den Brennwert von Lebens­mitteln zu berechnen. Doch bei Produkten mit viel Eiweiss oder Ballaststoffen liegt sie nach heutigem Wissen oft weit daneben. Beispiele (jeweils 100 g):

  • Thon in der Dose. Bisher: 136 Kalorien. Jetzt: 89 Kalorien. Zu viel berechnet: 47 Kalorien (35 Prozent).
  • Rindsbrust, gebraten. Bisher: 189 Kalorien. Jetzt: 161 Kalorien. Zu viel berechnet: 28 Kalorien (15 Prozent).
  • Rapsöl. Bisher: 900 Kalorien. Jetzt: 890 Kalorien. Zu viel berechnet: 10 Kalorien (1 Prozent).
  • Pistazien, geröstet. Bisher: 585 Kalorien. Jetzt: 559 Kalorien. Zu viel berechnet: 26 Kalorien (4 Prozent).
  • Mandeln. Bisher: 575 Kalorien. Jetzt: 432 Kalorien. Zu viel berechnet: 143 Kalorien (24 Prozent).

Weiterhin aktuell sind die Kalorienwerte für Lebensmittel mit vielen Kohlenhydraten, also Zucker, Stärke, Getreideprodukte oder Apfelsaft (42 Kalorien) und gekochter Reis (126 Kalorien).

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4 Kommentare
  • Martin  Simon 29.04.2015
    Einheiten sind nicht jedermanns Sache:
    Mit 2000 Kalorien pro Tag kommt frau nicht weit, 2000 Kilokalorien wären besser. Der Marathon misst schliesslich auch nicht 42 Meter sondern 42 Kilometer. Und 1 Kalorie wird benötigt um 1 Gramm Wasser um 1 Grad Celsius zu erwärmen...
  • Patrik  Finck 29.04.2015
    Ich hab schon mit den falschen und anscheinend zu tiefen Kalorienangaben 10 Kilo zu viel auf den Rippen. Ich glaube jetzt nicht unbedingt, dass ich mehr futtern darf wie die Forscher behaupten.
    • Daniel  Kohler aus Wohlen
      29.04.2015
      Kein Problem. Bestimmt entdeckt die Wissenschaft bald, dass die Waagen zu viel anzeigen und der Meter zu kurz ist.
  • Peter  Stahl aus Baden
    29.04.2015
    Wie sagt man doch, nicht die Kalorienmenge, nicht die Waage..schau Dich selber im Spiegel an und Du weisst ob Du zuviel isst oder nicht. Da interessiert niemand ob ein Lebensmittel mehr oder weniger Kalorien hast, iss es einfach nicht!