Die dümmsten Autohändler der Schweiz

Am Montag beginnt der Prozess gegen Pleitier Rolf Erb. Die Familie bezieht bis heute Geld aus der einstigen Milliarden-Gruppe.
Publiziert: 18.01.2012 um 23:23 Uhr
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Aktualisiert: 07.09.2018 um 10:57 Uhr
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Von Roman Seiler

Der Winterthurer Autohändler Rolf Erb (60) vergütete sich bis zum Kollaps seiner Erb-Gruppe im Dezember 2003 jährlich 1,1 bis 1,2 Millionen Franken. Rolfs im Juli 2003 verstorbener Vater Hugo schuf aus einem Garagenbetrieb ein Imperium, das 4,5 Milliarden Franken umsetzte (siehe Kasten rechts).

Was bis jetzt verborgen blieb: Rolf Erb, einst Präsident und CEO der Erb-Gruppe, bezieht noch heute ein Verwaltungsratshonorar einer Firma, die laut Geschäftsbericht 2002 zur Gruppe zählte. Es beläuft sich gemäss mehreren Quellen auf 70 000 bis 80 000 Franken. Dazu verrechnet er der Schlosshof Immobilien AG Autospesen von 12 000 Franken. Sein gelähmter Bruder Christian bekomme ein etwa halb so hohes Honorar, heisst es.

Der Schlosshof gehören neben dem Zentrum Töss über 100 Wohnungen in Seuzach ZH. Die Mietzinseinnahmen sollen sich auf rund 4 Millionen Franken belaufen.

Die Aktien der Schlosshof übertrug Rolf Erb im April 2003, also kurz vor dem Kollaps, seinen damals zehn Monate alten Zwillingen. Bruder Christian erhielt ein «lebenslängliches, hälftiges Nutzungsrecht». Das war gemäss Anklageschrift der Zürcher Staatsanwaltschaft eine von mehreren Übertragungen an Rolf Erbs Söhne und seine Lebenspartnerin. Dazu zählten Aktien, Autos (siehe unten), Bargeld und Liegenschaften wie Schloss Eugensberg im Wert von mehr als 36 Millionen Franken. Den Unterhalt seines Wohnsitzes oberhalb Salenstein TG von rund 150 000 Franken soll Rolf Erb aus Pacht- und Mieteinnahmen von Land und Nebengebäuden bestreiten.

Viel Geld für Normalverdiener. Rolf Erb war sich anderes gewohnt. Die Erb-Gruppe scheffelte mit dem Import und dem Handel von Autos extrem viel Geld. Wie die Familie Haefner von der Amag-Gruppe sowie Emil Frey und sein Sohn Walter. Hätten die Erbs nicht immer mehr Geld in neue Geschäftszweige gesteckt, wären sie wohl noch Milliardäre.

Den Anfang vom Ende läutete der 1988 erfolgte Einkauf in das Finanzinstitut EBC mit Niederlassungen in Zürich und London ein. Ein Kunde war der Saudi-Prinz Al Waleed bin Talal. Weil der Milliardär mit der Verwaltung seines Depots völlig unzufrieden war, kauften ihm die Erbs dieses 1991 für 50 Millionen Franken ab. Darin befanden sich auch Aktien des deutschen Handelsunternehmens Terrex und der Kölner Immobilienfirma CBB Holding.

Unter bis heute ungeklärten Umständen übernahmen die Erbs 1996 die Aktienmehrheit der CBB. Daraufhin zwang die Revisionsgesellschaft Rolf Erb dazu, eine Patronatserklärung zu unterzeichnen.

Ansonsten hätte sie den Geschäftsbericht nicht unterschrieben, was wohl das Ende der CBB bedeutet hätte. Danach hafteten Erb-Firmen für alle Ausstände der Firma. Monat für Monat flossen Millionen nach Köln. Bis 2003 war es mehr als 1 Milliarde. Dieser und andere Mittelabflüsse waren nicht verkraftbar. Um die Überschuldung ihrer Firmen zu verschleiern, frisierten die Erbs ihre Bilanzen.

Das ist einer der Anklagepunkte neben Gläubigerschädigung wegen der Abtretungen von Vermögenswerten an die Lebenspartnerin und die Zwillinge Rolf Erbs. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Rolf Erb verbreitet eine andere Version. Der von ihnen ernannte Sanierer habe den Konzern vorschnell in den Kollaps gejagt. Trotz blendenden Geschäftsganges. Was Rolf Erb ausblendet: Er und Christian Erb stellten im November 2003 gemäss Fritz Rothenbühler, Liquidator der Erb-Holding Unifina, fest: «Gemäss ihrer eigenen Beurteilung waren die Holdinggesellschaften Herfina, Unifina und Uniwood der Erb-Gruppe überschuldet. Deswegen beantragten sie die Nachlassstundung. Die Beteiligungsgesellschaft Uninvest schickten sie in den Konkurs.»

Ab Montag muss das Bezirksgericht in Winterthur klären, wer recht hat.

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