Schattenmarkt wird plötzlich legal
Mit Kiffern Kohle machen

Kiffen wird legal – und die Investoren stürzen sich auf die Aktien. Ein historisch einzigartiges Phänomen.
Publiziert: 08.07.2018 um 10:58 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 17:59 Uhr
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Cannabis ist ein Riesenmarkt, der die Börsen antreibt.
Moritz Kaufmann

Vielleicht hat der Schweizer Bundesrat mit einem Auge auf die Börse geschielt. Am letzten Mittwoch verkündete die Schweizer Regierung: «Wissenschaftliche Studien über alternative Regelungsmodelle für den Freizeitkonsum von Cannabis zu ermöglichen.»

Bisher kam das nicht in die Tüte: Darf in der Schweiz endlich gekifft werden?(00:50)

Die Zeichen stehen also auf Legalisierung. Vor allem auf dem amerikanischen Kontinent. In Kanada wird Cannabis im Oktober legal. In Uruguay ist es das schon. Genau gleich wie in neun amerikanischen Bundesstaaten. 25 weitere US-Staaten erlauben das Kiffen zu medizinischen Zwecken.

Und an der Börse? Dort zeigt alles nach oben, was irgendwie nach Gras riecht. Die grössten Firmen kommen aus Kanada, heissen Aurora Cannabis, Canopy Growth oder Medreleaf Stock. Sie haben ihren Wert im vergangenen Jahr verdoppelt bis verdreifacht. Das Finanzunternehmen Swissquote hat gar eigens ein Cannabis-Zertifikat zusammengestellt – und bewirbt das Finanzprodukt prominent in der konservativen NZZ.

«Investitionen in Cannabis-Firmen machen Sinn»

«Wenn wir mal die moralischen Fragen auf der Seite lassen, dann machen Investitionen in Cannabis-Firmen grossen Sinn», sagt Peter Rosenstreich (45), Chef für Marktstrategien bei Swissquote. Die Situation ist einmalig: Der (Schwarz-)Markt wird auf 25 bis 50 Milliarden Dollar geschätzt – ein riesiger Wirtschaftszweig, der bisher im Schatten operierte. Nun wird dieser in relativ kurzer Zeit legalisiert.

Sozial- und Wirtschaftshistoriker Martin Tanner kennt nur drei vergleichbare Ereignisse: «Erstens die von den Briten im Zweiten Opiumkrieg erzwungene Legalisierung des Opiums in China.» Auch da ging es ums Geldverdienen. Die Briten stellten Opium in Indien her. Und wollten dies in China verkaufen. Den Vertrag von 1858 sahen die Chinesen als Akt des Imperialismus. Zweitens: Die Aufhebung der Alkohol-Prohibition in den USA 1933. Und drittens: «Die aktuelle Legalisierungswelle, die ja nicht nur Hanf, sondern in der Schweiz auch etwa Absinth umfasst.» Die mythische Wermutsspirituose war in der Schweiz zwischen 1908 und 2005 ebenfalls verboten.

Es winken hohe Steuereinnahmen

Dass die Zeichen auf Legalisierung stehen, daran zweifeln weder Rosenstreich noch Tanner. Ein wichtiger Treiber auch für die Politik: das Geld! «Es winken hohe Steuereinnahmen!», sagt Rosenstreich. Folglich werde das Interesse an Investitionen nicht nachlassen.

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Cannabis sei für viele Menschen ein fassbares Produkt, so Rosenstreich. Anders als bei vielen komplexen Finanzprodukten kann man sich etwas dabei vorstellen. Der Boom ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass Experten bei Cannabis-Investments bereits von einer Blase warnen. Dann könnten die Gewinne in Rauch aufgehen.

CBD-Boom in der Schweiz

In den 90er-Jahren war die Schweiz ein Kifferparadies. Aufgrund schwammiger Gesetze konnte man das Gras als «Duftsäckli» getarnt im Laden kaufen. Im Jahr 2000 zählte man in Basel 100 Hanfläden, aber nur 70 Bäckereien. Im gleichen Jahr allerdings drückte das Bundesgericht aber den Joint aus. Es erklärte Cannabis mit mehr als 0,3 Prozent THC (dem berauschend machenden Stoff) für illegal. Seither hat sich die Schweiz als Spezialistin für den kaum psychoaktiven CBD-Hanf (Cannabidiol) gemausert – eine Art «Cannabis light». Schweizer Hersteller sind führend bei der Herstellung. Heute kann man «Hanf-Zigis» sogar im Coop kaufen.

In den 90er-Jahren war die Schweiz ein Kifferparadies. Aufgrund schwammiger Gesetze konnte man das Gras als «Duftsäckli» getarnt im Laden kaufen. Im Jahr 2000 zählte man in Basel 100 Hanfläden, aber nur 70 Bäckereien. Im gleichen Jahr allerdings drückte das Bundesgericht aber den Joint aus. Es erklärte Cannabis mit mehr als 0,3 Prozent THC (dem berauschend machenden Stoff) für illegal. Seither hat sich die Schweiz als Spezialistin für den kaum psychoaktiven CBD-Hanf (Cannabidiol) gemausert – eine Art «Cannabis light». Schweizer Hersteller sind führend bei der Herstellung. Heute kann man «Hanf-Zigis» sogar im Coop kaufen.

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