Welche Schweizer Firmen schaden dem Klima am meisten?
Die grossen Sünder

In der Schweiz verursachen die Zement-Unternehmen mit Abstand am meisten Treibhausgasemissionen – allen voran Lafarge Holcim. Auch international heizen Schweizer Firmen die CO2-Emissionen an. Glencore gehört zu den Top-100-Verschmutzern.
Publiziert: 11.03.2019 um 23:01 Uhr
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Aktualisiert: 13.03.2019 um 08:46 Uhr
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Die grösste CO2-Schleuder der Schweiz ist die Holcim-Zementfabrik in Siggenthal AG mit 554'525 Tonnen CO2 im Jahr 2017.
Claudia Gnehm

Die einzelnen Klima-Übeltäter unter den grössten Firmen in der Schweiz sind schnell ausgemacht. Die drei Zementwerke von Lafarge Holcim in Siggenthal AG, Untervaz GR und Eclépens VD stossen pro Jahr 1,4 Millionen Tonnen CO2 aus. Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus mit Ölheizung verursacht jährlich rund 5 Tonnen CO2.

Am meisten Energie fressen die Zementöfen, die auf fast 1500 Grad Celsius erhitzt werden müssen, um die Mineralien zu verarbeiten. Ausserdem entweichen aus dem Gesteinsmehl im Produktionsprozess pro Tonne Zement rund 390 Kilogramm CO2. Zementkonzerne sind sich ihres Klimaproblems bewusst: Holcim hat seit 1990 den CO2-Ausstoss in der Schweiz um 30 Prozent reduziert. Dies über Effizienzmassnahmen und alternative Brenn- und Rohstoffe. «Somit haben wir überdurchschnittlich zur CO2-Reduktion in der Schweiz beigetragen», sagt Lafarge-Holcim-Sprecher Eike Meuter.

Kehrichtverbrennung aus Siedlungsabfällen schenkt ein

Unter den Top-Dreckschleudern auf Schweizer Boden gehören auch etliche Kehrichtverbrennungsanlagen. Fünf Prozent des Ausstosses von Treibhausgasen in der Schweiz gehen auf das Konto von Hagenholz und Co.

Der grösste Schweizer Treibhausgassünder im Ausland ist der Rohstoff- und Handelskonzern Glencore. Er ist das einzige Schweizer Unternehmen unter den weltweit grössten 100 Verschmutzern im KCO2-Report der Organisation Carbon Disclosure Project. An der Spitze befindet sich die saudische Ölfirma Aramco, gefolgt von der russischen Gazprom.

Glencore gibt seine jährlichen CO2-Emissionen mit 33,5 Millionen Tonnen an. Allerdings sind das nur die Emissionen, die Glencore bei Förderung, Produktion und Transport verursacht. Zählt man die indirekten Emissionen von Glencore-Rohstoffen wie Kohle, die später bei Kunden anfallen, hinzu, steigt der Ausstoss um das Achtfache. Der Multi bemüht sich um Reduktionen, indem er etwa in Kohlekraftwerke mit hohem Wirkungsgrad investiert. Von einem Ausstieg bei CO2-intensiven Produkten wie Kohle ist aber keine Rede.

Grossbanken finanzieren CO2-Schleudern

Ein weiterer grosser Klimasünder ist der internationale Energiehandelskonzern Vitol aus Genf. Er ist zu einem Drittel an Varo Refining beteiligt, die die Raffinerie in Cressier NE betreibt. Sie ist gemäss dem Treibhausgas-Inventar des Bundes die fünftgrösste CO2-Verursacherin hierzulande. Über die internationale CO2-Bilanz macht Vitol keine Angaben.

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Zum Klimawandel steuert auch der Dienstleistungssektor bei. Die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse finanzieren gemäss einer Greenpeace-Studie mit Milliardenkrediten Unternehmen mit besonders hohem CO2-Ausstoss. Allein zwischen 2015 und 2017 sollen sie Kredite in der Höhe von 12,3 Milliarden Dollar an Unternehmen gesprochen haben, die in den Bereichen Kohle sowie Öl aus Teersand, der Arktis und der Tiefsee tätig sind. Sie verursachten gemäss der Umweltorganisation einen Ausstoss von 182,9 Millionen Tonnen CO2, der ohne die Kredite nicht möglich gewesen wäre.

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