Comeback: Interview mit Borgward-Vize Karlheinz Knoess «Wir werden jedes Jahr ein neues Modell bauen»

Am Genfer Autosalon kündigte Borgward ein Comeback an – allerdings noch ohne neue Modelle. Diese wurden erst für die IAA im Herbst versprochen. SonntagsBlick schaute nun in Frankfurt bei Borgward vorbei und unterhielt sich mit Vizepräsident Karlheinz Knoess.

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Einst war Borgward der drittgrösste Autohersteller Deutschlands. Mit Stilikonen wie Isabella, Hansa oder Arabella bewegte die Bremer Traditionsmarke die Generationen der Nachkriegszeit – ehe Firmengründer Carl F.W. Borgward 1961 unter dubiosen Umständen Konkurs anmelden musste. Nach über einem halben Jahrhundert kehrt Borgward nun mit chinesischen Geldgebern und dem SUV BX7 auf die automobile Weltbühne zurück. Was steckt hinter diesem Comeback – mehr als nur grosse Worte?

Herr Knoess, warum ein Borgward-Comeback?
Karlheinz Knoess:
Der eigentliche Initiant war Autor Andreas Berse. Er hatte vor elf Jahren die Idee, ein Buch über Borgward zu schreiben. Dabei ging es darum, was geschehen wäre, wenn Borgward 1961 nicht Konkurs gegangen wäre und wie die heutigen Modelle ausgesehen hätten. Als Berse seine Idee Christian Borgward, dem Enkel des Firmengründers, präsentierte, war dieser hell begeistert. Und begann die Pläne auszubauen.

Ihre neuen Modelle sollen 2016 erst im Mutterland von Geldgeber Foton auf den Markt kommen. Haben Chinesen überhaupt einen Bezug zu Borgward?
Absolut! Wir haben bei Umfragen unser Logo neben jenes anderer renommierter Autohersteller gehalten, und dabei sehr gut abgeschnitten. Die Strahlkraft von Borgward blieb bis heute erhalten – selbst in China.

Einst fertigte Borgward Design-Ikonen wie die Isabella. Der neue BX7 ist aber ein SUV. Kein Traditionsbruch?
Auch wir müssen Geld verdienen, was mit reinen Retro-Modellen nicht möglich wäre. Zudem bin ich sicher, dass Carl F.W. Borgward das SUV erfunden hätte. Leider kam er nicht mehr dazu. Doch bereits der 1924 entstandene Blitzkarren hatte mit seinem grossen Ladevermögen erste SUV-Ansätze und konnte sowohl im Beruf als auch in der Freizeit verwendet werden.

Dann wird Borgward zum SUV-Hersteller?
Keine Angst, zum gegebenen Zeitpunkt werden wir uns auch anderen Fahrzeugklassen widmen.

Keine Angst, mit dem BX7 im SUV-Einheitsbrei unterzugehen?
Das Design des BX7 greift frühere Borgward-Stilelemente auf. So besitzt etwa die seitliche Sicke unser typisches Wing-Design. Oder auch dem Anspruch, dass ein Borgward selbst im Stillstand so dynamisch wirkt als würde er fahren, haben wir entsprochen. Dort, wo es Sinn macht, haben wir den Spirit früherer Fahrzeuge übernommen.

Auch technisch war Borgward früher Pionier. Was darf man in Zukunft von Ihnen erwarten?
Wir sind eine deutsche Marke mit hohem Innovationsanspruch. Deshalb arbeiten wir eng mit der Fachhochschule Achen zusammen. Künftig werden wir sowohl Plug-in- als auch Vollhybride anbieten. Aber auch den Bedürfnissen unserer asiatischen Kunden nach einem vollvernetzten Auto wollen wir gerecht werden.

Sie sind eine deutsche Marke, gründeten die Borgward AG aber in Luzern. Warum gerade in der Schweiz?
Die Schweiz war als Ausgangspunkt ein idealer Standort – offen und dennoch diskret. Zudem ist die Schweiz ein wichtiger Automarkt, trotz seiner geringen Grösse. Wir haben der Schweiz viel zu verdanken. Als wir im Frühling am Genfer Autosalon unsere Rückkehr ankündigten, haben die Salon-Verantwortlichen alles unternommen, um uns einen Stand zur Verfügung zu stellen, obwohl wir noch keine Neuheit hatten. Dies war nicht selbstverständlich.

Wann dürfen wir bei uns mit den ersten neuen Borgward-Modellen rechnen?
In etwa zwei Jahren werden die ersten neuen Borgwards über europäische Strassen rollen.

Haben Sie konkrete Verkaufsziele?
Mittelfristig wollen wir jährlich 500 000 Fahrzeuge absetzen.

Das wären mehr, als Borgward von 1939 bis 1963 insgesamt verkaufte. Wie wollen Sie das erreichen?
Wir haben ehrgeizige Pläne, was die Zukunft anbelangt. Details darf ich ihnen noch nicht verraten. Aber eines nehme ich vorweg: Ab 2016 werden wir jedes Jahr ein neues Modell bauen.

Publiziert am 28.09.2015 | Aktualisiert am 28.09.2015

Borgward BX7

Mit dem BX7 läutet Borgward über 50 Jahre nach dem Konkurs sein Comeback ein. Der 4,71 Meter lange SUV ist neun Zentimeter länger als etwa ein Audi Q5 und bietet Platz für bis zu sieben Personen. Neben viel Platz will er mit moderner Multimedia-Ausstattung inklusive Online-Navigation und Smartphone-Integration punkten. Für den Antrieb sorgen ein Zweiliter-Turbobenziner mit 224 PS sowie ein 401 PS starker Plug-in-Hybrid, der lediglich 2,3 Liter auf 100 Kilometern benötigen soll. Die Gangwahl übernimmt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, während neun Fahrmodi den BX7 auf allen Terrains salonfähig machen sollen.

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1 Kommentare
  • Anton  Ehrlich 28.09.2015
    Sie wollen jedes Jahr ein neues Modell bringen und 500 000/pro Jahr verkaufen.
    Sie wollen ......aber niemand wird sie kaufen.
    Vier Berner waren auf der IAA und überrascht über die großzügige und bestimmt teuere Repräsentation von Borgward.
    Aber niemand wird diese von einem namenlosen Chinesischen Hersteller gebauten und austauschbaren SUV kaufen.
    Die vier Berner bestimmt nicht und andere Weltbürger auch nicht.
    Hier wird Entwicklungsgeld auf nimmer wiedersehen verbrannt.